Kundenrezensionen von lesespitz





Der letzte Sommer der Tauben
von Khider Abbas
Der letzte Sommer der Tauben von Abbas Khider ist ein eindringlicher und poetischer Roman über den Verlust von Unschuld in Zeiten politischer Umbrüche.
Im Zentrum steht der 14-jährige Noah, dessen Leben als Taubenzüchter durch die Ausrufung des Kalifats abrupt erschüttert wird. In kurzen, ruhigen Kapiteln zeigt Khider eindrucksvoll, wie schnell sich Alltag, Familie und Freiheit verändern. Die Tauben werden dabei zu einem starken Symbol für die verlorene Unbeschwertheit.
Die klare, ungeschönte Sprache macht die Härte des neuen Systems ebenso greifbar wie die kleinen Versuche der Familie, Normalität zu bewahren. Lediglich das etwas abrupte Ende fällt leicht ab. Sehr berührend und bildhaft geschrieben.
Fazit: Ein intensiver Roman, der nachwirkt und absolut lesenswert ist. Gerade in den jetzigen Zeiten schürt er noch mehr Feingefühl für die anderen Nationen.





Niemands Töchter
von Judith Hoersch
Judith Hoersch’ Roman erzählt die berührende Geschichte von vier Frauen – Marie, Gabriele, Alma und Isabell –, deren Leben auf vielschichtige Weise miteinander verwoben sind. Ausgangspunkt ist Maries Versuch, sich in Berlin ein neues Leben aufzubauen. Ein unerwartetes Ereignis verändert nicht nur ihren Weg, sondern beeinflusst nachhaltig auch das Leben der anderen drei Frauen. Nach und nach entfaltet sich in mehreren Zeitebenen, wie eng ihre Schicksale tatsächlich miteinander verbunden sind.
Der Roman greift große Themen auf: Familie, Mutterschaft, Sehnsucht, Fremdbestimmtheit, Schweigen und generationsübergreifende Traumata. Besonders eindrucksvoll ist, wie Hoersch diese Aspekte in die Handlung einbettet, ohne je belehrend zu wirken. Trotz der Schwere der Themen bleibt der Ton stellenweise leicht, was vor allem dem zugänglichen, atmosphärischen Schreibstil zu verdanken ist. Die Autorin lässt uns tief in die Gefühlswelt der Figuren eintauchen: Almas Schmerz über das diffuse Gefühl, in ihrer Familie nicht wirklich dazuzugehören; Isabells Zweifel, ob sie die Mutter sein kann, die sie sein möchte, und ihre Trauer um die durch einen Unfall verstorbene Mutter; Gabriele, die sich zunehmend von der Rolle als „Mama“ entfernt; und Marie, deren Fotos am Ende zum Schlüssel der Wahrheit werden.
Die Figuren wirken durchweg authentisch, ihre Handlungen und inneren Konflikte sind nachvollziehbar. Positiv fällt auf, dass der Roman zwar nach Ursachen für Verletzungen fragt, aber weitgehend auf einfache Schuldzuweisungen verzichtet. Die Entwicklung der Charaktere über mehrere Jahrzehnte ist stimmig und berührend. Zwar lässt die Spannung zwischendurch etwas nach, doch zum Ende hin gewinnt die Geschichte deutlich an Fahrt und führt zu einer Auflösung, die man zwar erahnen kann, die aber emotional überzeugt.
Abgerundet wird das Buch durch ein stimmiges Cover, passende Musikanspielungen und interessante Nebenfiguren. Ein eindringlicher Roman über Mütter und Töchter, der tief unter die Oberfläche geht und lange nachhallt.





Spielverderberin
von Marie Menke
Marie Menkes „Spielverderberin“ hat mich auf mehreren Ebenen überzeugt. Das unkonventionelle, leicht bedrückende Cover und der Titel mit dem Kindheitswort „Spielverderberin“ passen perfekt zur Geschichte einer Dreierfreundschaft, in der immer eine zu viel ist. Einzig die sehr fette Schriftart empfand ich als etwas plump.
Die Erzählstruktur auf zwei klar markierten Zeitebenen („heute“ und „vier Jahre früher“) erzeugt einen starken Sog: Kapitelweise fügen sich die Ereignisse wie ein Puzzle zusammen, ohne je konstruiert zu wirken. Aus Sophies Ich-Perspektive entsteht ein präzises Bild ihres jungen Erwachsenenlebens, während Lotte und Romy bewusst etwas vage bleiben – genau diese Unschärfe macht den Reiz der Dynamik aus. Die fragile Freundschaft, stille Rivalitäten, Neid und unausgesprochene Wahrheiten sind fein herausgearbeitet.
Besonders gelungen ist, wie Menke große Themen – Freundschaft, Verlust, Klassenunterschiede, Stadt-Land-Gegensatz, psychische Krisen – miteinander verwebt. Köln und das Dorf sind mehr als Kulisse: Sie spiegeln Herkunft, Erwartungen und innere Konflikte der Figuren. Trotz der vielen schmerzhaften Erfahrungen wirkt der Roman nie hoffnungslos; die klare, ruhige Sprache trägt die dunklen Töne, ohne sie erdrückend werden zu lassen.
Auch wenn mir die drei Frauen nicht unbedingt sympathisch waren, fand ich sie literarisch äußerst spannend. Für mich gehört „Spielverderberin“ zu den stärksten Coming-of-Age-Romanen der letzten Zeit, und ich bin sehr gespannt auf weitere Bücher der Autorin.





Pearly Everlasting
von Armstrong Tammy; Torberg Peter
Wer auf Action steht, ist hier falsch.
"Pearly Everlasting", geschrieben von Tammy Armstrong, ist eine Liebeserklärung an zwischenmenschliche Beziehungen, die Natur und die tiefe Verbundenheit zwischen Mensch und Tier.
Das Mädchen, Pearly Everlasting, wächst in einem Holzfällercamp in den Weiten Kanadas auf. Pearly, ein besonderes Mädchen, wächst zusammen mit einem Bärenjungen Bruno auf und das unsichtbare Band zwischen den beiden lässt sich nicht durchtrennen. Eines Tages wird Bruno 'entführt' und die Geschichte handelt von der mutigen und ausdauernden Suche nach Bruno. Dabei begleiten wir Pearly durch die Wälder Kanadas und lernen neue Menschen kennen.
Die Geschichte ist langsam und kann sich etwas in die Länge ziehen. Doch wer eine Liebe zu Tieren und der Natur empfindet, der findet hier tolle Lesestunden. Tammy Armstrong versteht es, mit ihrem bildhaften und flüssigen Schreibstil den Leser für sich zugewinnen.
Für mich ein Lieblingsbuch 2025.





Der Wolf im dunklen Wald
von Sia Piontek
Der Krimi "Der Wolf im dunklen Wald" geschrieben von Sia Piontek ist der zweite Teil der Krimi-Serie. Bereits der erste Teil ("Die Sehenden und die Toten") hat mich ergriffen und gefesselt.
Piontek schafft es, einen klugen Krimi zu schreiben und die Geschichten geschickt um die Hauptermittlerin Carla Seidel zu stricken. Dabei werden den Figuren interessante Charakterzüge mit viel Fingerspitzengefühl zugeschrieben. Carla Seidel, eine einfühlsame und alleinerziehende Mutter, die mit ihren vergangenen Alkoholproblemen zu kämpfen hat, ihre Tochter, die hochsensibel ist und sich in ihre neue Umgebung einlebt, usw.
Somit steht nicht nur die Ermittlung im Vordergrund sondern auch das teils komplizierte Geflecht an persönlichen/ familiären Beziehungen. Diese Mischung macht es für mich aus um eine tolle Serie zu schreiben!





Pauli. Ein Garten für alle
von Weninger Brigitte; Tharlet Eve
Das neue Kinderbuch „Pauli“ überzeugt mich voll und ganz. In dem Buch geht es um eine Häsin, die es nicht alleine schafft ihren Gemüsegarten zu pflegen. Proaktiv bieten ihr die Hasenkinder aus der Dorfgemeinde ihre Unterstützung an und lernen zum einen, dass man für Bezahlung (in Form von Radieschen und Karotten) arbeiten muss, zum anderen wie wichtig es ist, einander zu unterstützen.
Ein lehrreiches Kinderbuch, welches zudem mit so viel Liebe ins Detail gestaltet ist. Die grafischen Elemente lassen neben der Geschichte noch viel Freiraum zum weiteren erkunden der Geschichte um die eigene Kreativität des Kindes zu fördern.
Die Geschichte ist kurz und knackig geschrieben, dennoch sehr schön verfasst. Ein perfektes Buch für das Kind, um ihm wichtige gesellschaftliche Lektionen beizubringen.
Vielen Dank, es wird ein abendlicher Begleiter!





Wie Risse in der Erde
von Clare Leslie Hall
Wie Risse in der Erde von Clare Leslie Hall ist ein fesselnder Roman, der auf zwei Zeitebenen zwischen 1955 und 1968 spielt. Im Mittelpunkt steht Beth, die sich als siebzehnjährige Schülerin in den charismatischen Gabriel verliebt. Ihre leidenschaftliche Sommerromanze endet jedoch abrupt. Jahre später lebt Beth mit ihrem Ehemann Frank auf einer abgelegenen Farm in Dorset. Als Gabriel mit seinem Sohn Leo zurückkehrt, flammen alte Gefühle auf, was zu einer Tragödie führt.
Die Geschichte wird aus Beths Perspektive erzählt und ist in fünf Teile unterteilt, die zwischen der Vergangenheit, der Gegenwart und einem Gerichtsprozess wechseln. Die Autorin schafft es meisterhaft, Spannung aufzubauen und die unterschwellige Bedrohung fühlbar zu machen. Bis zum letzten Drittel bleibt unklar, wer vor Gericht steht und wer ermordet wurde, was die Geschichte besonders packend macht.
Trotz der Tragödien bleibt die Erzählung hoffnungsvoll, und ein unerwarteter Twist am Ende wirft neues Licht auf die Ereignisse. Die Charaktere, insbesondere Beth mit ihrer inneren Zerrissenheit, sind tiefgründig und lebendig dargestellt. Die Natur- und Landschaftsbeschreibungen tragen zur Atmosphäre bei und regen die Fantasie an.
Goodreads
Obwohl die Dreiecksgeschichte ein zentrales Element ist, steht sie nicht im Vordergrund. Vielmehr geht es um die komplexen Beziehungen und die Auswirkungen von Entscheidungen auf das Leben der Protagonisten. Ein Roman, der emotional berührt und zum Nachdenken anregt.





Wut und Liebe
von Suter Martin
Endlich wieder ein neuer Suter. Sei Vorweg gesagt: eine geniale Wucht und sehr zu empfehlen!
„Wut und Liebe“ von Martin Suter hat mich ab Seite 1 gefesselt und ich mochte das Buch auf der einen Seite nicht aus den Händen legen um weiterlesen zu könne, wollte gleichzeitig aber auch vermeiden, dass ich das Buch inhaliere.
Suter hat es wieder geschafft, mich mich seiner direkten, geradlinigen, schnörkellosen Erzählkunst zu überzeugen. In meinen Augen liegt genau hier seine Stärke: Dialoge und Erzählungen werden auf ein Minimum runtergeschraubt. Das heißt, es wird so viel gesagt wie gesagt werden muss, aber nicht zu viel.
Ähnlich verhält es sich in diesem Buch mit den Charakteren. Als Leser weiß man genug über die Charaktere, um sich ein Bild von ihnen machen zu könne, mehr dann aber auch nicht. Die Figuren bleiben somit eher leicht schemenhaft und dennoch fiebert man als Leser mit. Weniger geht es hierbei um Action, vielmehr aber um die zwischenmenschlichen Beziehungen und die Dynamik zwischen Wut und Liebe.
Das Ende kommt anders als erwartet, für mich leider etwas überstürzt und zu schnell. Da hätte ich mir gerne mehr Zeit gewünscht, um all die Ereignisse langsam zu verarbeiten. Dennoch: es ist ein absolut gelungenes Buch. Tolle Geschichte, tolle Dynamik und ein Ende, welches einem erstmal nicht so schnell aus dem Kopf mehr geht.





Berauscht der Sinne beraubt
von Racha Kirakosian
Die Mittelalter-Expertin Racha Kirakosian erzählt in ihrem Buch "Berauscht der Sinne beraubt" von der Geschichte der Ekstase. Nach dem Lesen dieses Buches, habe ich ein zweigespaltenes Gefühl.
Einerseits ist bereits durch die Leseprobe deutlich geworden, dass die Autorin stark auf die geschichtlichen und religiösen Hintergründe eingehen wird. Dennoch ist das gesamte Buch stark davon geleitet worden - das habe ich nicht erwartet. So wurde ich alleine schon durch das Buchcover in die Irre geleitet, habe ich doch etwas mehr aktuellere Themen erwartet.
Nichts desto trotz ist das Buch gut geschrieben. Sofern man sich auf die Religion einlassen kann, ist es definitiv interessant. Das Buch ist in fünf Kapitel unterteilt, welche den Zugang zu dem sehr gut recherchierten und aufgearbeiteten Thema erleichtern.
Kann man lesen.





Don't Let Her Stay
von Nicola Sanders
Absoluter Pageturner und absolute Leseempfehlung. Ich wollte "nur kurz" noch abends das Buch beginnen, hörte erst auf der letzten Seite mitten in der Nacht wieder auf. Ein großartiger Psychothriller!
In dem Buch geht es um die Ehefrau Joanne, die sich nach vielen Jahren darauf freut, die Tochter ihres Ehemanns kennenzulernen. Darunter hat sie sich eine schöne Familienzeit mit ihrem Mann, seiner Tochter sowie dem gemeinsamen Kind vorgestellt. Ausflüge, Kuchen backen, Kochen, etc. standen für Joanne auf dem Programm. Allerdings haben sich Joannes Wünsche nicht bewahrheitet. Während Cloe, ihre Stieftochter, im Beisein ihres Vaters ein Engel ist, verhält sich sich Joanne gegenüber wie ein Biest. Joanne spürt, dass mit Cloe etwas nicht stimmt und versucht ihre eigene Familie und Ehe zu schützen. Klappt das und zu welchem Preis?
Das Buchcover ist der Geschichte passend gewählt. Das Buch ist eine klare Leseempfehlung.









