Kundenrezensionen von Amena25





Wem du traust
von Petra Johann
Eva und ihr Mann Daniel führen eine harmonische Ehe. Linus, der fünfjährige Sohn ist ihr Sonnenschein, auf den Sofia, die fünfzehnjährige Tochter von Evas bester Freundin Susanne öfter mal aufpasst. Nach dem Besuch einer Party bringt Daniel Sofia mit dem Auto nach Hause. Doch am nächsten Tag ist Sofia spurlos verschwunden und offenbar gar nie zu Hause angekommen. Während sich Daniel immer wieder in Lügen gegenüber der Polizei verstrickt und Eva nicht mehr weiß, ob sie ihrem Mann vertrauen kann, wird deutlich, dass auch Sofias Mutter einiges zu verbergen hat. Sie ist nicht nur gegenüber ihrer besten Freundin Eva, sondern auch der Polizei gegenüber nicht offen und ehrlich.
Offenbar hatte Sofia sich in den letzten Monaten mit einem Vergewaltigungs- und Tötungsdelikt, dem sogenannten Diskomord, ausgiebig beschäftigt, eine Tat, die seit über fünfzehn Jahren nicht aufgeklärt werden konnte. Doch hat dies mit ihrem Verschwinden zu tun?
Dem Leser werden in jedem Kapitel geschickt immer nur kleine Häppchen präsentiert, die den Verdacht mal in die eine, mal in die andere Richtung lenken. Für mich war auch keine der Hauptfiguren sympathisch genug, um sich in irgendeiner Form zu identifizieren. Damit wird die Spannung stets hochgehalten und man weiß nicht, wem man trauen kann, bis zum überraschenden Ende.





Was am Ufer lauert
von Lenz Koppelstätter
Gianna Pitti, die junge Polizeireporterin, soll im Auftrag ihres Vaters einen Informanten am Ostufer des Gardasees treffen. Doch stattdessen findet sie eine ermordete Frau und eine leere CD-Rom-Hülle mit der Aufschrift: Churchills Geheimnis
Zusammen mit ihrem Vater Arnaldo, ihrem Onkel, dem Marchese Francesco, und der Chefredakteurin Elvira Sondrini versucht Gianna herauszufinden, was es mit der Toten und Churchills Geheimnis auf sich hat. Onkel Francesco findet in der Familienvilla das Tagebuch von Giannas Urgroßvater, der vor Jahrzehnten mit Winston Churchill befreundet war.
Während sie versuchen, die Identität der Toten zu klären, werden Gianna, ihr Vater, aber auch Onkel Francesco von bewaffneten Männern verfolgt und ein britischer Historiker, der zu Winston Churchill forscht, wird entführt.
Gianna und ihre Familie versuchen, das Rätsel zu lösen. Dabei gerät die Handlung allerdings immer wieder etwas in den Hintergrund und die Konflikte der Familie nehmen breiten Raum ein. Das ist zwar durchaus unterhaltsam und man freut sich, dass die doch sehr unterschiedlichen Mitglieder der Familie Pitti wieder zueinander finden. Dennoch leidet darunter die Spannung und nicht jeder Handlungsschritt wird schlüssig weiterverfolgt.
Für mich ist ,,Was am Ufer lauert“ bisher Koppelstätters schwächstes Buch. Schade, da sowohl die sympathische Journalistin Gianna als auch der Gardasee als Schauplatz vielversprechend ist.





Die Brandung - Leichenfischer
von Karen Kliewe
In der Flensburger Förde werden auf dänischem und auf deutschem Gebiet die Leichen zweier Frauen gefunden, die offenbar nach einem alten Wikinger-Ritual und mit Grabbeigaben begraben wurden. Sowohl die dänische als auch die deutsche Polizei stehen vor einem Rätsel. Zudem werden im Moment junge Frauen vermisst. Muss die Polizei von einem Serientäter ausgehen? Die ehemalige Polizistin Fria Svensson, die jetzt als Archäologin und Museumsleiterin arbeitet, kann es nicht lassen und mischt sich in die Fälle ein. Auf dänischer Seite ist das auch nicht so schwierig für sie, da ihre Brüder und ihr Ex-Freund die lokalen Ermittlungen leiten. Auf der deutschen Seite ermittelt der wortkarge Kommissar Ohlsen, dem Fria auch schon im letzten Fall begegnet ist.
Der Fall entwickelt sich spannend und die mysteriösen Wikingerrituale bilden einen rätselhaften und interessanten Hintergrund. Die Hauptfiguren Fria und Ohlsen, die kaum gegensätzlicher sein könnten, und die Schilderung ihres Privatlebens, tragen zum Unterhaltungswert bei. Allerdings gibt es auch viele Nebenfiguren und Perspektivwechsel, was der Spannung etwas abträglich ist.
Die Auflösung des Falls und die Motive des Täters wirken auf mich etwas konstruiert und nicht ganz überzeugend.





Dunkler Abgrund
von Ruth Lillegraven
Man sollte den ersten Band ,,Tiefer Fjord“ gelesen haben, um die Handlungsfäden und die Charaktere in ,,Dunkler Abgrund“ richtig einordnen zu können.
Nach dem Tod ihres Mannes kümmert sich Clara Lofthus alleine um ihre Zwillingssöhne Andreas und Nikolai. Ihrer Rolle als Mutter fühlt sie sich angesichts der Trauer und ihrer anspruchsvollen Arbeit nicht immer gewachsen. Doch dann wird sie zur Justizministerin Norwegens ernannt. Diese Chance, wirklich etwas in der Gesellschaft zu verändern, will sich Clara trotz ihrer Söhne und ihrer Rolle als alleinerziehende Mutter nicht entgehen lassen. Aber dann erhält sie Drohbriefe von jemandem, der weiß, was sie getan hat. Denn Clara hat schon so einige Leichen im Keller. Entschlossen und mutig verzichtet sie auf Polizeischutz, doch dann werden ihre beiden Söhne entführt. Voller Verzweiflung begibt sie sich auf die Suche nach ihren Kindern und muss sich dabei ihrer Vergangenheit stellen.
Leider hat mich ,,Dunkler Abgrund“ nicht ganz so packen können wie der erste Teil. Die Suche nach den Kindern wird sehr ausführlich, dennoch nicht so richtig spannend erzählt und die Auflösung am Ende war mir zu wenig überzeugend. Schade, da mir Clara Lofthus, gerade wegen ihres starken und widersprüchlichen Charakters sehr gut gefällt. Aber da es sich um eine Trilogie handelt, besteht ja Hoffnung, dass der dritte Teil dann wieder etwas überzeugender gelingt.





Die letzte Nacht
von Slaughter Karin
Während der Nachtschicht der Ärztin Sara Linton wird eine junge Frau in die Notaufnahme eingeliefert, die offenbar einen Autounfall hatte. Doch Sara bemerkt schnell, dass die Verletzungen der 19-jährigen Dani Cooper nicht zu einem Autounfall passen. Kurz bevor Dani stirbt, vertraut sie Sara an, dass sie vergewaltigt und schwer misshandelt wurde. Sara verspricht Dani, dass sie den Täter finden und vor Gericht bringen wird.
Der Tod der jungen Frau reißt für Sara alte Wunden auf. Auch sie wurde als junge Studentin überfallen und vergewaltigt, was ihr gesamtes Leben von Grund auf veränderte. Sie hat Jahrzehnte gebraucht, um ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen. Als Sara herausfindet, dass Danis Geschichte so einige Parallelen zu ihrer eigenen aufweist, schrillen bei ihr die Alarmglocken, besonders da sie mit dem Tatverdächtigen auf den Sohn einer ihr nur zu gut bekannten Familie trifft.
Da ich schon sehr viel Gutes über die Autorin Karin Slaughter gehört habe, war ich sehr gespannt auf das Buch. Allerdings wurde ich eher enttäuscht, da sich die Spannung eher in Grenzen hielt und einige Passagen sehr detailliert erzählen, was die Lektüre teilweise recht zäh werden ließ.
Die Auflösung am Ende war zwar überraschend, aber für mich nicht sehr realistisch.
Kann man lesen, muss man aber nicht.





Tief im Schatten
von Viveca Sten
Viveca Sten ist nicht zu Unrecht eine Bestseller-Autorin. Schon ihre Sandhamn-Reihe hat mich begeistert. Mit ihrer neuen Reihe mit Hanna Ahlander, die am Polarkreis spielt, kann sie weiter überzeugen.
In ihrem zweiten Fall werden Hanna Ahlander und ihr Kollege Daniel Lindskog mit dem Fund einer brutal zugerichteten Männerleiche konfrontiert. Das Opfer wurde brutal misshandelt. Doch der Tote, Johan Andersson, war überall beliebt und hatte offenbar keine Feinde. Hanna und Daniel finden allerdings heraus, dass es mit seinem Geschäftspartner nicht ganz so harmonisch lief und dieser große Schulden hatte.
Als kurz darauf die junge, schwangere Rebecka verschwindet, geraten Hanna und Daniel unter Druck. Rebecka ist die Ehefrau des Pastors der sehr konservativen Freikirche ,,Licht des Lebens“, die in der Nähe von Åre angesiedelt ist. Nach und nach erfährt man, dass Rebecka nicht sehr glücklich in ihrer Ehe ist und ihr Ehemann sie misshandelt.
Doch haben diese zwei Fälle überhaupt miteinander zu tun?
Während Daniel auch privat stark unter Druck steht, da seine Freundin Ida sich mit dem Baby alleingelassen fühlt, müssen Hanna und Daniel gegen die Zeit kämpfen, da Rebecka dringend Medikamente benötigt.
Sehr spannend erzählt, mit authentisch wirkenden Charakteren, deren Privatleben interessant thematisiert wird, ohne dass dadurch die Krimihandlung in den Hintergrund gedrängt werden würde.





Wolfskinder
von Vera Buck
Jakobsleiter – so heißt eine abgelegene Siedlung hoch oben in den Bergen. Die Bewohner leben abgeschieden von der modernen Welt, nach ganz eigenen Regeln. Sie tragen biblische Namen, leben im Einklang mit der Natur und meiden andere Menschen, vor allem die kleine Stadt unten im Tal. Dort wohne das Böse, wird schon den Kindern eingetrichtert. Die Jugendlichen Jesse und Rebekka gehen im Tal zur Schule, werden dort aber ausgelacht, ausgegrenzt oder sogar von den Mitschülern verprügelt. Nur die neue Lehrerin interessiert sich für die beiden. Doch plötzlich verschwindet Rebekka spurlos. Sie wollte der Gemeinschaft in Jakobsleiter entkommen und hat offenbar jemanden kennengelernt. Doch Jesse macht sich große Sorgen, ob sie wirklich freiwillig verschwunden ist.
Auch die junge Redaktionsvolontärin Smilla ist von Rebekkas Verschwinden betroffen. Vor zehn Jahren ist ihre Freundin Juli beim gemeinsamen Campen spurlos verschwunden. Seither leidet Smilla darunter, dass sie zurückgeblieben ist und weiterleben darf. Als ihr dann auch noch ein verwildertes Mädchen vor das Auto läuft, das verblüffende Ähnlichkeit mit Juli hat, macht auch Smilla sich auf die Suche nach den vermissten jungen Frauen.
Die Spannungen zwischen den Bewohnern von Jakobsleiter und den Talbewohnern spitzen sich zu. Währenddessen kommt Smilla einem Geheimnis auf die Spur, das alle zutiefst erschüttert.
,,Wolfskinder“ wird aus der Perspektive verschiedener beteiligter Figuren erzählt, was die Spannung subtil steigert. So weiß der Leser lange nicht, wer was verbirgt. Das Ende ist überraschend und schlüssig.





Die marmornen Träume
von Jean-Christophe Grangé
Berlin im Jahr 1939: Der Psychoanalytiker und Traumforscher Simon Kraus verdient sein Geld nicht nur mit seinen Therapiestunden. Er verführt auch gerne seine Klientinnen, um sie anschließend zu erpressen. Besonders pikant dabei ist, dass es sich bei seinen Klientinnen fast ausnahmslos um Ehefrauen hochrangiger Nazi-Funktionäre handelt. Für Simon Kraus ist dies ein äußerst lukratives Geschäft, allerdings spielt er als jüdischer Psychoanalytiker in dieser Zeit auch sehr mit dem Feuer.
Als eine von Simon Kraus Klientinnen grausam ermordet wird, soll der SS-Offizier Franz Beewen das Verbrechen aufklären. Die Tote gehörte zum sogenannten Wilhelmklub, einem Zirkel reicher Nazi-Frauen, der sich jeden Tag im Hotel Adlon trifft. Bald schon gibt es weitere Leichen. Von seinen Klientinnen erfährt Kraus, dass ihnen ,,Der Marmormann“ in Alpträumen erschienen sei. Da Beween weiß, dass er alleine kein Verbrechen aufklären kann, holt er sich Simon Kraus und die Psychiaterin Minna von Hassel zur Unterstützung, die Angst hat, ihre Klinik und ihre Patienten zu verlieren.
Alle drei beteiligen sich aus sehr unterschiedlichen Gründen an der Suche nach dem Mörder und geraten dabei tief in den Sumpf der Nazi-Verbrechen.
Das sehr ungleiche Trio muss erst so einige Differenzen überwinden, um gemeinsam zu handeln. Das wirkt manchmal nicht ganz realistisch, vielleicht aber doch menschlich.
Keiner der drei ist ein wirklicher Sympathieträger, dafür haben alle drei zu viele schlechte Seiten. Und doch nimmt man ihnen den Kampf gegen das Böse ein Stück weit ab.
Denkt man dann, der Täter ist gefasst, wird man doch schnell eines Besseren bzw. Schlechteren belehrt. Denn so mancher Beteiligte entpuppt sich als eine völlig andere Person mit gänzlich anderen Motiven als bisher vermutet. Das führt zu einigen überraschenden Wendungen, zieht die Handlung allerdings auch sehr in die Länge. Hier wäre meines Erachtens weniger mehr gewesen.





Der Bojenmann
von Kester Schlenz; Jan Jepsen
Mitten in der Elbe wird von einem arglosen Paddler eine Leiche entdeckt. Anstelle der hölzerne Kunstfigur „Bojenmann“, die offenbar über Nacht abgesägt wurde, wurde eine Leiche gruselig in Szene gesetzt. Besonders makaber: die Leiche ist plastiniert. Nur so konnte sie in dieser Position platziert werden.
Kommissar Thies Knudsen, leitender Ermittler des LKA in Hamburg Altona, hat so etwas noch nie gesehen. Auch seine Kolleginnen, Dörte Eichhorn, genannt das Eichhörnchen, und die Forensikerin Susi „Spusi“ Diercks, sind zunächst ratlos, was das bedeuten soll. Doch bald schon tauchen weitere, ähnlich schockierend in Szene gesetzte Leichen auf. Ein Serienmörder geht um in Hamburg, und er will seine plastinierten Opfer zur Schau stellen.
Glücklicherweise hat Kommissar Knudsen seinen guten alten Freund Oke Andersen, der direkt an der Elbe in Övelgönne lebt. Andersen ist sehr belesen und philosophisch bewandert, weshalb er, als ehemaliger Lotse, den Spitznamen La Lotse trägt. Ihn kann Kommissar Knudsen bei einem guten Essen und einer Flasche Bier immer um Rat fragen. La Lotse Andersen lässt der Fall der plastinierten Leichen nicht mehr los. Er recherchiert auf eigene Tour und findet schließlich eine Spur, die zum ,,Duckdalben“, einer internationalen Seemannsmission führt. Offensichtlich hat der Mörder sich dort seine Opfer ausgesucht.
,,Der Bojenmann“ ist ein spannender Krimi, mit einigen gruseligen Details (Gunther von Hagens lässt grüßen), aber auch vielen witzigen Dialogen und philosophischen Gedanken.
Toller Start einer neuen Serie – gerne mehr von Kommissar Knudsen und seinem Kumpel Oke La Lotse!





Northern Spy - Die Jagd
von Flynn Berry
Tessa arbeitet im Büro der BBC in Belfast, als sie plötzlich ihre Schwester Marian in den Fernsehnachrichten sieht. Sie soll einem Raubüberfall begangen haben und außerdem Mitglied der IRA sein. Tessa fällt aus allen Wolken, da sie und ihre Schwester sich immer gegen Gewalt und Terror eingesetzt haben und auch so erzogen wurden.
Während nach Marian gefahndet wird, beginnen sich bei Tessa die Zweifel zu mehren. Wie genau kannte sie ihre Schwester Marian wirklich? Und man erlebt hautnah mit, wie sich das Leben für sie, als Schwester einer Terrorverdächtigen, plötzlich von Grund auf verändert hat.
Als Tessa die Wahrheit erfährt, muss sie sich entscheiden, zwischen ihren Idealen und der Realität. Eine sehr große Rolle spielt dabei auch ihr kleiner Sohn Finn, den sie um alles in der Welt schützen will.
,,Northern Spy“ ist nicht unbedingt ein Thriller, eher ein Roman mit subtiler Spannung und auch überraschenden Wendungen. Einen Großteil der Handlung nehmen Tessas Gedanken, ihr innerer Konflikt und ihr Ringen um eine Entscheidung ein. Bedrückend sind auch die fast schon nebenbei erwähnten Einschränkungen des alltäglichen Lebens in Nordirland, wo jeder Gang vor die Haustür mit tödlicher Gefahr verbunden sein kann.
Das macht ,,Northern Spy“ in meinen Augen zu einer wirklich empfehlenswerten Lektüre.









