Kundenrezensionen von JennifersBooks





Treibgut
von Freya Jüptner
Das Buch „Treibgut“ von Freya Jüptner hat mich sofort durch sein besonderes Thema überzeugt. Man liest nicht jeden Tag über Frauen in männerdominierten Berufen, und diese Ausgangssituation hat mich gereizt. Die Kapitel wechseln zwischen Femkes und Sonjas Sicht, was einen klaren und nahen Einblick in die Leben der beiden Frauen ermöglicht. Sie könnten unterschiedlicher kaum sein, doch jede kämpft mit eigenen Herausforderungen, die realistisch und emotional nachvollziehbar sind.Besonders berührt hat mich Femke. Ich bin zwar keine Fischerin, aber die Belastung pflegender Angehöriger kenne ich gut. Dieser Druck, der sich nicht abstellen lässt, die ständige Sorge, ob man alles schafft und niemand zu kurz kommt, ist in Femkes Perspektive so eindringlich beschrieben, dass ich mehrfach schlucken musste. Einige Kapitel haben mir sogar Tränen in die Augen getrieben.
Sonja hat mir ebenfalls gut gefallen. Obwohl sie Femke viele Jahre nicht gesehen hat, steht sie ihr sofort wieder zur Seite. Sie hilft ihr beim Fischen und unterstützt sie bei der Suche nach einem Pflegeheim für ihren Vater. Gleichzeitig stemmt sie ihr eigenes Leben als Segellehrerin, Anästhesistin und frischverheiratete Frau. Die Freundschaft der beiden Frauen mit ihren Erinnerungen, Erwartungen und Spannungen wirkt sehr realistisch, und die Dynamik zwischen den beiden hat mich immer wieder mitgerissen.
Auch die Nebenfiguren sind stark gezeichnet. Die Zwillinge Bjarne und Anton zeigen sehr deutlich, wie unterschiedlich Geschwister sein können. Ihr Zwiespalt zwischen jugendlicher Unbeschwertheit und familiärer Verantwortung wirkt authentisch und nachvollziehbar. Man spürt, wie sehr sie Femke unterstützen wollen und gleichzeitig selbst noch mitten im Erwachsenwerden stecken. Auch Figuren wie Knuth, die Pflegerinnen von Egon und der Bankberater geben dem Buch eine persönliche Note und zeigen, wie es in einem kleinen Ort zugehen kann, wo jeder jeden kennt. Ich habe mir einige Bilder und Infos zu Freest angesehen und muss sagen, dass ich es mir beim Lesen genau so vorgestellt habe. Freya Jüptner hat die Gegebenheiten sehr treffend beschrieben.
Was mich überrascht hat, ist die Entwicklung der Handlung. Anfangs wirkt „Treibgut“ wie ein Gesellschaftsroman über zwei Frauen in männerdominierten Berufen, über Ungerechtigkeiten, Alltagskämpfe und die Härte des maritimen Lebens. Nach und nach entsteht jedoch eine Krimispannung, die immer dichter wird. Ich habe sogar in Lesepausen oft darüber nachgedacht, welche Entscheidungen Femke und Sonja noch treffen müssen und wohin das alles führen könnte.
Besonders eindrucksvoll fand ich die Darstellung der Schmuggler. Es wird sehr klar beschrieben, wie sie ihre Opfer auswählen, wie sie Vertrauen aufbauen und wie man langsam in einen Kreislauf gerät, aus dem man kaum wieder herauskommt. Das wirkt beklemmend und ist gleichzeitig hervorragend erzählt.
Im Buch kommen viele Begriffe rund um Schiffe, Motoren und Segeln vor, was bei diesem Thema naheliegt. Trotzdem hatte ich persönlich immer wieder Momente, in denen ich etwas nachschlagen musste, um bestimmte Situationen besser zu verstehen. Das berühmte Kartoffel-Kartoffel-Geräusch habe ich erst nach einer kleinen Google-Recherche verstanden, weil ich mit Motoren nichts zu tun habe. Für mich war das manchmal ein kleiner Stolperstein, auch wenn die Recherche am Ende sogar Spaß gemacht hat. Andere Leser:innen haben damit vermutlich weniger Schwierigkeiten, aber für mich war es ein Grund für vier Sterne. Vielleicht wäre es in zukünftigen Büchern sinnvoll, für Landeier wie mich ein kleines Glossar mit den wichtigsten Begriffen hinten anzuhängen, damit man nicht ständig im Intenet nachschauen muss. Trotz dieser Hürde hat mir „Treibgut“ sehr gut gefallen, weil die Geschichte fesselnd, emotional und atmosphärisch erzählt ist. Den historischen Überblick am Ende des Buches fand ich ganz interessant, weil man noch etwas über die Gegebenheiten und die Geschichte der Gegend lernen konnte.
Fazit: „Treibgut“ ist ein eindringlicher Roman über zwei starke Frauen, ihre Freundschaft, ihre Kämpfe und die Schattenseiten des maritimen Alltags. Die Mischung aus authentischer Arbeitswelt, emotionaler Tiefe und langsam wachsender Spannung funktioniert sehr gut. Für mich sind es vier Sterne, weil mich das Buch berührt und überrascht hat, auch wenn ich bei einigen Begriffen öfter nachschlagen musste.
~ Das Buch wurde mir netterweise vom kontrabande Verlag als digitales Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Die Bereitstellung des Exemplars hat keinen Einfluss auf meine Bewertung oder meine persönliche Meinung zum Buch. ~





The Flamebearer Trilogy 1: The Witch in the Dead of Night
von Charlotte Buckley
Ich war von Anfang an neugierig auf "The Witch in the Dead of Night", weil es genau die Elemente vereint, die ich liebe: Vampire, Hexen und Verschwörungen. Auch das Cover hat sofort mein Interesse geweckt. Dieser Bleiglasfenster-Stil wirkt wunderschön und passt perfekt zur Handlung des Buches.
Im Mittelpunkt steht Finwal Erramun, genannt Finn, die nach einem Vorfall ihr Heimatdorf verlassen muss und in Valnar landet. Dort arbeitet sie zunächst als Dienstmädchen im Schloss des Vampirkönigs Mordric. Als der König sie beim Wirken von Magie in der Bibliothek überrascht, verändert sich ihr Leben schlagartig. Er will sie als magische Beraterin ausbilden lassen, und sein Bruder, Prinz Enhart, übernimmt das Training.
Finn wirkt angenehm realistisch: Sie wird aus ihrem einfachen Leben herausgerissen und genießt den neuen Luxus, die feinen Gewänder und die Aufmerksamkeit des Königs vielleicht ein wenig zu sehr. Ihr Misstrauen am Hof schaltet sie trotz Warnungen aus, was sie manchmal naiv erscheinen lässt. Gleichzeitig macht genau das sie menschlich, denn wer würde nicht ins Schwärmen geraten, wenn sich einem eine solche Welt öffnet?
Besonders spannend fand ich Finns Entwicklung. Sie kann zwar Magie anwenden, doch im Training hat sie oft Angst, ihre Kraft wirklich loszulassen. Trotzdem bleibt sie dran und wächst über sich hinaus. Die Verwandlung von der unsicheren Dienstmagd zur entschlossenen Hexe gehört für mich zu den stärksten Aspekten des Buches.
Bei den angegebenen Tropes Enemies-to-Lovers und Slow Burn war ich allerdings irritiert. Finn beginnt sehr schnell eine Beziehung mit dem König, inklusive deutlicher Annäherungen und Intimität. Von Slow Burn ist dabei definitiv nichts zu spüren. Zwischen Finn und Prinz Enhart entsteht zwar etwas, aber im ersten Band bleibt es eher ein zartes Andeuten. Ich hoffe sehr, dass sich das in den Folgebänden vertieft, denn Enhart wirkt für mich wie das deutlich spannendere Endziel der Romanze. Der König hingegen gibt mir mit seinem Kontrollverhalten gegenüber Finn eher fragwürdige Vibes.
Die Handlung selbst hat mir gut gefallen, weil sie vielseitig ist. Finns persönliche Entwicklung, ihre Beziehungen, die Aufklärung von Morden, alte Prophezeiungen und politische Intrigen greifen ineinander und ergeben eine stimmige Mischung. Einige Stränge bleiben offen, was bei einer Trilogie aber völlig in Ordnung ist. Der Weltenaufbau ist solide, nicht immer bildgewaltig, aber dennoch so klar beschrieben, dass man sich Valnar und seine Umgebung problemlos vorstellen kann. Die Karte im Buch hilft zusätzlich, und ein Glossar braucht es nicht, da Magiesystem und Völker verständlich erklärt werden. Eigentlich kann man gar nicht viel mehr über die Entwicklungen und Wendungen verraten, weil man sonst einige der spannendsten Überraschungen vorwegnehmen würde.
Fazit: Ein atmosphärischer Auftakt mit spannender Charakterentwicklung, einer gelungenen Mischung aus Magie, Intrigen und Romantik sowie einer Welt, die neugierig auf mehr macht. Ich war so überzeugt, dass ich mir direkt die Hardcover-Version vorbestellt habe, denn die Reihe möchte ich unbedingt weiterverfolgen.





Im Bann des Erlkönigs
von Mina Roth
Von mir bekommt das Buch 3.5 Sterne!
"Im Bann des Erlkönigs" hat mich schon durch den Titel neugierig gemacht, weil ich die Ballade von Goethe sehr mag und Geschichten rund um den Erlkönig immer einen besonderen Reiz für mich haben. Mina Roth verbindet diese Sage mit Märchengestalten der Gebrüder Grimm und Sagengestalten wie dem Nöck, dem Seligfräulein oder der Wilden Jagd und erschafft eine eigene Welt voller Andraunen, die durch einen Schleier von der Menschenwelt getrennt ist. Diese Welt wird vom Erlkönig beherrscht, der mit seiner "Wilden Jagd" durch die Nacht reitet und dem alle Andraunen einen Treueschwur leisten müssen. Diese mythologische Grundlage fand ich faszinierend und atmosphärisch stark und genau das hat mich anfangs sehr angesprochen.
Zora als Protagonistin hat mich jedoch oft zwiespältig zurückgelassen. Sie ist sechzehn, nimmt bei Berührung die Gefühle anderer Menschen wahr und hat durch Tarotkarten und eine innere Stimme, die sich als ein drängendes "Sieh hin! Sieh hin!" äußert, eine besondere Wahrnehmung. Dazu lebt bei ihr eine Andraunin, eine Fee, die sie ganz unkreativ Fee nennt und die dringend Hilfe braucht, um den Weg zurück in den Knochenwald zu finden. Zora versteckt ihre Gabe vor anderen Menschen, weil sie Angst hat, für verrückt gehalten zu werden. Diese Ausgangslage fand ich interessant, aber Zoras ständige Nervosität, die sich durch das wiederholte Herumspielen an ihrem Infinity-Armband zeigt, wurde für mich mit der Zeit anstrengend. Anfangs war es nachvollziehbar, später wirkte es eher wie eine Störung.
Ihre Mischung aus Mut und Naivität hat mich ebenfalls beschäftigt. Sie möchte Fee unbedingt helfen und sucht deshalb Kontakt zu Andraunen, die sie normalerweise meidet, aber gleichzeitig handelt sie oft vorschnell und ohne sich über mögliche Folgen klar zu sein. Besonders an der Umbra Academy, einer Schule voller Andraunen mit unterschiedlichen magischen Fähigkeiten, tritt sie manchmal provozierend und vorlaut auf, ohne die Konsequenzen zu bedenken. Ich hätte mir gewünscht, dass sie mehr Fragen stellt und sich aktiver darum bemüht, das Machtgefüge und die Regeln dieser Welt zu verstehen. An ihrer Stelle hätte ich versucht, so viele Informationen wie möglich zu bekommen.
Die Situation mit Silas und Kilian zu Beginn hat mich ebenfalls beschäftigt. Durch einen fehlgeleiteten Zauber sind Zora und Silas magisch miteinander verbunden, was dazu führt, dass Zora mit in die Welt der Andraunen muss. Silas, der Fürstensohn der Sitris, und Kilian, sein Leibwächter, gewinnen Zoras Vertrauen erstaunlich schnell, weil der eine hilflos und schön und der andere heiß und schön aussieht. Gleichzeitig misstraut sie Mathea und Viggo, den anderen Fürstenkindern, obwohl diese ihr von Anfang an deutlich machen, dass sie von ihr nichts wollen und nur mit Silas und Kilian Probleme haben. Für mich wirkte es seltsam, dass Zora sich hier so stark auf die Erzählungen von Silas und Kilian verlässt, obwohl die beiden viele Geheimnisse haben und ihr nur das Nötigste erklären. Sie warnen sie ständig vor den anderen Andraunen, geben ihr aber kaum Informationen, die ihr wirklich helfen würden. Das hat mich dazu gebracht, Mathea und Viggo glaubwürdiger zu finden als die drei Hauptfiguren.
Die Romanze zwischen Zora und Kilian hat für mich nicht funktioniert. Ich war froh, dass es kein Liebesdreieck mit Silas gibt, aber die Beziehung zwischen den beiden bleibt sehr blass. Kilian verschweigt viel und Zora verlässt sich zu sehr auf die Gefühle, die sie durch Berührung wahrnimmt. Dadurch entsteht kein echtes Vertrauen und die Entwicklung wirkt sehr künstlich. Ich hatte kaum Momente, in denen ich eine echte Anziehung gespürt hätte.
Mein Lesetempo war ungewöhnlich langsam. Das Buch hat nur 400 Seiten und 48 kurze Kapitel, aber ich habe fast drei Wochen gebraucht, um es zu beenden. Der Einstieg ist stark, man wird sofort mit den Sagengestalten konfrontiert und Zora ist schon in Kapitel vier an der Umbra Academy. Danach verliert die Handlung deutlich an Tempo. Zoras Nachforschungen zum Knochenwald treten lange auf der Stelle und auch im Schulalltag passiert wenig. Ich habe mich oft dabei ertappt, dass ich lese, ohne das Gefühl zu haben, dass sich etwas bewegt. Erst ab Kapitel 25, also nach gut 50 Prozent des Buches, kommt wieder etwas mehr Dynamik in die Geschichte, weil Mathea und Viggo stärker eingebunden werden. Wirklich spannend wird es erst sehr spät, ungefähr ab 80 Prozent, wenn plötzlich viele Ereignisse in kurzer Zeit passieren und die Handlung sich spürbar verdichtet. Der Erlkönig selbst tritt nur zweimal auf, einmal bei der Treueschwur-Zeremonie und einmal am Ende an Zoras Krankenbett. Das fand ich schade, denn der Titel und die Grundidee hätten mehr Präsenz dieser Figur verdient.
Während ich gelesen habe, wurde mir immer klarer, dass mich die Welt zwar fasziniert, die Umsetzung aber nicht genug trägt, um mich für die Reihe zu begeistern. Die langsame Mitte, die unausgereifte Figurenentwicklung und die blasse Romanze haben mich so oft aus dem Lesefluss gebracht, dass ich für mich entschieden habe, diese Reihe nicht weiterzulesen, auch wenn Band 2 im Frühjahr 2027 erscheinen soll.
Fazit: "Im Bann des Erlkönigs" hat eine starke Grundidee, eine faszinierende Welt voller Sagengestalten und eine atmosphärische Grundlage, die mich sehr angesprochen hat. Gleichzeitig verliert die Geschichte durch eine lange Phase ohne spürbare Entwicklung, eine oft unüberlegte Protagonistin und eine wenig überzeugende Romanze an Kraft. Für mich ergibt das 3.5 Sterne, aber ich werde die Reihe nicht weiterverfolgen.





Cats Tagebuch - Lass die Ratte aus dem Sack!
von Franziska Höllbacher
"Cats Tagebuch - Lass die Ratte aus dem Sack!" ist ein wunderbar humorvolles Kinderbuch, das komplett in Tagebuchform aus der Sicht des Katers Knutbert erzählt wird. Seine "Katerstrophenberichte" sind nicht nur witzig formuliert, sondern werden durch viele Comicelemente ergänzt, die die kurzen Kapitel auflockern und den Lesefluss spürbar erleichtern. Immer wieder taucht darin auch die Kategorie "Kratzer am Rande" auf - kleine Infokästen, in denen Knutbert zum Beispiel erklärt, welche Kategorien von Menschen es aus Katzensicht gibt oder warum Katzen selbstverständlich Superhelden sind. Gerade Kinder, die nicht gerne oder lange lesen, können der Handlung dadurch gut folgen und bleiben motiviert.
Die Figuren sind liebevoll und mit einem deutlichen Augenzwinkern dargestellt. Im Mittelpunkt steht natürlich Knutbert, der den Spruch "Hunde haben Herrchen, Katzen haben Personal" sehr ernst nimmt. Er hat keine Besitzer, sondern Angestellte, die er großzügig bei sich wohnen lässt: Alma, die Katzen nicht mag, Carlo, der ständig mit dem Staubsauger nervt, Lena, die immerhin oft etwas Essbares für ihn bereithält, und Franz, der für Knutbert den höchsten Rang der Tauglichen erreicht, weil er gerne krault und ihn regelmäßig als Superhelden zeichnet.
Knutberts Alltag besteht aus Schlafen und Fressen, doch die Ruhe wird immer wieder von der Nachbarin Frau Merlinger gestört, die ständig klingelt und sich über ein Biest beschwert, das angeblich in der Nachbarschaft sein Unwesen treibt. Umgekippte Mülltonnen, Kratzer am Auto - natürlich wird Knutbert verdächtigt und sogar mit dem Tierheim bedroht. Also macht er sich auf, in seinem Revier nach Informationen über dieses Biest zu suchen.
Dabei helfen ihm seine tierischen Nachbarn: Ingrid, die Schildkröte von Frau Merlinger; Ralf, das Rotkehlchen, dessen lautes Gezwitscher ihn nervt und das er eines Tages definitiv fressen wird; Hektor, der alte Nachbarskater; und Paula, die Blindschleiche, die einfach wie ein Stock herumliegt. Jede Begegnung ist mit viel Witz und Humor beschrieben und bleibt für Kinder gut verständlich. Für Kinder ab neun Jahren ist das Buch ideal - meine Tochter hatte viel Spaß daran. Mein zwölfjähriger Sohn dagegen fand es schon zu kindlich und hat schnell das Interesse verloren.
Besonders schön ist der Abschluss des Buches, denn dort gibt es einen witzigen Selbsttest, mit dem man herausfinden kann, zu welcher Mensch-Kategorie man aus Katzensicht gehört. Das sorgt für ein zusätzliches Schmunzeln und rundet die Geschichte sehr passend ab.
Fazit: "Cats Tagebuch - Lass die Ratte aus dem Sack!" überzeugt mit einer charmanten Mischung aus Humor, liebevoll gezeichneten Figuren und einer Erzählweise, die besonders für jüngere Leser leicht zugänglich ist. Die Tagebuchform, die Comicelemente und die "Kratzer am Rande" halten die Geschichte lebendig und sorgen dafür, dass Kinder ab neun Jahren gut abgeholt werden. Durch den Untertitel am Cover ist die Handlung etwas vorhersehbar, was einen halben Stern Abzug gibt, dennoch bleibt es ein rundes, witziges Leseerlebnis.





Dragon Cursed - Zeig keine Gnade (Deluxe-Ausgabe)
von Elise Kova
Die Sonderausgabe von "Dragon Cursed" ist ohne Frage wunderschön gestaltet. Die Drachenschuppenoptik, der Flammenfarbschnitt - das wirkt edel und macht richtig etwas her. Nur der Schuber hat mich gestört. Von außen sieht er zwar gut aus, aber für eine "Deluxe-Ausgabe" fühlt sich die dünne Pappe einfach nicht hochwertig an. Ein Schutzumschlag im gleichen Design wäre mir ehrlich gesagt lieber gewesen und hätte das Gesamtbild runder gemacht.
Der Einstieg ins Buch war für mich ziemlich zäh. Man wird in die Welt von Vingard hineinkatapultiert, ohne wirklich Informationen zu haben. Das ganze System mit Drachen, Äther, Sigillen und Isolas Situation wird nur häppchenweise erklärt, sodass ich anfangs ständig das Gefühl hatte, planlos durch die Seiten zu stolpern. Ein Glossar hätte hier Wunder gewirkt, genauso wie eine klare Übersicht der Hierarchie in Vingard - Gnadenritter, Inquisitoren, Kuratoren, Gilden. So musste ich immer wieder überlegen, wer eigentlich welche Rolle spielt und wie das Machtgefüge aussieht. Auch die Karte hilft nur bedingt, weil man nur die Teile sieht, die auch direkte Handlungsorte im Buch sind. Vom Rest der Welt, wie den zerstörten Städten oder dem Wohnort der Aschegeborenen, bekommt man gar nichts mit. Die anderen Städte sind wohl untergegangen, weil die Drachen die Geißel über das Land gebracht haben - was diese Geißel genau ist, erfährt man aber erst viel später. Insgesamt hat dieser Mangel an Informationen dafür gesorgt, dass ich die ersten hundert Seiten eher durchgebissen habe. Wäre es kein Rezensionsexemplar gewesen, hätte ich vermutlich vorher aufgegeben.
Mit dem Tribunal kam dann endlich Spannung auf. Die Teilnehmer, auch Supplikanten genannt, sind im Kloster eingeschlossen und müssen Prüfungen bestehen, um zu beweisen, dass sie nicht drachenverflucht sind. Anfangs sind die Aufgaben noch harmlos, später steigert sich das Ganze bis hin zu Folter, um die Supplikanten zu brechen. Parallel dazu erfährt man immer mehr über Isolas Hintergründe und die Strukturen in Vingard. Das letzte Drittel hat mich dann komplett überrascht: Wendungen, die ich absolut nicht vorhergesehen habe, ein plötzliches Tempo, das mich bis spät in die Nacht weiterlesen ließ, und ständig dachte ich mir nur "Was?" - im besten Sinne. Der Cliffhanger am Ende ist fies und effektiv, und ich bin neugierig, wie es in Band 2 weitergeht.
Die Charakterentwicklung fand ich besonders gelungen. Isola wirkt zu Beginn naiv und verplant, voller Selbstzweifel. Später merkt man aber, dass das vor allem daran liegt, dass niemand in ihrer Umgebung ehrlich mit ihr ist. Vieles wurde ihr verheimlicht und so ihre Unsicherheit geschürt. Während des Tribunals wächst sie mental über sich hinaus und lässt sich nicht unterkriegen. Ihre beste Freundin Saipha, ihre Familie und auch Lucan bleiben dagegen etwas blass, was erneut an den fehlenden Informationen über den Alltag der Personen und der Welt liegt. Überraschend positiv fand ich, dass es keine typische Romantasy-Entwicklung gibt. Zwischen Isola und Lucan entsteht zwar etwas, aber eher ein vorsichtiges Herantasten als sofortige Leidenschaft. Das wirkt glaubwürdig, vor allem da Isola Lucan sechs Jahre lang als ihren Feind betrachtet hat und ihm nicht gleich vertraut. Vielleicht entwickelt sich in Band 2 mehr, wenn beide wirklich offen miteinander umgehen.
Fazit: Am Ende bleibt für mich ein gemischtes Fazit: Ein wunderschönes Buch, ein starkes letztes Drittel und eine überzeugende Protagonistin - aber auch viele Lücken in der magischen Welt, die mich zu oft ratlos zurückgelassen haben. Für mich sind das solide 3 Sterne. Band 2 werde ich trotzdem lesen, weil die letzten Kapitel genug Neugier geweckt haben.





Ashfield Academy - Der Ruf des Wasserspeiers
von Sophie Oldenstein
Bevor ich überhaupt angefangen habe zu lesen, hat mich das Cover neugierig gemacht. Die Akademie vor dem Vollmond, die magischen Wirbel, die bedrohlichen Wasserspeier und dazu diese auffällige pinke Farbe. Das wirkt ungewöhnlich und hat sofort dafür gesorgt, dass ich wissen wollte, was hinter dieser Kulisse steckt. Das Coverdesign ist für mich eindeutig ein Highlight und hat mich direkt dazu gebracht, das Buch aufzuschlagen.
Im Mittelpunkt steht Nicky, die überraschend ein Stipendium für die Ashfield Academy erhält. Sie kommt aus einem einfachen Elternhaus. Ihre Eltern betreiben einen Fish und Chips Imbiss und obwohl sie eine gute Schülerin ist, fragt sie sich ständig, warum ausgerechnet sie für diese elitäre Schule ausgewählt wurde. Diese Unsicherheit zieht sich durch die ersten Kapitel und macht sie sehr greifbar. Man versteht sofort, warum sie sich fehl am Platz fühlt und warum sie auf das freundliche Verhalten von Ben, Reggy und Sunita hereinfällt. Die drei scheinen sie aufzunehmen, doch schnell wird klar, dass ihre Motive nicht unbedingt selbstlos sind.
Die merkwürdigen Ereignisse, die Nicky erlebt, sorgen früh für Spannung. Das Klingeln, die fremden Stimmen, der Mitschüler, der sich scheinbar in Luft auflöst, und die Dorfbewohner, die der Akademie misstrauisch gegenüberstehen, schaffen eine Atmosphäre, die zwischen Neugier und Unbehagen pendelt. Gleichzeitig lernt Nicky nach und nach andere Schüler kennen, die der Geschichte Farbe geben. Agatha, die immer schwarz gekleidet ist und selten ein freundliches Wort übrig hat. Pauly, die mit ihrem Rollstuhl, dem roten Blitz unterwegs ist und kein Blatt vor den Mund nimmt. Schuten, der schüchtern ist und trotzdem wichtig für die Gruppe wird. Dazu kommen der jüngere Schüler Pip, der große Hund Padraig und Norville, der Ladenbesitzer, dessen Geschäft immer genau das bereithält, was man gerade braucht. Norville war für mich die interessanteste Figur, weil man nicht sofort erfassen kann, was er genau weiß und die Enthüllungen über ihn am Ende sehr spannend waren. Ich hoffe sehr, dass er im zweiten Band noch eine größere Rolle bekommt.
Die Welt rund um die Akademie ist interessant aufgebaut. Es gibt eine magische Quelle, von der die meisten Schüler nichts wissen. Nur einige von ihnen besitzen magische Fähigkeiten, die allerdings verschwinden, sobald sie erwachsen werden. Die Erwachsenen sind deshalb völlig ahnungslos, was die Vorgänge an der Schule betrifft. Carla York bildet die Ausnahme, da sie über die Quelle Bescheid weiß und als Mentorin für die Stipendiaten dient. Nicky und ihre Freunde müssen also das normale Internatsleben meistern und gleichzeitig im Geheimen herausfinden, was es mit der Magie und den Wasserspeiern auf sich hat. Diese werden bei Regen lebendig und sorgen für die richtige Portion Spannung. Einige Szenen sind gruselig, was genau richtig ist für Leser ab elf Jahren. Das offene Ende passt gut zur Dilogie und macht neugierig auf den zweiten Band, denn es gibt einige Enthüllungen, die man so nicht erwartet.
Trotz vieler gelungener Elemente vergebe ich vier Sterne. Die Akademie selbst bleibt für meinen Geschmack zu oberflächlich beschrieben. Ich hätte mir mehr Details gewünscht, um mich wirklich in Ashfield zurechtzufinden. Auch die Erwachsenen in der Akademie bleiben weitgehend blass, abgesehen vom Koch, der ständig exklusive Gerichte wie Hummercremesuppe und Trüffelrisotto für die reichen Schüler serviert. Der Ort rund um die Akademie wirkt ebenfalls sehr reduziert. Abseits von Norvilles Laden bekommt man kaum ein Gefühl dafür, wie das Dorf aussieht oder wer dort lebt. Es entsteht der Eindruck, als würden dort nur wenige Menschen wohnen, was der Geschichte etwas Atmosphäre nimmt.
Fazit: Das Buch bietet eine spannende Mischung aus Magie, Geheimnissen und glaubwürdigen Figuren, hat aber in der Ausgestaltung der Umgebung noch Potenzial. Die Lust auf Band zwei ist trotzdem da, denn die offenen Fragen und die letzten Enthüllungen machen neugierig auf das, was noch kommt.





How to Lose a Lord in 10 Days
von Sophie Irwin
"How to Lose a Lord in Ten Days" hat mich auf eine angenehm leichte, aber dennoch vielschichtige Reise durch die Regency-Zeit mitgenommen. Erst nach dem Lesen habe ich erfahren, dass es Band 3 der "A Lady’s Guide"-Reihe ist. Normalerweise stört mich so etwas, doch hier war es völlig egal: Die Handlung ist in sich abgeschlossen, und man kann das Buch problemlos genießen, ohne die vorherigen Bände zu kennen.
Sophie Irwin fängt die Regency-Atmosphäre sehr überzeugend ein. Die gesellschaftlichen Strukturen und Hierarchien sind klar spürbar - besonders die Tatsache, dass Frauen kaum eine Wahl haben, wenn es um die Suche nach einem Ehemann geht. Ausbildung, Auftreten, Aussehen: Alles ist darauf ausgerichtet, eine möglichst gute Partie zu machen. Liebe spielt keine Rolle, und einen Antrag abzulehnen ist unmöglich, wenn der Gentleman gesellschaftlich über der eigenen Familie steht. Genau das trifft Miss Lydia Hanworth, eine Kaufmannstochter, die den Antrag des reichen Lord Ashford - Spross eines Dukes - annehmen muss, obwohl sie ihn absolut nicht ausstehen kann.
Die gesamte Geschichte baut darauf auf, dass Lydia diesen Mann loswerden will. Und zwar in zehn Tagen. Was ich besonders erfrischend fand: Sie zieht diesen Plan konsequent durch. Oft werfen Protagonisten solche Vorhaben nach wenigen Kapiteln über den Haufen und verlieben sich Hals über Kopf. Hier nicht. Die Autorin bleibt ihrem roten Faden treu und schneidet ihn nicht bei der Hälfte ab - das hat mir ausgesprochen gut gefallen.
Lydia selbst ist eine wunderbar eigenwillige Figur. Sie hält wenig von den Konventionen ihrer Zeit, liest gerne, macht sich nichts aus Ehemännern und feinen Manieren und möchte vor allem Freiheit. Bei der Hausparty wirft sie ihren Stolz über Bord und präsentiert sich absichtlich als Dummchen mit schrecklichem Geschmack - was zu einigen wirklich lustigen Szenen führt. Gleichzeitig ist sie keine perfekte Cinderella: Fremdsprachen liegen ihr nicht, sie ist stolz, stur und hört oft nur halbe Gespräche, aus denen sie sich eigene Geschichten zusammenreimt. Im Grunde macht sie also genau das, was sie an Lord Ashford kritisiert - voreilige Schlüsse ziehen. Normalerweise mag ich den Missverständnis-Trope gar nicht, aber hier hat er gepasst, weil kein künstliches Liebesdrama entsteht. Stattdessen entstehen komödiantische Momente, die gut zur Geschichte passen.
Manchmal driftet der Humor allerdings etwas ins Lächerliche ab. Ein Beispiel: Lord Ashford klettert an der Hausmauer herunter, bleibt in den Blumen hängen, weil unten Leute auf der Terrasse stehen. Ich denke doch, dass man bemerken würde, wenn ein erwachsener Mann sich krampfhaft an einem Rankgitter festhält und versucht, sich zu verstecken. Auch manche Streiche wirkten etwas zu kindisch - und genau deshalb gibt es von mir einen Stern Abzug.
Lord Ashfords Charakter bleibt lange ein Geheimnis. Sein arrogantes, gefühlskaltes Auftreten und die ständigen Schnupftabak-Momente haben mich anfangs eher genervt, besonders in Situationen, in denen eigentlich eine emotionale Reaktion kommen sollte. Seine Vergangenheit ist tragisch und erklärt vieles, und gleichzeitig merkt man, dass er deshalb Vorurteile gegenüber Frauen hat. Doch ebenso spürt man seine Fürsorge - etwa gegenüber seiner Cousine Lady Phoebe. Die Nebencharaktere sind vielfältig, teils unsympathisch, teils herrlich lustig, und die Geschichte mischt Komödie mit Krimi-Elementen und kleinen dramatischen Wendungen. Zu viel kann man an dieser Stelle nicht verraten, ohne die Handlung zu spoilern - aber die verschiedenen Stränge fügen sich am Ende stimmig zusammen
Das Ende hat mir richtig gut gefallen, weil es nicht das klassische Happily Ever After ist, das man aus solchen Romanen kennt. Stattdessen bleibt es bewusst offener gestaltet und lässt Raum für eigene Gedanken, was für diese Geschichte erstaunlich gut funktioniert.
Fazit: Ein unterhaltsamer Regency-Roman mit klarer Linie, starken Figuren und einer gelungenen Mischung aus Humor, Gesellschaftskritik und leichten Krimi‑Elementen. Manche Streiche waren mir zu albern, doch insgesamt ein charmantes Leseerlebnis.





Flauschi und Schnuff büxen aus
von Ross Montgomery
Das Bilderbuch "Flauschi und Schnuff büxen aus" aus dem Thienemann Verlag ist für mich ein echtes Highlight für Kinder ab vier Jahren. Schon das Cover ist ein farbenfroher Eyecatcher, der sofort Sommer- und Urlaubsstimmung vermittelt. Die gelben Streifen im Hintergrund leuchten intensiv, ohne dabei die beiden Meerschweinchen zu überstrahlen, die wunderbar hervortreten. Auch Vorsatz und Nachsatz sind liebevoll gestaltet und zeigen Flauschi und Schnuff in verschiedenen Posen, sodass man schon vor der ersten Seite viel zu entdecken hat.
Der gereimte Text von Ross Montgomery liest sich unglaublich flüssig und erzählt eine humorvolle Geschichte, die sofort gute Laune macht. Dazu passen die Illustrationen von Sarah Warburton perfekt. Jede Seite ist lebendig, detailreich und voller Ausdruck - ich hätte nicht gedacht, dass Meerschweinchen so viele unterschiedliche Gesichtsausdrücke haben können. Man geht beim Lesen und Anschauen regelrecht auf Entdeckungsreise, und alles strahlt diese fröhliche, bunte Urlaubsatmosphäre aus.
Besonders beeindruckt hat mich, wie vielfältig die Meerschweinchen gestaltet sind. Farben, Größen, Felllängen - jedes wirkt wie ein kleines Individuum mit eigenem Charakter. Gleichzeitig ergänzen die Illustrationen die Geschichte auf wunderbare Weise. Was der Text nicht erzählt, führen die Bilder weiter, etwa wenn die Tiersitterin bemerkt, dass Flauschi und Schnuff ausgebüxt sind und Vermisstenzettel druckt und aufhängt. Diese kleinen erzählerischen Erweiterungen machen das Buch noch lebendiger.
Insgesamt ist es ein wunderschönes Bilderbuch, an dem alles stimmt und das beim Lesen und Anschauen wirklich gute Laune macht.
Fazit: Ein fröhliches, warmherziges und rundum stimmiges Bilderbuch, das mit Text und Illustrationen gleichermaßen begeistert und kleine wie große Leser:innen sofort mitreißt.





Konfetti im Kopf
von Doreen Aldugan
Ich habe mich bei Vorablesen auf Konfetti im Kopf beworben, weil mein Sohn Autismus mit ADS (ohne Hyperaktivität) hat und viele der beschriebenen Merkmale sich überschneiden: mangelnde Konzentration, fehlende Organisation, Chaos im Kopf, Reizüberflutung. Als Mutter suche ich seit Jahren nach Büchern, die diese Themen kindgerecht erklären, ohne sie zu vereinfachen oder zu dramatisieren. Doch der Markt ist dünn. Es gibt Ratgeber für Erwachsene, pädagogische Fachliteratur oder Bilderbücher für die ganz Kleinen – aber fast nie Bücher, die Kinder selbst lesen können, um ihre eigene Neurodivergenz zu verstehen. Genau deshalb hat mich dieses Buch so positiv überrascht - zumal es bereits für Kinder ab 5 Jahren geeignet ist, aber auch ältere Kinder wunderbar davon profitieren können.
Doreen Aldugan schafft es, komplexe Inhalte verständlich zu machen, ohne sie zu verwässern. Das Buch ist klar gegliedert und führt Schritt für Schritt durch die wichtigsten Bereiche: Was ist AD(H)S, wie funktioniert das Gehirn, welche Routinen helfen im Alltag. Besonders gelungen fand ich den Vergleich mit der Konfettimaschine im Kopf. Mein Sohn konnte dieses Bild sofort greifen. Er hat direkt Situationen aus seinem Alltag damit verknüpft und verstanden, warum manche Tage reibungslos laufen und an anderen plötzlich „Stau auf dem Fließband“ entsteht. Dieses Bild begleitet uns seitdem im Alltag und hilft ihm, seine Gefühle und Überforderungen besser einzuordnen.
Viele der vorgeschlagenen Strategien nutzen wir bereits, aber wir konnten auch einiges Neues mitnehmen – vor allem für die Hausaufgaben und das Etablieren neuer Routinen. Ich schätze sehr, dass der Text so geschrieben ist, dass Kinder selbst darin lesen und sich die Ideen heraussuchen können, die zu ihnen passen. Das vermittelt Selbstwirksamkeit und stärkt das Selbstvertrauen, ganz anders als klassische Elternratgeber, bei denen Kinder nur das fertige Ergebnis präsentiert bekommen.
Ein echtes Highlight ist das kindgerechte Glossar am Ende, in dem wichtige Begriffe wie Reizüberflutung oder Neurodivergenz erklärt werden. Dazu kommen kleine Textkästen mit Informationen für Eltern sowie Impulsen der Diplom‑Psychologin Anke Kaupp, die in wenigen Sätzen Klarheit schaffen und Hintergründe verständlich machen. Die Illustrationen von Emily Claire Völker runden das Buch ab. Sie sind stimmungsvoll, erklärend und helfen besonders Kindern, die visuelle Reize brauchen, beim Verstehen. Viele Szenen sind aus dem Alltag gegriffen und schaffen sofort Nähe.
Ein kleiner Kritikpunkt bleibt: Manche Seiten sind sehr voll und können Kinder mit AD(H)S schnell überfordern. Das Auge springt von einem Punkt zum nächsten, was ermüdend wirken kann. Trotzdem überwiegt der positive Gesamteindruck deutlich.
Fazit: "Konfetti im Kopf" ist eines der wenigen Bücher, das Kinder wirklich dort abholt, wo sie stehen. Es erklärt, stärkt, begleitet und gibt ihnen das Gefühl, verstanden zu werden. Für uns war es ein wertvoller Gewinn – sowohl emotional als auch praktisch im Alltag.





Au revoir und tschüss
von Gudrun Lochte
Ich bin auf "Au revoir und tschüss" aufmerksam geworden, weil mir das Buch in einer Mail von NetGalley vorgeschlagen wurde. Der Klappentext klang vielversprechend, und da ich selbst Anfang 40 bin, fand ich es erfrischend, einmal eine Protagonistin in einem ähnlichen Alter zu begleiten. In meinen üblichen Genres – Romance und Fantasy – sind die Figuren meist deutlich jünger, weshalb Caro für mich schon allein deshalb eine interessante Abwechslung war.
Schon auf den ersten Seiten spürt man Caros Unzufriedenheit, die sich wie ein roter Faden durch ihr gesamtes Leben zieht. Nach 21 Ehejahren steckt sie in Routinen fest, die sich über die Jahre unbemerkt verfestigt haben. Sie funktioniert, statt zu leben, und sucht verzweifelt nach einem Ausweg aus diesem Kreislauf. Mit einem kleinen, aber entscheidenden Schubs von ihrer besten Freundin Holly und der Frau des Vorgesetzten ihres Mannes fasst sie schließlich den Mut, ihren lang gehegten Traum einer Sprachreise nach Frankreich umzusetzen. Dieser Schritt markiert einen Moment, in dem man spürt, dass sich etwas in ihr zu lösen beginnt.
Caro ist eine Figur, in der sich viele Frauen wiederfinden könnten. Sie trägt die gesamte Familienorganisation, sorgt für ein gemütliches Zuhause, übernimmt Kindererziehung, Haushalt, Garten, Hund und richtet nebenbei noch spontane Abendessen für Holgers Vorgesetzte aus. Und all das ohne Anerkennung, ohne Dank, oft sogar ohne Respekt. Gleichzeitig muss ich sagen: Ein Teil dieser Last liegt auch an ihr selbst. Sie übernimmt alles, denkt für alle mit, plant, organisiert, fängt auf – und lässt damit zu, dass Mann und Söhne sich bequem zurücklehnen und aus der Verantwortung ziehen. Dieses Muster aus Mental Load und Maternal Gatekeeping zieht sich durch ihr ganzes Leben. Dass man unter solchen Umständen Frust aufbaut, ist nachvollziehbar, aber ich konnte nicht verstehen, warum sie das so viele Jahre schweigend hinnimmt. Für mich wirkte es irgendwann schlicht unrealistisch, dass sie erst nach 21 Jahren genug hat. Ihr Verhalten hat mich oft eher wütend gemacht als berührt.
Holger wiederum war für mich eine echte Geduldsprobe. Seine Gefühlskälte, sein Trotz, dieses kindische Anschweigen als Strafe – all das hat mich beim Lesen regelmäßig die Stirn runzeln lassen. Er erkennt Caros Bedürfnisse nicht einmal im Ansatz an und scheint in einer Zeitschleife festzustecken, in der die Kinder noch klein sind und Caro rund um die Uhr verfügbar sein muss. Dabei ist der Jüngste 18 und der Älteste Anfang 20. Diese Ignoranz hat mich fast genauso wütend gemacht wie Caros Passivität.
Zum Glück gibt es Figuren, die etwas Leichtigkeit in die Geschichte bringen. Ihre Freundin Holly, die Caro immer wieder wachrüttelt und ihr den Spiegel vorhält. Die Teilnehmer des Sprachkurses, die mit ihren unterschiedlichen Hintergründen frischen Wind in die Handlung bringen. Und die Händler in Frankreich, denen Caro begegnet und die der Geschichte ein warmes, lebendiges Flair verleihen.
Frankreich selbst ist für mich einer der stärksten Teile des Buches. Caro ist dort zum ersten Mal seit langer Zeit wirklich für sich allein. Sie hat Raum, ihre eigenen Wünsche wahrzunehmen, Dinge auszuprobieren, die ihr guttun, und sich selbst wieder ein Stück näherzukommen. Umso mehr hat mich der One‑Night‑Stand mit dem Sprachlehrer Armand irritiert. Ich verstehe, dass sie sich nach Holgers Kälte wieder begehrt fühlen möchte, aber für mich hätte das Flirten völlig gereicht. Ich lese ungern Geschichten, in denen die Protagonistin ihren Partner betrügt, und ich finde es schade, wenn ein weiblicher Selbstfindungsprozess am Ende doch wieder über einen Mann definiert wird.
Sehr schön fand ich hingegen, wie Caro in Frankreich beginnt, über ihre Zukunft nachzudenken – und zum ersten Mal plant sie diese ohne ihren Mann und ihre Söhne. Diese Entwicklung vom ersten zaghaften Gedanken bis hin zu einem konkreten Projekt war für mich einer der stärksten emotionalen Punkte im Buch.
Das Ende kam mir dagegen zu abrupt. Die Aussprache mit Holger wird fast im Vorbeigehen abgehandelt, ohne dass man wirklich erfährt, wie die beiden miteinander reden oder ob Holger überhaupt reflektiert. Ein zusätzliches Kapitel vor dem Epilog hätte der Geschichte gutgetan und dem emotionalen Kern mehr Tiefe verliehen.
Der Schreibstil an sich ist angenehm flüssig, und die Ortsbeschreibungen haben mir wirklich gut gefallen. Ich habe die Angewohnheit, reale Schauplätze beim Lesen zu googeln, aber hier hatte ich schon klare Bilder im Kopf – und war überrascht, wie gut diese mit der Realität übereinstimmen. Ein netter Zusatz sind auch die beiden Rezepte am Ende des Buches. Die Kekse werde ich auf jeden Fall einmal nachbacken – die klangen einfach zu verlockend.
Fazit: Insgesamt war "Au revoir und tschüss" ein nettes, gut lesbares Buch, das mich an vielen Stellen emotional erreicht hat – wenn auch oft in Form von Wut über das Verhalten der Figuren. Aber auch Wut ist eine Empfindung, und in dieser Hinsicht hat mich die Geschichte definitiv abgeholt. Deshalb gibt es von mir 3.5 Sterne.









