Kundenrezensionen von Rinoa





Kala
von Walsh Colin; O'Brien Andrea
Für mich war der Einstieg etwas holprig, denn zu Beginn hat mir der Schreibstil gar nicht zugesagt. Das hat sich aber nach ein paar Kapiteln gelegt und dann wurde es richtig gut.
Erzählt wird abwechselnd aus Sicht von Mush, Helen und Joe, bei Letzterem in Du-Form, was durchaus nicht alltäglich und auch etwas gewöhnungsbedürftig war. So schafft er nicht nur eine Distanz zum Leser, sondern auch zu sich selbst, was ich als sehr passend empfand.
Innerhalb der Kapitel gibt es immer wieder Rückblenden in die Vergangenheit und insbesondere die Zeit vor Kalas Verschwinden, diese sind zwar nicht klar als solche gekennzeichnet, aber trotzdem gut zu erkennen und stimmig.
Sowieso fand ich den ganzen Aufbau der Geschichte richtig toll gemacht, man erfährt immer mehr Details auch von früher, ohne dass es irgendwie gezwungen wirkt oder ich das Gefühl hatte, mir werden aus Spannungsgründen Dinge nur angedeutet oder gar vorenthalten. Stattdessen lief der Erzählfluss ganz natürlich immer weiter.
Auch die Figuren fand ich toll und komplex gezeichnet, mit all ihren Fehlern und Schwächen, die viel auch von ihren eigenen Erfahrungen und Erlebnissen geprägt sind. Ich fand sie sehr nahbar, vielleicht nicht unbedingt sympathisch, zumindest nicht alle, konnte aber trotzdem sehr viel Verständnis für sie aufbringen.
Ich muss gestehen, dass „Kala“ ganz anders war, als ich erwartet habe und das meine ich absolut positiv. Das Buch ist voller Weisheit und Lebensklugheit, würde ich besonders schöne oder nachdenkenswerte Stellen in Büchern markieren, dieses wäre voll davon.
Ich habe jede Sekunde der Lektüre genossen und kann es wirklich nur wärmstens empfehlen.





Firewatch
von Colin Hadler
Puh, was für ein Buch. Es ist mein drittes von Colin Hadler, von daher dachte ich mir schon, dass es bestimmt ein rasanter Trip werden würde. Aber das hatte ich dann doch nicht erwartet.
Dabei ist der Beginn noch recht ruhig. Ich-Erzähler Robin ist überzeugt, dass der unnahbare Kian etwas mit dem Verschwinden seines besten Freundes zu tun hat und will ihn daten, um mehr herauszufinden. Das steht so auch im Klappentext, bis sich im Buch aber alles in diese Richtung sortiert hat, dauert es ein wenig.
Diverse Einschübe und Rückblenden sorgen für Spannung, zugegebenermaßen teilweise aber auch für Verwirrung und es gibt eine ordentliche Portion Spice.
Ein wenig ging mir Robin auf die Nerven, mit seinen sich doch recht oft wiederholenden Gedanken, andererseits war sein innerer Zwiespalt schon auch recht gut dargestellt.
Und irgendwann habe ich gar nicht mehr groß nachgedacht, sondern war mittendrin im erwarteten rasanten Trip, konnte überhaupt nicht mehr aufhören zu lesen, hatte zig mögliche Lösungen vor Augen und doch keine Ahnung, wie alles zusammenhängen könnte. Das war wirklich großartig gemacht. Am Ende vielleicht ein wenig zu viel des Guten, realistisch betrachtet, aber das war mir zu dem Zeitpunkt völlig egal (und ist es noch).
"Firewatch" wird als "romantic Suspense" beworben, was mich eigentlich eher abschrecken würde, wenn ich nicht den Autor bzw. seine vorherigen Bücher so mögen würde. Hier fand ich die Mischung aus Thriller und Liebesgeschichte aber wirklich richtig gelungen, es war gleichzeitig unglaublich spannend und dabei nicht weniger berührend, ich hätte gerne noch weitergelesen. Von mir gibt es ganz klar die volle Punktzahl!





Bachelorette Party
von Camilla Sten
Destination-/Closed-Setting-Thriller, gerne auch gepaart mit Jungesellinnenabschiedspartys - wie hier - oder ähnlichem, sind mittlerweile keine Seltenheit auf dem Buchmarkt. Und auch, wenn ich dieses Untergenre sehr mag, sind die Möglichkeiten, eine spannende Geschichte zu erzählen, natürlich nicht unendlich.
Dann schleppt Ich-Erzählerin Tessa auch noch einen schlimmen Vorfall aus ihrer Vergangenheit mit sich herum, was natürlich eine gewisse Geheimniskrämerei erfordert, um die Spannung zu erhöhen (mir hier aber fast ein wenig zu sehr ausgereizt wurde).
Das ist natürlich überspitzt ausgedrückt und gar nicht so negativ gemeint, wie es sich vielleicht anhört. Ich hatte allerdings durchaus Mühe, in das Buch hineinzufinden, denn zur aktuellen Mädelstruppe der Bachelorette Party gesellen sich Rückblenden zu einer anderen Gruppe, die vor zehn Jahren spurlos verschwand und hier habe ich wirklich eine Weile gebraucht, bis ich die ganzen Namen richtig zuordnen konnte und musste immer wieder blättern.
Doch irgendwann und fast unmerklich hat es „Klick“ gemacht und ich konnte das Buch kaum noch aus der Hand legen, so spannend war es. Ich wurde regelrecht in die Geschichte hineingezogen, auch wenn das durchaus eine Weile gedauert hat.
Die Auflösung kam dann zwar nicht unbedingt total überraschend, war aber für mich insgesamt stimmig und rund. Wer spannende und gut konstruierte Thriller mag, dem kann ich Bachelorette Party auf jeden Fall empfehlen.





Happy Head
von Silver Josh; Komina Jessika; Knuffinke Sandra
Auch wenn ich diese Zeit schon eine ganze Weile hinter mir gelassen habe, lese ich ab und an sehr gerne Jugendthriller oder Young Adult Thriller, wie es mittlerweile heißt. Und ich war auch gleich drin in der Geschichte, der Schreibstil ist sehr angenehm und gut zu lesen, auch wenn man natürlich merkt, dass die Zielgruppe eher jüngeren Alters ist. Aber das wusste ich ja vorher und fand ich auch überhaupt nicht schlimm.
In Sebs Gedanken und Gefühle, vor allem seine Unsicherheiten konnte ich mich trotzdem sehr gut hineinfühlen, auch wenn ich seine Zwischengedanken manchmal etwas anstrengend empfand, insbesondere für den Lesefluss.
Und dann entspinnt sich eine wahnsinnig spannende Geschichte, die vielleicht hier und da ein paar Logikschwächen oder offene Fragen aufwirft, was für mich aber überhaupt nicht störte, weil ich so hineingezogen wurde in die Geschehnisse, dass ich einfach nur immer weiter und weiter lesen wollte, ohne groß nachdenken zu können oder auch zu wollen.
Was mir abseits der wirklich spannenden Handlung auch sehr gut gefallen hat, war die beschriebene Anziehung von Seb gegenüber Finn und die behutsame Annäherung der beiden. Normalerweise bin ich kein Fan von Liebesgeschichten, aber diese hier hat mich wirklich sehr berührt.
Und dann kommt am Ende auch noch ein absoluter Cliffhanger mit Ausblick auf den zweiten Teil. Alles in allem hat mir „Happy Head“ wirklich außerordentlich gut gefallen und ich kann es kaum erwarten, im Herbst dieses Jahres endlich weiterzulesen.





Real Americans
von Khong Rachel; Schnettler Tobias
Das Buch hat mich so ein wenig ambivalent zurückgelassen.
Auf der einen Seite fand ich es super zu lesen, je weiter ich kam, desto mehr habe ich den Schreibstil geliebt. Und obwohl ich einen ganz anderen Hintergrund habe, konnte ich mich wirklich gut in Lilys Gefühls- und Gedankenwelt hineinversetzen. Es hätte langweilig sein können, weil im Grunde erst einmal gar nicht so viel passiert, aber das war es nicht und das lag definitiv an der Art der Autorin, zu schreiben und der Zeichnung der Charaktere.
Dann wechselt die Perspektive zwanzig Jahre in die Zukunft und zu Lilys Sohn Nick, was für mich ein sehr harter Bruch war und wo mich das Buch auch so ein wenig verloren hat. Was mich vorher noch fesseln konnte, fand ich nun eher zäh und langatmig.
Gegen Ende gibt es nochmals einen Wechsel, diesmal zu Nicks Großmutter Mei und da wurde es für mich auch wieder interessanter.
Trotzdem habe ich mich öfter bei der Frage ertappt, was das Buch mir eigentlich sagen will. Natürlich muss nicht hinter jeder Geschichte eine riesige Botschaft stehen, aber nach den Ankündigungen als "großer Bestseller", den es "nur alle zehn Jahre" gibt, hatte ich schon andere Erwartungen.
Die Frage, was uns zu dem macht, wer wir sind, wird durchaus gestellt und oft genug aufgegriffen. Um diesem Gedanken ernsthaft folgen zu können, wurden mir hier aber zu viele Themen aufgeworfen und diese dann nicht tiefgreifend genug behandelt. Vielleicht hätte das den Rahmen gesprengt, vielleicht hätte man dafür andere Dinge weniger ausführlich darstellen können. Diese Überlegungen sind letztlich natürlich müßig.
So fand ich "Real Americans" durchaus unterhaltsam, zwischendurch aber auch zäh und langatmig. Aufgewertet wurde das Buch auf jeden Fall durch den Schreibstil, der mich wirklich begeistern konnte.





Solange ein Streichholz brennt
von Christian Huber
Von der ersten Zeile an hat mich das Buch in seinen Bann gezogen, mich mittenrein getroffen und ganz tief drinnen berührt. Ich weiß nicht, wie der Autor das geschafft hat, ob es am tollen Schreibstil oder der Art liegt, wie er das Zusammentreffen und später auch Zusammensein von Alina und Bohm beschreibt. Aber es hat auf jeden Fall irgendwas in mir zum Schwingen gebracht.
Und gleichzeitig eine große Sympathie geweckt für Bohm, dessen Schicksal mich sehr bewegt hat. Ich bin der Meinung, dass Obdachlosigkeit jeden treffen kann und auch nicht immer selbst verschuldet ist. Hier wurde das Leben auf der Straße für mich so eindringlich und eindrücklich beschrieben, dass ich die Kälte und den Schmerz fast selbst spüren konnte, ohne jemals auch nur annähernd in einer vergleichbaren Situation gewesen zu sein.
Leider kam für mich ungefähr ab der Hälfte so ein wenig ein Bruch und der Zauber (wenn man das bei der Thematik überhaupt so nennen kann) ging irgendwie verloren.
Ich fand es immer noch wunderbar geschrieben und konnte mich auch immer noch wahnsinnig gut hineinfühlen, vor allem in Alinas Gedanken, aber es hat mich nicht mehr ganz so tief berührt, wie in der ersten Hälfte. Vielleicht lag das auch daran, dass nun viel mehr passiert als noch zu Beginn und es sich dadurch nicht mehr so intensiv anfühlte.
Aber das ist auch irgendwie Jammern auf hohem Niveau, denn „Solange ein Streichholz brennt“ ist für mich trotzdem ein unfassbar tolles und berührendes Buch, von dem ich mir durchaus vorstellen könnte, es nochmals zu lesen, auch, weil mir Alina und Bohm wirklich sehr als Herz gewachsen sind.
Am Ende hat es mich aber trotzdem ein klein wenig unbefriedigt zurückgelassen, ohne dass ich genau erklären kann, warum. Dies ändert aber nichts daran, dass ich es uneingeschränkt weiterempfehlen kann und werde.





Spielverderberin
von Marie Menke
Ich fand den Einstieg etwas holprig und hatte zu Beginn so meine Schwierigkeiten, in die Geschichte hineinzufinden. Der Schreibstil ist recht kurz, fast abgehackt und es gab sehr viele Andeutungen. An den Schreibstil habe ich mich mit der Zeit gewöhnt, ein vages Gefühl, etwas Entscheidendes verpasst zu haben, bliebt allerdings.
Außerdem hatte ich große Probleme mit der Ich-Erzählerin Sophie, die ich wirklich sehr unsympathisch fand. Nun muss ich natürlich die Protagonistin nicht unbedingt mögen, um ein Buch gut zu finden, da diese hier aber sehr viel Raum einnimmt war es relativ schwer, ihrer für mich sehr ichbezogenen und empathielosen Art zu entkommen. Vor allem, da im Gegensatz dazu Lotte und Romy eher blass bzw. im Hintergrund blieben.
Auch die - zweifellos ungünstige - Dynamik zwischen den Dreien bliebt für mich bis zuletzt genauso schwammig, wie der Rest der Geschichte. Da wäre viel mehr Potential drin gewesen, welches leider so ein wenig verpufft ist.
Einzig am Ende gab es dann nochmals einen richtigen Hallo-Wach-Moment, da war ich fast schon schockiert und es ist das durchgeblitzt, was ich mir für das ganze Buch gewünscht hätte. Doch dann war es auch schon vorbei.





Lola im Spiegel
von Trent Dalton
Dieses Buch hat mir wirklich einiges abverlangt. Von Beginn an fand ich es sehr anstrengend zu lesen, was nicht unbedingt am Schreibstil des Autors lag, den ich eigentlich ganz gut fand. Aber alles ist wahnsinnig ausführlich beschrieben und zieht sich daher so ein wenig, darüber hinaus wird auch nicht linear erzählt, sondern recht durcheinander, was ich doch sehr verwirrend fand.
Ich habe zwischendurch ernsthaft überlegt, das Buch abzubrechen, weil ich mich schon eher durch die Seiten gequält habe und unglaublich langsam vorankam. Leider lässt es mein innerer Monk nur schwer zu, angefangene Bücher nicht zu Ende zu lesen und so bin ich drangeblieben.
Ungefähr ab der Hälfte war ich dann sogar froh darüber, denn ab da wurde es für meinen Geschmack wirklich besser und ich konnte mich auch mehr auf die doch sehr schöne Sprache, die schockierende, aber auch sehr berührende Geschichte und die durchaus lebensklugen Aussagen einlassen.
Allerdings bin ich dann gegen Ende wieder ein wenig verloren gegangen bzw. haben mir die Entwicklungen nicht so zugesagt.
Größter Kritikpunkt ist für mich aber nach wie vor die doch sehr sprunghafte Erzählweise. Geschichten müssen nicht total linear ablaufen und ich mag auch durchaus Rückblenden, wenn sie in irgendeiner Form als solche erkennbar sind. Hier war es mir aber oft zu wechselhaft und fragmentarisch.
Alles in allem war "Lola im Spiegel" für mich schon eher harte Kost, inhaltlich, aber auch vom Leseerlebnis her.





Das Signal
von Ursula Poznanski
Ich habe schon viele Bücher von Ursula Poznanski gelesen, sie ist eine meiner Lieblingsschriftstellerinnen und entsprechend war ich auch sehr gespannt auf ihren neuen Thriller.
Und ich kam auch gleich gut rein, der Schreibstil ließ sich wie immer sehr gut lesen und es war aufgrund des Settings gleich Spannung da. Dafür hatte ich mit der Ich-Erzählerin Viola allerdings so ein wenig meine Probleme. Zum einen war sie mir nicht besonders sympathisch (was auch nicht unbedingt sein muss), zum anderen kam ich aber auch einfach nicht an sie ran, von Beginn an hatte ich das Gefühl, sie verbirgt etwas und verhält sich einfach merkwürdig.
Außerdem werden die Ereignisse durch die Erzählform natürlich sehr subjektiv geschildert, insbesondere auch die Mimik und Gestik von anderen Personen und deren Interpretation.
Doch mit der Zeit entwickelte das Buch eine regelrechte Sogwirkung, weil ich unbedingt wissen wollte, wie sich alles auflöst, ob Vio mit ihren Verdächtigungen recht hat, ob sie die falschen Schlüsse zieht oder einfach paranoid wird. Fragen über Fragen, die mich nur so durch die Seiten fliegen ließen.
Am Ende war es dann nicht ganz so wie gedacht und für meinen Geschmack etwas zu viel des Guten und auch ein wenig unrealistisch. Trotzdem war die Geschichte wirklich absolut spannend und da kann ich dann auch etwaige Logik- oder sonstige Schwächen besser verzeihen. Alles in allem habe ich die Lektüre wirklich sehr genossen.





This Story Might Save Your Life
von Tiffany Crum
So früh im Jahr und schon ein absolutes Highlight, das war mein erster Gedanke, nachdem ich das Buch beendet hatte.
Manchmal kann ich dabei gar nicht so genau beschreiben, was genau mir so gut gefallen hat, manchmal passt es eben einfach, wie auch im echten Leben. Und das war hier so ein Fall.
Zunächst einmal fand ich es wahnsinnig gut geschrieben, der Schreibstil hat mich von Anfang an gepackt. Erzählt wird abwechselnd aus Sicht von Benny und Joy (bei Letzterer in Form von Auszügen aus ihrem bisher unveröffentlichten Memoir) und dabei spürt man die besondere Verbindung zwischen den beiden wirklich sehr, das hat mich schon auch berührt.
Dabei gibt es viele Andeutungen über die zuletzt vorgefallenen Ereignisse, was natürlich hauptsächlich der Spannung dient, für mich am Ende aber unspektakulärer war als erwartet.
Nach ca. zwei Dritteln und mit Beginn des zweiten Teils kam dann so ein kleiner Bruch, da habe ich kurz gebraucht, um mich wieder zurechtzufinden. Außerdem hätte ich Joy in der Phase ab und an echt schütteln können, sie wirkte teilweise doch sehr naiv und die Probleme teilweise so ein wenig hausgemacht.
Aber das ist letztendlich Jammern auf hohem Niveau und ohne das Verhalten der Protagonisten gäbe es natürlich auch das Buch in der Form nicht.
Für mich war "This Story Might Save Your Life" wie schon erwähnt auf jeden Fall ein Highlight und ich habe jede Minute genossen.









