Kundenrezensionen von Bettina





Mr. Saitos reisendes Kino
von Annette Bjergfeldt
Die Beschreibung des Lebens von Lita ist wunderbar vielfältig und ungewöhnlich. Schon ihre Mutter war etwas Besonderes, aufgewachsen in einem Kloster, mit Interesse für Schuhe und Tango, weit entfernt vom Leben der Nonnen und trotzdem integriert. Für die Mutter bestimmt der Tango das ganze Leben, für beide tauchen ständig neue Veränderungen auf, die sie vom warmen Südamerika nach dem kalten Neufundland führen. Die Geschichte ist mit sprachlichen Bildern gespickt die beim Lesen richtig Spaß machen und die Handlung gut „illustrieren“. Lita ist eine sehr sympathische Hauptperson, ich jedenfalls wollte unbedingt wissen, wie die Geschichte weitergeht. Auch alle anderen Personen werden gut beschrieben, so entsteht eine Welt in die die Leser eintauchen können. Wer Spaß an ungewöhnlichen sprachlichen Wendungen und einer sehr abwechslungsreichen Lebensgeschichte hat wird hier sicher Freude haben.





Freier Kopf statt Mental Load
von Sara Pierbattisti-Spira; Katharina Wick
Mental Load – diesen Begriff kannte ich bisher gar nicht. Aber die Auswirkungen kennt wohl jeder. Es sind diese vielen kleinen Dinge, die zu selbstverständlich sind um sie auf eine ToDo-Liste zu schreiben, die aber trotzdem ständig präsent sind und erledigt werden müssen. Da nichts zu vergessen kann belastend sein und die Möglichkeiten des Internets mit ständiger Erreichbarkeit machen es nicht besser. So kommt es, dass wir häufig den ganzen Tag beschäftigt sind, abends aber nichts Sichtbares vorzeigen können, oder jedoch deutlich weniger als die Summe der Aufgaben eines Tages. Nachdem detailliert erklärt wird, worum es bei diesem Thema geht folgt der praktische Teil.
Das Buch richtet sich hauptsächlich an Frauen. Besonders Frauen sind belastet durch die Doppel- und Dreifachbelastung durch Beruf, Haushalt und Kinder. Und dass Multitasking ein Mythos ist wissen wahrscheinlich inzwischen die meisten.
Es beginnt mit einem Überblick über die eigenen Aufgaben und Belastungen. Alle Aspekte / Methoden sind mit Tipps und Tricks versehen, es handelt sich quasi um ein Arbeitsbuch mit Teilschritten um das Ziel zu erreichen. Die Autorinnen gehen auf unterschiedliche Möglichkeiten der Umsetzung ein. Alle Themen sind in kurzen Kapiteln übersichtlich zusammengefasst. Durch die Gestaltung mit Farbe, Grafiken, Listen etc. wird der Text ergänzt und man kann ihn gut lesen. Mir gefällt auch das Format des Buches sehr. Etwas größer als ein Taschenbuch mit einer vernünftigen Schriftgröße aber nicht so groß, dass es unhandlich wird.
Nachdem ich das Buch gelesen habe werde ich mich an die Umsetzung machen. Es gefällt mir sehr gut und ich bin gespannt, wie ich die Hinweise in meinen Alltag integrieren kann.





We are Austria
von Pavicsits Nina
Zuerst fällt die hochwertige Ausstattung des Buchs auf. Es fasst sich an als hätte es einen Leineneinband, hat ein Lesebändchen und einen bedruckten Buchschnitt, das Format ist etwas größer als A-5. Für jede der Frauen gibt es eine Doppelseite, auf der rechten Seite eine farbenfrohe Zeichnung, auf der linken Seite eine Zusammenfassung dessen, was diese Frau ausmacht (in Ich-Form). Es ist eine bunte Zusammenstellung von Frauen allen Alters und sehr unterschiedlichen Lebensentwürfen. Einige waren mir ein Begriff, von anderen hatte ich noch nie gehört. Die Lebensbeschreibungen sind interessant geschrieben und da sie auf einer Seite zusammengefasst sind kann man sich schnell einen Überblick verschaffen und entscheiden, von welcher Frau man mehr erfahren will um vielleicht eine umfangreichere Biographie von ihr zu lesen. Am Ende des Buchs findet sich ein Überblick über die Entwicklung der Frauenrechte in Österreich und vorbereitete Seiten um eigene Gedanken festzuhalten. Man erhält durch dieses Buch einen ganz anderen Blick auf die Leistungen von Frauen, es ist für jeden Leser empfehlenswert. Für die Frauen damit sie sehen, was alles möglich ist, für die Männer damit sie sehen, was Frauen alles leisten können außerhalb von Haushalt und Familie. Durch die schöne Gestaltung eignet sich das Buch auch gut als Geschenk!





Im Schatten von Giganten
von Jasmin Schreiber
Dieses Buch besticht nicht nur durch viele detaillierte und teils großformatige Fotos (von der Autorin aufgenommen) und die umfangreichen Informationen über die kleinen und kleinsten Tierchen, die von den meisten übersehen oder als unangenehm empfunden werden. Auch die Texte sind sehr lesenswert. Hier wird nicht über das Thema „berichtet“, man spürt schon auf den ersten Seiten, dass Jasmin Schreiber dieses Thema mit Herzblut und Begeisterung verfolgt. Wie sie zu Beginn erzählt sogar schon seit ihrer Kindheit. Ich konnte mir bildlich vorstellen wie sie ihr Tierkrankenhaus eingerichtet hat... Umso schöner, dass sie aus dieser Leidenschaft nun ein Buch gezaubert hat, das alle mitnimmt, die sich mit den eher (un)gewöhnlichen Tieren beschäftigen möchten. Und diese Tiere können zumeist ohne viel Aufwand selbst in der Natur um uns herum beobachtet werden, es sind weder weite Reisen noch langes auf-die-Lauer-legen erforderlich. Ein Aufruf an jeden, diesen Tieren mehr Aufmerksamkeit zu schenken oder zumindest achtsam zu sein, dass sie nicht durch uns zu Schaden kommen. Natürliche Feinde haben sie genug. Der Schreibstil liest sich super und kommt sehr locker daher, nicht das was man normalerweise von Sachbüchern kennt. Eine klare Empfehlung!





Büchermenschen
von Stéphanie Vernet; Camille de Cussac
Das Buch ist großformatig und mit einem festen Deckel aus Pappe versehen. Die Seiten sind ebenfalls fester als sonst üblich, die Bindung ist so gestaltet, dass die Seiten nicht mit dem Buchrücken verbunden sind und sich deswegen gut öffnen lassen und wenn das Buch offen ist flach liegen bleiben. Damit ist bereits der äußere Eindruck sehr angenehm und positiv. Auf 43 Seiten wird ausführlich über alle Beteiligten berichtet, die an der Erstellung von Büchern beteiligt sind. Vom Autor mit der Idee für Thema und Text geht es weiter mit der Lektorin, der Illustratorin und noch vielen anderen direkt Beteiligten. Damit nicht genug, es folgen auch der Verkauf im Buchladen, Literaturkritik, Bücherei bis zu den Lesern, die die Bücher letztendlich nutzen.
Überall im Buch sind direkt dort, wo der Hinweis hingehört kleine Anmerkungen, z. B. zur Schriftart und Schriftgröße, der Grammatur… Alle Texte werden von schön gestalteten Zeichnungen begleitet.
Dieses Buch ist höchst informativ, haptisch wunderschön gestaltet und rundum empfehlenswert!





Das Gemälde
von Geraldine Brooks
Der Roman wird hauptsächlich von 2 Handlungssträngen bestimmt. Im 19. Jahrhundert, einige Jahre vor dem Bürgerkrieg in den USA, wird in Kentucky ein Pferd geboren, dass sich zu einem der berühmtesten Rennpferde entwickelt. Hier wird die Lebensgeschichte des Pferdes geschildert inklusive detailreicher Beschreibung des Ablaufs von Pferderennen. Gleichzeitig wird das Spannungsfeld zwischen weißen Herren und schwarzen Sklaven thematisiert. Der Sklave Jarret, selbst noch sehr jung, ist schon bei der Geburt des Pferdes dabei und später für den Hengst Darley/Lexington verantwortlich. Damit handelt es sich thematisch durchaus auch um ein Geschichtsbuch.
Der andere Handlungsstrang spielt im Jahr 2019. Gleich mehrere Personen suchen nach Informationen über dieses Pferd. Ein (schwarzer) Kunststudent, Theo, der seine Doktorarbeit mit dem Thema Gemälde von Pferden im 19 Jahrhundert schreiben will und zufällig bei einer Art Sperrmüll ein altes Gemälde dieses Pferdes mitnimmt. Eine (weiße) Wissenschaftlerin, Jess, die sich am Smithsonian Institute mit Knochen von Tieren befasst und in Zusammenarbeit mit einer Wissenschaftlerin aus Großbritannien die Knochen und den Körperbau des im Museum befindlichen Skeletts desselben Pferdes untersucht um herauszufinden, warum gerade dieses Pferd eines der schnellsten seiner Zeit war. Beide treffen sich bei den Recherchen und es wird klar, dass auch nach Überwindung der Sklaverei immer noch tagtäglich Probleme zwischen schwarzen und weißen Menschen entstehen.
Der Titel des Buches ist ungenau gewählt, mir hätte die Übersetzung des Originaltitels „Horse“ deutlich besser gefallen, da die Gemälde des Pferdes eine eher untergeordnete Rolle spielen und mehr der Ergänzung dienen.
Die Beschreibungen sind detailliert und lebendig, das Buch lässt sich gut lesen ohne, dass es langweilig wird. Dafür sollte man sich entweder für Pferde oder für die Auswirkungen der Sklaverei (bis heute) interessieren, wenn man dieses recht umfangreiche Buch (mehr als 550 Seiten) mit Interesse lesen möchte. Streckenweise kann man es mit einem Sachbuch gleichsetzen.





