Kundenrezensionen von NT





Weißer Sommer
von Eva Pramschüfer
Weißer Sommer ist wie eine melancholische Stimmung, in die man langsam hineingleitet. Hitze, flirrende Sommertage, unausgesprochene Gedanken und zwei Menschen, die sich lieben und gleichzeitig irgendwie verlieren.
Alma und Théo verbringen Zeit in Südfrankreich, und eigentlich passiert gar nicht so viel. Gerade daraus zieht das Buch aber seine Wirkung. Gespräche verlaufen ins Leere, Erinnerungen drängen sich in die Gegenwart, kleine Beobachtungen bekommen plötzlich Gewicht. Man merkt beim Lesen schnell dass es hier nicht um die Storyline geht, sondern um das Gefühl, wenn zwischenmenschliche Beziehungen langsam brüchig werden.
Der Stil ist poetisch, träumerisch. Ich konnte mich richtig hineinfallen lassen. Das Buch hat etwas sehr Echtes in der Art, wie es Beziehungen zeigt. Das ist ganz fein von der Autorin beobachtet und niedergeschrieben worden.
Ein melancholischer Sommerroman, der ein bisschen schwer im Bauch liegt, aber auf die Positive Art. Danke Eva, für dieses wunderbare Debüt!





Statt aus dem Fenster zu schauen
von Anna Katharina Scheidemantel
Die Ausgangssituation im Buch ist eigentlich absurd. Ein Haus für 3000 Euro gekauft, ohne es gesehen zu haben, ohne Notar, ohne Heizung. Man fragt sich unweigerlich, ob das mutig oder einfach nur völlig überfordert ist. Wahrscheinlich beides. In „Statt aus dem Fenster zu schauen“ geht es aber eigentlich weniger um das Haus, als um das, was Sophie dorthin treibt. Dieses Gefühl festzustecken: Studium, Praktika, Erwartungen, dieses diffuse „Da muss doch noch mehr sein“.
Die Geschichte nimmt sich Zeit. Sophie kommt langsam an, räumt aus, renoviert, denkt nach. Und genauso langsam liest sich das Buch auch. Ohne Tempo, ohne Druck, wir gehen leise mit. Für mich war das genau richtig. Es ist ein Buch, das man nicht schnell wegliest, sondern genießt. Dabei hat es etwas von dieser „Wilde Hühner“-Romantik. Dieses Gefühl von Aufbruch, von sich selbst irgendwie neu sortieren, ohne genau zu wissen wie. Gleichzeitig ist es sehr nah an unserer Realität. Gerade wir Millennials erkennen uns in diesen Gedankenspiralen wieder. Diese Unsicherheit, diese ständigen Vergleiche, dieses Gefühl, irgendwie nicht ganz da zu sein, wo man sein sollte.
Für mich war das ein sehr persönliches Buch. Kein großes Drama, keine spektakuläre Handlung. Aber viele kleine, ehrliche Momente, in denen man sich selbst erkennt.





Südkorea
von Christin Bohnke
Ich hab das Buch aufgeschlagen und erstmal einfach nur geguckt. Die Illustrationen sind wirklich schön gemacht, da steckt richtig viel Detail drin und man entdeckt ständig irgendwas Neues. Für mich funktioniert das Buch schon allein darüber, man bleibt automatisch länger auf den Seiten hängen.
Gut finde ich, dass es nicht nur bei K-Pop, Dramas und Essen bleibt, auch wenn genau das am Anfang natürlich sofort abholt. Danach wird es breiter: Geschichte, Alltag, Sprache, Religion, alles kommt vor, ohne dass es trocken wirkt. Es ist eher so, dass man sich durch das Buch bewegt und nebenbei immer mehr mitnimmt.
Beim Lesen mit meiner neunjährigen Schwester hat man gemerkt, dass die Texte zwar verständlich sind, aber nicht ganz ohne. Sie hat sich viel über die Bilder erschlossen und ich hab einiges erklärt. Alleine lesen wäre für sie eher anstrengend gewesen. Deshalb würde ich es eher ab 10 oder älter empfehlen.
Was mir gefallen hat, ist, dass hier nicht nur die typischen Basics über Südkorea stehen, sondern auch Dinge, die man so nicht ständig hört. Für mich ein Buch, das man sich gemeinsam anschaut und immer mal wieder zur Hand nimmt, statt es einmal komplett durchzulesen und wegzulegen.





Ich, die ich Männer nicht kannte
von Harpman Jacqueline; Homburg Luca
Vierzig Frauen erwachen in einem Käfig. Keine Erinnerung an den Weg dorthin, kein Wissen über ein Außen, keinen Hinweis auf Sinn oder Zweck ihrer Gefangenschaft. Auch wir als Leser tasten im Dunkeln. Harpman lässt uns dieselbe Ratlosigkeit spüren wie ihre Figuren. Fragen entstehen, bleiben stehen, verhallen. Antworten sind hier selten, vielleicht sogar nebensächlich.
Wer eine klassische Dystopie erwartet, mit klarer Bedrohung, erklärter Welt oder dramatischem Plot, wird überrascht sein. Dieses Buch geht einen anderen Weg. Es ist stiller, nachdenklicher. Die eigentliche Spannung liegt nicht im Geschehen, sondern in den Gedanken, die zwischen den Zeilen wachsen.
Aus der seltsamen Situation heraus entfaltet Harpman ein philosophisches Experiment: Was bleibt vom Menschsein, wenn die bekannten Strukturen verschwinden? Was bedeutet es, eine Frau zu sein, wenn es keine Männer, keine Gesellschaft, keine Rollenbilder mehr gibt? Die Figuren müssen sich selbst und einander neu erfinden, während Erinnerungen verblassen und eine andere Form von Leben langsam Gestalt annimmt.
Der Roman ist kurz und doch erstaunlich dicht. Er liest sich wie eine ruhige, manchmal unheimliche Gedankenskizze über Identität, Einsamkeit und Freiheit. Ein Buch, das zum Nachdenken anregt, auch lange nachdem man die letzte Seite beendet hat.





Half His Age
von Jennette McCurdy
Half His Age ist roh, provokant und kompromisslos. Jennette McCurdy erzählt eine Geschichte, die bewusst aneckt und genau deshalb so beeindruckend ist. Im Zentrum steht die siebzehnjährige Waldo, die sich auf ihren Lehrer Mr. Korgy fixiert. Waldo ist keine Figur, die Dinge einfach über sich ergehen lässt. Sie beobachtet, reflektiert, ordnet ein und urteilt. Genau das macht sie zu einer so spannenden Protagonistin.
Der Text ist explizit, stellenweise obszön, ungeschönt und direkt. Nichts wird romantisiert oder weichgezeichnet. Machtverhältnisse werden sichtbar gemacht. McCurdy weiß genau, was sie tut, und warum sie es so tut. Nach der Lektüre hatte ich das starke Bedürfnis, Interviews der Autorin zu sehen, um ihre Entscheidungen besser zu verstehen. Ein Zeichen dafür, wie sehr das Buch nachhallt.
Besonders beeindruckt hat mich die Figurenzeichnung. Waldo wirkt erschreckend real, mit all ihren Widersprüchen, ihrer Shoppingsucht, ihrer inneren Gedankenwelt und ihrem Blick auf andere Menschen. Auch die Nebenfiguren fühlen sich greifbar an, wie Personen, denen man im echten Leben begegnen könnte.
Half His Age ist kein angenehmes Buch, aber ein starkes. Es zwingt zum Nachdenken über Begehren, Macht, Jugend und weibliche Wut. Für mich eine mutige und extrem eindringliche Lektüre, die ich dringend empfehlen kann.





The Woman in Suite 11
von Ruth Ware
Gleich vorweg für alle, die Teil 1 nicht gelesen haben: Dieses Buch kann man gut lesen, auch wenn man nur die Netflix-Verfilmung von The Woman in Cabin 10 kennt. Einige Nebenfiguren aus dem ersten Band sind einem dann zwar nicht vertraut, aber für das Verständnis der Geschichte ist das kaum relevant.
Sechs Jahre sind vergangen, seit Lo Blacklock in den Albtraum auf der Aurora geraten ist. Inzwischen hat sie zwei Kinder und ihre damaligen Erlebnisse in einem Buch verarbeitet. Wie schon damals wird sie durch eine exklusive Presseeinladung aus ihrem Alltag gerissen. Diesmal geht es in die Schweiz in ein elegantes Hotel aus dem 18. Jahrhundert. Und kaum beginnt die Reise, schleichen sich wieder die ersten Merkwürdigkeiten ein: ein unerwartetes Upgrade in die First Class, seltsame Begegnungen, ein leises Gefühl, dass etwas nicht stimmt.
Ruth Ware versteht es auch in diesem Buch, Spannung schnell aufzubauen. Die kurzen Kapitel und der einfache, sehr zugängliche Schreibstil sorgen dafür, dass man das Buch kaum aus der Hand legen möchte. Als Fortsetzung bleibt die Geschichte durchweg spannend und eignet sich gut als kurzweiliger Thriller für zwischendurch.
Stellenweise wirkte die Handlung auf mich recht konstruiert, was man durchaus damit erklären kann, dass diese Fortsetzung stark durch die Erwartungen der Leserschaft des ersten Bands getragen wird. Außerdem hätte ich mir deutlich mehr Zeit im Schweizer Hotel gewünscht. Gerade dieses Setting und auch die bekannten Figuren aus Teil 1 werden nur kurz angerissen, bevor sich die Geschichte in eine andere Richtung bewegt. Einige Charaktere verschwinden schnell wieder aus der Handlung oder spielen kaum noch eine Rolle.
Insgesamt ist The Woman in Suite 11 ein würdiger Nachfolger für Fans von Lo Blacklock und ein spannender, gut weglesbarer Mysterythriller, auch wenn er sein atmosphärisches Potenzial nicht vollständig ausschöpft.





Wem du traust
von Petra Johann
Petra Johann gehört zu den Autorinnen, deren Krimis ich immer wieder gerne lese, vor allem wegen ihres leicht zugänglichen Schreibstils und der Art, wie sie Figuren zeichnet. Auch in ihrem neuen Buch gelingt es ihr, sehr unterschiedliche Charaktere zu entwickeln, die sich in Stimme, Verhalten und Hintergrund deutlich voneinander abheben. Besonders beeindruckt hat mich erneut, wie authentisch sie junge Figuren wie Schülerinnen darstellt.
Der Plot selbst greift eine moderne und wichtige Thematik auf: sexualisierte Gewalt an Frauen und die Frage, wie Polizeiarbeit funktioniert und wo sie scheitert. Es geht auch um Freundschaft, Familie und um Vertrauen. Lange Zeit entwickelt sich der Kriminalfall mit einem leichten Spannungsbogen und wurde für mich ungefähr ab 60 Prozent etwas vorhersehbar, weil er in so kleinem Figurenkreis spielt. Das Finale ist dennoch kreativ und befriedigend.
Einige Aspekte haben mich jedoch gestört. Fast alle befragten Personen reagieren ablehnend, genervt oder verweigern sogar Auskünfte, obwohl eine junge Frau vermisst wird. Fast jede befragte Person stellt an irgendeiner Stelle die Frage: Warum wollen Sie das von mir wissen? Dieses Verhalten wirkte auf mich oft unlogisch, besonders bei Figuren, denen eigentlich daran liegen müsste, dass Sofia gefunden wird. Jede Minute zählt und doch wird die Kriminalpolizei immer wieder abgewimmelt. Für die Spannung mag das funktionieren, aber für mich erzeugte es eher Frust und Wut.
Auch die Dialoge empfand ich stellenweise als zu konstruiert. Manche Formulierungen klingen nicht nach wirklicher Alltagssprache, was die Authentizität einschränkt. Und der Klappentext ist etwas unglücklich gewählt: Der angekündigte blutbefleckte Pullover (der eigentlich eine Kapuzenjacke ist) taucht erst auf den letzten 95 Seiten auf. Bei einem über 400 Seiten starken Buch wirkt das irreführend.
Trotz dieser Kritikpunkte hat mich das Buch gut unterhalten.





Before I met Supergirl
von Rea Garvey
Musikerbiografien haben für mich immer einen ganz besonderen Reiz. Rea Garveys Lebensgeschichte hat mich neugierig gemacht! Vor allem der Blick nach Irland in die 70er bis 90er Jahre ist spannend, ist es doch eine Zeit voller politischer Umbrüche, die Garvey mit Erzählungen über Familienleben, Dorfdynamiken und jugendlichem Chaos füllt.
Der Titel Before I Met Supergirl bringt es schon auf den Punkt: Hier geht es nicht um Reamonn oder den großen Durchbruch. Die Band wird tatsächlich nur einmal am Rand erwähnt. Stattdessen erzählt Garvey von seinen unerfolgreichsten Zeiten:
seiner Kindheit, den Teenagerjahren, wilden Studententagen und den ersten, noch ruckeligen musikalischen Schritten. Erst spät im Buch begleiten wir ihn auf kleine Tourneen durch Irland und Deutschland. Und genau da endet es: kurz bevor das beginnt, was später sein Leben verändern sollte.
Besonders gefallen hat mir, wie viel Irland in diesem Buch steckt. Die Orte, die Menschen, die Eigenheiten. Man lernt seine Heimat richtig kennen. Wer Irland liebt, bekommt hier einen warmen, authentischen Einblick in Land und Leute. Und natürlich gibt es die typische Portion Rea-Garvey-Humor. Eine Szene hat mich wirklich laut lachen lassen (ich sag nur: am Wasser vorbeigehen), was unüblich für mich ist.
Before I Met Supergirl ist kein klassischer Musiker-Glanzbericht, sondern eine ehrliche, manchmal raue und verletzliche Rückschau auf Herkunft, Familie, Zweifel und die Zeit, bevor Erfolg überhaupt ein Thema war. Ich hätte mir noch ein bisschen mehr von den Ruhmreichen Zeiten gewünscht, denn auch das ist für uns doch super interessant!
Für Fans von Irland und für Menschen, die Rea Garvey mögen und tiefer kennenlernen möchten, bietet dieses Buch schöne Lesestunden.





Blackspell
von Celine Leonora
Aufmerksam geworden bin ich auf Blackspell durch das atemberaubend schöne Cover und weil ich der Autorin schon länger auf TikTok folge. Und was soll ich sagen: Schon bevor ich die erste Seite gelesen hatte, war ich hin und weg vom Buchdesign. Der Verlag und die Autorin haben hier wirklich ganze Arbeit geleistet. Der Buchschnitt ist einer der schönsten, die ich je gesehen habe und beim Aufklappen warten tolle Zeichnungen sowie ein Page-Overlay, das die Autorin selbst gestaltet hat.
Inhaltlich führt uns die Geschichte an eine magische Eliteschule, wo die Protagonistin unerwartet in eine geheimnisvolle neue Welt gerät. Celine Leonora hat ein magisches Universum erschaffen, das düster und vibey ist, besonders, wenn man es wie ich Ende Oktober liest. Die Story entfaltet sich rasant, in angenehm kurzen Kapiteln, mit einer spannenden Mischung aus Geheimnissen, Krimi, Magie und düsterer Atmosphäre. Ich mochte, dass die Charaktere alle greifbare Motivationen haben und die Protagonistin vielschichtig gezeichnet ist. Auch das Magiesystem war originell und die Plot Twists clever, wenn auch an einer Stelle ein klein wenig vorhersehbar für mich persönlich.
Die Liebesgeschichte bleibt angenehm nebensächlich und kurz, was ich erfrischend fand. Trotzdem hat mich das Buch am Ende emotional nicht ganz so stark gepackt, dass ich die Fortsetzung unbedingt lesen möchte, vielleicht, weil es stellenweise doch recht Jugendbuch-haft wirkte (und ich mit 30 Jahren langsam rauswachse) und die Entwicklung der Protagonistin ganz zum Schluss für mich nicht weiter interessant ist.
Trotzdem: Blackspell war ein wunderbar stimmungsvoller, kreativer und ästhetischer Herbstread.





Bestie
von Joana June
Lilly versucht, ihre Vergangenheit als Delia hinter sich zu lassen und zieht bei Anouk ein, einer Influencerin, der sie seit langem folgt. Schon früh wird klar: Dieses neue Leben ist von Lügen durchzogen, aber auch von Hoffnung auf einen Neuanfang.
Beim ersten Reinlesen in das Buch habe ich etwas total anderes erwartet: Mir haben die ersten Kapitel einen seichten Thriller-Vibe gegeben. Doch Bestie entpuppte sich als tiefes Porträt von Freundschaft in all ihren Facetten: Bewunderung, Eifersucht, Nähe, Distanz. Joana June zeigt, wie dünn die Grenze zwischen Verehrung und Besessenheit sein kann, und wie sehr Freundschaft unser Ich mitprägt. Die Autorin hat für ihren Debütroman eine klare, moderne und poetische Sprache gefunden. Die Figuren sind vielschichtig, ihre Konflikte spürbar und nachvollziehbar. Bestie bleibt im Kopf, auch wegen der Fragen, die es uns stellt: Wer sind wir, wenn wir uns neu erfinden? Wie sehr formen Beziehungen unser Bild von uns selbst? Für mich war dieses Buch eine lohnende, intensive und moderne Lektüre.









