Kundenrezensionen von S.L.





Licht ins Dunkel
von Steffen Gumpert
Ein trickreicher und spannender Rätsel- Gruselkrimi von Steffen Gumpert regt Lesemuffel an, dieses Buch zur Hand zu nehmen. Zeichnungen in verschiedenen Blau- und Rottönen sind detailreich, comicartig und „cool“.
Die von einem Wolpertinger erzählte Geschichte um den etwas verpeilten und nicht unbedingt ordentlichen Rupert spricht die Kids an. Der Junge wird gemobbt, sieht Gespenster und vermisst den verschwundenen Vater. Dann findet sich eine Spur …..Ob Rupert wirklich Licht ins Dunkel der Familiengeschichte bringen kann?
Die Texte sind kurz, die Bilder zahlreich, aber das Beste: es gibt viele Rätsel mit verschiedenen Schwierigkeitsstufen. Sehr trickreich! Auf der folgenden Seite finden sich glücklicherweise die Lösungen, kleine Schummelnachguckereien hindern am verzweifelten Aufgeben, wenn es echt schwierig wird. Manchmal hilft um-die-Ecke- denken, manchmal wiederholtes Hinschauen, manchmal ein nochmaliges Lesen. Besonders die Suchbilder haben uns Spaß gemacht, die Figuren fanden wir sympathisch, die Story mit überraschenden Wendungen gelungen.
Kein Buch mal nur so zum Blättern, man muss schon überlegen, kombinieren oder … raten.
Ein Familienbuch für jüngere ( ab 8) und ältere Leser, das Spaß macht.





Hedley Mill - Wo deine Träume leuchten
von Sophie Oliver
1955, Northumbria. Tante Janesˋ Unfall, den die eifersüchtige Carol verursacht hat, hat unabsehbare, schwere Folgen.
Zehn Jahre später ergibt sich ein anderes Bild: Tante Jane geht es besser, die Tweed- Produktion läuft erfolgreich, aber die Fischverarbeitung bereitet Probleme.
Während Laura erfolgreich Verträge aushandelt, wird Ehemann Fred launisch. Zu allem Überfluss schneit die unberechenbare Carol zurück ins Dorf. Kommt der hilfsbereite Ronan jetzt wieder ins Spiel?
Sophie Oliver schreibt anschaulich. Die Figuren wirken authentisch und gut vorstellbar. Hauptcharaktere werden klar herausgearbeitet, auch Mansplaining kommt nicht zu kurz. Ebenso Standesdünkel und Wertevorstellungen.
Im Gegensatz dazu gibt es eine schöne Liebesgeschichte.
Ich bin sehr angetan von den Erklärungen zur Tweedherstellung und den entsprechenden Mustern, sogar die Räucherfischverarbeitung sieht der Leser jetzt mit anderen Augen.
Auch der zweite Teil von „Hedley Mill“ ist gelungen, liest sich bestens. Gefühlvoll geschrieben, abwechslungsreich, spannend und interessant - eindeutige Leseempfehlung!





Meine tote Schwester: Psychothriller
von Catherine Shepherd
Nora will weg aus Hamburg. Zu viele schlechte Erinnerungen, der Sohn wird gemobbt, als Mörder bezeichnet. In einer großen, schönen, aber verwahrlosten Villa weit weg möchte sie ein neues Leben beginnen. Nur: das Haus hat eine gruselige Vorgeschichte und durch Tratscherei kommt auch die üble Nachrede ins Städtchen. Neuer Job und neue Mitschüler sind eigentlich ok, aber dann verschwindet ein Mädchen. War es der Neue? Oder doch Jemand aus der Vergangenheit?
Geschickt macht Catherine Shepherd das, was sie supergut kann: Verwirren, falsche Spuren legen, Verdachtsmomente schüren.
Neu ist, dass dieser Thriller überwiegend jugendliche Figuren hat, deren Welt viel Platz einnimmt.
Ist nicht ganz das Erwartete, dennoch spannend. Ganz so überraschend ist das Ende dann doch nicht, befriedigenderweise werden eigene Vermutungen bestätigt. Liest sich ratzfatz weg!





Ein guter Blick fürs Böse
von Elizabeth Arnott
Drei Frauen, sehr verschieden, aber geeint durch ein Stigma: sie sind die Ehefrauen von Serienmördern. Ex- Frauen. Sie erfahren von Frauenmorden in ihrem Heimatort. Eine ist Assistentin bei einer Zeitung, bekommt dadurch zufällig einige Hinweise. Eine ist Verkäuferin, eine hat ein Verhältnis mit einem Ermittler. Auch er wird ausgehorcht. Anders als offizielle Behörden versuchen die Frauen, Hintergründe zu finden, gehen auf psychologischer Ebene an die Aufklärung.
Elizabeth Arnoltt beschreibt das Leben der Frauen nach der Verhaftung ihrer Ehemänner, ihre Schuldgefühle und ihren Wunsch, andere Frauen zu schützen. Hinweise werden sortiert, Spuren verfolgt. Das ist glaubhaft geschildert, nachvollziehbar dargestellt. Spannend, schlußendlich überraschend und ein Plädoyer für mutige Frauen.
Nach etwas schleppendem Anfang nimmt die Story Fahrt auf, nimmt den Leser mit.
Leseempfehlung!





Faye Fableheart, Band 1 - Das magische Schloss
von Ryan Graudin
Faye lebt in einem magischen Schloß und könnte die besten Dinge zaubern. Darf sie aber nicht! Weil sie ein Mädchen ist! Würde sie erwischt, könnte sie in einen Kater verwandelt werden. Oder in eine Spitzmaus. Aber ein Notfall erfordert Handeln: der Schloßherr, der Zauberer von West, ist verstorben und braucht dringend einen Nachfolger. Ein riesiges Turnier soll es richten. Nur: ohne Zauberei klappt gar nichts in dem irren Schloß, in dem sogar Möbel und Statuen ihren eigenen Willen haben. Der tote Zauberer ist nicht hilfreich, schwebt als eitles und meckerndes Gespenst ohne Kraft umher.
Das Turnier verläuft anders als erwartet. Enttäuschungen, Gefahren und Überraschungen warten auf die Teilnehmer.
All das beschreibt Ryan Graudin spannend, erfindungsreich und zeichnet ihre Protagonisten anschaulich, gut vorstellbar. Sie stellt ihre Charaktere und Taten ausführlich vor, das Werten überlässt sie dem Leser.
Wer fantasievolle Geschichten und sowohl einfallsreiche als auch tapfere Figuren mag, ist hier bestens bedient. Unterhaltsam, anspornend, gut zu lesen - perfekt für Leser/innen ab acht Jahren.





Das Fundbüro der verlorenen Schätze - Flammensturm
von Mascha Matysiak
Das Konzept, den Leser frei entscheiden zu lassen, was und wo im Buch gelesen werden soll, gefällt uns. Je nach Stimmung mit Action oder eher ruhiger geht es weiter.
Die Illustrationen von Nicolai Renger gefallen uns mit Abstrichen gut. Allerdings wirken die Kinder älter und das knallrote Hufeisen ist gelb! Darauf achten die jungen Leser aber!
Die einleitende Erklärung des Konzepts passt, ist hilfreich. Dann wird man ins Geschehen im Freizeitpark geworfen. Es muss hin- und hergeblättert werden. Mein sehr aktives Kind mag das, das kleinere Geschwister verliert die Lust. Das Rätsel auf S. 27 ist tricky, uns half das einzige sinnvolle Wort nicht weiter.
Kleiner Hinweis: auf Seite 66 und 68 oder auch auf anderen Seiten kann man nicht weiterlesen, dort steht kein Text. Und: warum lächelt Herr Nox, er hat gerade eine schlimme Nachricht bekommen? Es wird vieles zunächst nicht erklärt: Wer ist Marisol?
Aber mit einem gewissen Elan lässt sich alles klären. Spannend wird es, das große Kind ist begeistert. Die Rätsel sind teilweise schwer zu knacken, zum Glück gibt es Auflösungen im Anhang.
Unsere Bewertung ist durchwachsen: das Konzept ist interessant. Der lebhaften Großen (9) hat es ganz gut gefallen, die ruhige Kleine (7,5) fand es anstrengend und wirr, wollte nicht pausenlos blättern, gab schnell auf.
Die Story (Mascha Matysiak) hinter dem Geschehen war stellenweise etwas chaotisch, aber ok, die Geschwister agierten clever und sympathisch, mit ihnen konnte man sich identifizieren.
Das Buch sollte mehrfach gelesen werden, jeweils mit anderem Verlauf. Dann macht es mehr Spaß.
Empfehlen würden wir das Buch frühestens ab acht Jahren.





The House Witch 1
von Delemhach Emilie Nikota
Der neue Koch des Königs widerspricht sämtlichen Vorstellungen von einem erfahrenen Küchenchef: er ist schlank, sehr jung, selbstbewusst. Erzählt wird in einfachen Sätzen, der Erzählfluss ist gemächlich, die Handlung schreitet mitunter langsam, manchmal sprunghaft voran. Auf jeden Fall im Überfluss vorhanden sind schmückende und romantisierende Adjektive und üppig ausgeschmückte Beschreibungen. Es passiert wenig, geringe Ansätze einer Art Handlung sind vorhanden, versickern aber. Die Protas bleiben blass. Der Schreibstil entspricht eher einem Schüleraufsatz.
Durch das wunderschöne Cover habe ich mich täuschen lassen, eine wunderbare fantastische Geschichte mit einem zaubernden Koch erwartet und wurde enttäuscht.
Die Handlungen der beteiligten Personen sind manchmal ungewöhnlich oder plump, interessant sind sie nicht. Ich habe mich durch ausufernde Textpassagen gequält, Spannendes gesucht und nicht gefunden.
Ein Stern fürs Cover ist es nur geworden.





Eine Maus namens Merlin
von Simon Van Booy
Helen und Merlin
Helen Cartwright ist alt und allein. Nicht nur allein, sondern wahrlich einsam. Sie will es so. Mann und Sohn leben schon seit langer Zeit nicht mehr.
Ganz winzig, klein, ebenfalls allein, schleicht sich ein unfreiwilliger Mitbewohner in ihr Herz. Wunderbar, in berührenden Worten beschreibt Simon Van Booy wie Helen auflebt, sich mit der Maus anfreundet, sie kennenlernt, sich verantwortlich fühlt und Gefühle zulässt. Sehr detailliert werden alle Verrichtungen und Gedanke der alten Frau geschildert. Auch die überraschende Änderung von Helens Gewohnheiten; so z.B. wird sie zur Vegetarierin. Mit 83! Und nicht nur das, so ganz gesetzestreu und vorschriftenkonform … war einmal.
Emphatisch, gedankenvoll und sehr phantasievoll gestaltet Simon Van Booy die Geschichte seiner Hauptfigur. So klein die Maus - so groß ihr Einfluss. Bezaubernd.





Einatmen. Ausatmen.
von Maxim Leo
Marlene Buchholz soll Vorstandsvorsitzende eines Konzerns werden. Sie ist engagiert, kompetent und erfolgreich. So weit, so gut. Als Führungskraft allerdings absolut ungeeignet. Deshalb wird sie dazu verdonnert, ein Achtsamkeitsseminar zu absolvieren.
Überzeugt, das folgenlos durchzustehen, reist sie an und erlebt Überraschendes.
Maxim Leo beherrscht Sprache, kann Gedanken glaubhaft vermitteln. Anschaulich schildert er die verschiedenen Figuren, die Intentionen des Coaches, das Flair im Schönerlinder Schloss. Man trifft auf durchweg sympathische Personen in luxuriöser Umgebung.
Was unterhaltsam begann, driftet ab in Fantastisches, Unrealistisches, Idealzustände, Unwahrscheinliches. Es wird sinniert, philosophiert, interpretiert, die Sinnfrage wird gestellt.
Interessante Gedankengänge, Schlussfolgerungen, die man sich leisten können muss.
Mal was Anderes, warum nicht?





Zwei in einem Bild
von Morgan Pager
Aus anderer Perspektive gesehen: tagsüber erscheinen die Personen in jedem Gemälde der Galerie bewegungslos und starr, nachts dürfen sie agieren, ein eigenes Leben führen. Der Leser kann an ihren Gedanken teilhaben. Besonders an denen eines jungen Mannes aus einem Gemälde von Matisse. Dieser wirkt eigenartig auf Claire. Sie liebt gemalte Bilder und ist glücklich über ihren Job, nächtens die Museumsräume zu putzen und die Gemälde nahezu ungestört betrachten zu können. Dabei geschieht das Unglaubliche: Claire kann hinein ins Gemälde klettern. Sie lernt Jean, einen Sohn Matisses, näher kennen und entdeckt auch die Welt anderer Kunstwerke. Ihr offenbart sich Ungeahntes.
Morgan Pager beschreibt ein Welt hinter Glas. Wie geht es den Figuren, wie leben sie, was fühlen sie und vor allem: was machen sie, wenn keine Besucher anwesend sind? Interessant, unerwartet - Gedankenspiele, die ungeahnte Möglichkeiten eröffnen. Andererseits aber auch ein wenig traurig stimmen …
Mit einigen Längen, jedoch phantasievoll und sogar mit einem Kriminalfall mitunter spannend.









