Kundenrezensionen von LEXI





Der Pakt der Verräter
von Ellin Carsta
Ein nicht endender Albtraum
„Das Leben gleicht einem Schachspiel, in dem es gilt, die Züge des Gegners vorauszusehen und ihn so lange in Sicherheit zu wiegen, bis er sich unweigerlich in eine Position manövriert hat, aus der er nicht wieder herauskommt.“
Mit „Der Pakt der Verräter“ präsentiert die Autorin Ellin Carsta den nunmehr dreizehnten Band ihrer Erfolgsreihe um die Familien von Falkenbach und Lehmann. Nach einem kurzen Prolog startet die Handlung im Oktober des Jahres 1943. Deutschland befindet sich bereits über vier Jahre lang im Krieg, Mussolini wurde gestürzt und die Alliierten rücken in Sizilien vor. Die Angst ist ein steter Begleiter im Leben der Menschen, die auf ein Ende der faschistischen Schreckensherrschaft hoffen und sich nach Frieden sehnen.
Auf Gut Falkenbach bangt man um Gustav von Falkenbach und Leopold Lehmann, die sich beide an der Front befinden. Paul-Friedrich von Falkenbach quälen immer noch die Nachwirkungen der Beinamputation, er scheint zudem bei seiner Frau Dorothea endgültig in Ungnade gefallen zu sein. Wilhelm Lehmann hingegen leidet darunter, dass er seinen kaum genesenen Sohn Leopold nicht vor der erneuten Einberufung bewahren konnte. Und obgleich Wilhelm eine einzigartige Freundschaft mit Paul-Friedrich verbindet, hat er zum ersten Mal Geheimnisse vor ihm. Die beiden Familien sorgen sich obendrein um das Wohlergehen von Wilhelmine und Johannes, die sich im Vorgängerband in letzter Sekunde den Schergen der Nationalsozialisten entziehen konnten. Obgleich der Fokus im aktuellen Band vorwiegend auf dem geschickten Taktieren Paul-Friedrichs und den Ereignissen auf Gut Falkenbach liegt, gibt die Autorin auch kurze Einblicke in die Ereignisse an der Front aus der Sicht von Gustav und Leopold. Ein Brief aus Amerika ermöglicht darüber hinaus auch Irma Lehmann einen kleinen Gastauftritt, während der hartnäckige und unbarmherzige SS-Hauptsturmführer Alfred Breuer nach wie vor alles daransetzt, um die Familien zu vernichten.
Ellin Carsta bestückte ihre Geschichte mit den altbekannten Charakteren, fügte historische Hintergrundinformationen dazu und würzte das Ganze mit einer Prise Spannung und Emotionen. Die authentischen Charaktere, deren Entwicklung man im Verlauf der zahlreichen Vorgängerbücher sehr gut verfolgen kann, sowie der einnehmende Schreibstil tragen abgesehen vom interessanten Plot wesentlich zum Erfolg dieser Buchreihe bei.
Im aktuellen Band dieser Reihe hat mir die Entwicklung um Dorothea von Falkenbach sehr zugesagt, während die latente Bedrohung durch Elisabeths Verrat, deren Unberechenbarkeit, aber auch die unerbittliche Hartnäckigkeit Breuers den Spannungsbogen aufrechterhält.
Ich fühlte mich auch durch die aktuelle Neuerscheinung ausgezeichnet unterhalten, verfolgte in gespannter Erwartung die Geschicke auf Gut Falkenbach, bangte und hoffte mit einem mittlerweile abgestumpften Gustav und einem merklich geläuterten Leopold um deren Leben. Und ich fragte mich, ob Paul-Friedrich und Wilhelm es tatsächlich wagen würden, einen Pakt mit Verrätern einzugehen und das Leben ihrer Familien aufs Spiel zu setzen.
Das optisch sehr ansprechende Buchcover stellt wie gewohnt einen Blickfang dar, die einheitliche Gestaltung hinsichtlich Schrift und Farbwahl hat für mich mittlerweile Wiedererkennungswert und vermittelt eine gewisse Verbundenheit mit diesem herrschaftlichen Anwesen sowie deren Bewohnern.
FAZIT: „Der Pakt der Verräter“ war ebenso wie die Vorgängerbände eine fesselnde Lektüre, die mir ausnehmend gut gefallen hat. Als großer Fan der Reihe sind mir die Familienmitglieder mittlerweile ans Herz gewachsen und ich genoss es, die Entwicklung der einzelnen Charaktere, aber auch die innerfamiliären Konflikte und Beziehungen mitzuverfolgen. Die Autorin versteht es, ihre Leser emotional einzubeziehen und wartet erneut mit einer interessanten Geschichte sowie dem obligatorischen Cliffhanger am Ende des Buches auf. Ich kann es kaum erwarten, in einem vierzehnten Band zu erfahren, ob Paul-Friedrich Hitlers Bluthund Alfred Breuer erneut überlisten kann und wie es den von Falkenbachs und Lehmanns wohl gelingen wird, die Zeit bis zum Ende des Krieges unbeschadet zu überstehen.
Ich vergebe auch diesmal wieder fünf Bewertungssterne und eine klare Leseempfehlung!





Arvil, der kleine Falke – Die Europameisterschaft
von Thomas Forat
Sie flogen über die Dächer von Paris
„Siegen heißt nicht immer nur, einen Titel zu gewinnen. Öffne deine Augen und genieße den Moment. Momente wie dieser und das Wissen, alles gegeben zu haben, machen einen zum wahren Sieger!“
Durch seinen Sieg beim Waldflugrennen qualifizierte sich der talentierte junge Rennfalke Arvil für die Teilnahme am wichtigsten Flugrennen Europas. Sein Flugtrainer Adwanagor, die pfiffige Spitzmaus Serge und die temperamentvolle Eichhörnchendame Malou begleiten ihn nach Frankreich. In Paris angekommen werden sie bereits mit der ersten Herausforderung konfrontiert: durch eine unvermutete Änderung muss Arvil nun eine Rennstrecke bewältigen, auf die er weder vorbereitet, noch trainiert ist. Um sich für die Teilnahme registrieren zu lassen, fehlen dem Team des kleinen Wanderfalken-Papageis zudem auch noch Mitglieder. Und zu guter Letzt schmieden skrupellose und hinterlistige Teammitglieder des aktuellen Weltmeisters Quintez einen bösen Plan, um ihrem jungen Konkurrenten zu schaden.
Nach einem kurzen Rückblick auf die Ereignisse im ersten Band und dem Abschied in der Heimat verlegt Thomas Forat den Schauplatz der Handlung nach Paris. Er beschreibt das hektische Gewusel unter dem Eiffelturm, als die verschiedensten Tierarten emsig die letzten Vorbereitungen für die Europameisterschaft treffen. Ein Chamäleon-Zwillingspaar an der Registrierungsstelle, Heuschrecken-Reporter, ein kleiner Kolibri, der als Rennkommentator eine echte Stimmungskanone ist, eine Pandadame mit rotem Fell, eine weise Ameisenkönigin und ein einschüchternder intriganter Hornfrosch sind nur einige der Figuren, mit denen Arvil zu tun hat.
Die Ereignisse kurz vor dem Rennen münden schließlich in ein aufregendes Finale, wobei der Autor es versteht, die Spannung hochzuhalten. Intrigen und Konkurrenzkämpfe, ausgeklügelte Flugtaktiken der Teilnehmer sowie unvorhersehbare Wendungen unterhalten den Leser und zeichnen für gehörige Aufregung über den Dächern von Paris verantwortlich.
Die liebenswerten Charaktere aus dem ersten Band werden um einige Figuren erweitert, zugleich schmieden gefährliche Konkurrenten und deren Handlanger unheilvolle Pläne. Im Zuge eines Wiedersehens alter Bekannter gibt es Rückblicke auf die Ereignisse um Arvils Vater Aron, dessen Karriere als talentierter Rennfalke nach einem schlimmen Zwischenfall ein abruptes Ende fand. Der locker-leichte Schreibstil, die kindgerechte Sprache, liebevoll ausgearbeitete tierische Charaktere, ein interessanter Plot, spannende Szenen rund um das Rennen sowie humorvolle Passagen zeichnen dieses entzückende Kinderbuch aus. Eine überraschende Entwicklung Arvils großen Adoptivbruder Serge betreffend und einige kluge Einsichten werten die Geschichte zusätzlich auf.
Fazit: „Arvil, der kleine Falke – Die Europameisterschaft“ hat den mitreißenden ersten Band dieser Reihe aus meiner Sicht sogar noch übertroffen. Thomas Forat präsentiert seiner jungen Leserschaft ein weiteres aufregendes Abenteuer mit dem kleinen Rennfalken und der bereits bekannte Buchtitel vom 3. Band dieser Reihe lässt den Ausgang der Geschichte bereits ganz ohne Spoiler erahnen. Ich freue mich bereits, dem mutigen kleinen Rennflieger Arvil im Nachfolgeband „Arvil, der kleine Falke 3 – Die Weltmeisterschaft“ wieder zu begegnen.





Herzensmakeover
von Nicole Deese
Am Ende zählt nur, wie es um unser Herz bestellt ist
„Das richtige Gleichgewicht zu finden, kann knifflig werden. Zu helfen, ohne Grenzen zu überschreiten. Es ist nicht einfach, echte Bedürfnisse zu erkennen und den Heilungsprozess nicht beschleunigen zu wollen.“ (Miles McKenzie)
Molly McKenzie ist ein aufsteigender Stern am Influencer-Himmel, woran auch ihr geschäftstüchtiger Freund Ethan Carrington nicht ganz unbeteiligt ist. Als Mollys ehrgeiziger Manager ist es sein vorrangiges Ziel, die Zahl ihrer Follower immer weiter zu erhöhen. Darüber hinaus hat er einen lukrativen Job als Moderatorin für seine erfolgreiche Freundin ins Auge gefasst. Eine ehrenamtliche Tätigkeit mit sozial benachteiligten Jugendlichen betrachtet er als optimales Sprungbrett für Mollys Karriere und Silas Whittaker, der Leiter einer entsprechenden Einrichtung, soll Molly diesen Weg ebnen. Doch die Sache erweist sich als nicht so einfach, wie die beiden es sich vorgestellt haben…
Nicole Deese hat sich mit diesem aktuellen Thema und ihrem einnehmenden Schreibstil, der auch mit einer gehörigen Portion Situationskomik einhergeht, geradewegs in mein Herz geschrieben. Sie erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die sich von ihrer tief gläubigen Familie unverstanden fühlt und ihren eigenen Weg sucht, dabei aber Gefahr läuft, sich selbst zu verlieren. Die Protagonistin, die sich vorrangig auf Oberflächlichkeiten - den Glamour, die Bewunderung durch ihre zahlreichen Follower und das permanente Heischen nach Aufmerksamkeit und "Likes" - konzentriert, wird mit einer völlig konträren Welt konfrontiert. Die Jugendlichen, mit denen sie zu tun hat, schleppen zum Teil gehörige Lasten aus ihrer Vergangenheit mit sich. Sie haben mit gravierenden Problemen zu kämpfen und sehnen sich nach Annahme, Wertschätzung und Integration. Die Art und Weise, wie Nicole Deese diese beiden Welten aufeinanderprallen lässt und daraus eine zauberhafte, zugleich aber auch tiefgründige Geschichte entstehen lässt, fand ich großartig.
Die Charakterzeichnung der handelnden Figuren hat mir ausnehmend gut gefallen, sowohl die Haupt-, als auch die Nebenfiguren dieses Romans vermochten mich zu überzeugen. Der Fokus liegt auf den beiden Protagonisten Silas und Molly. Mollys Assistentin Val, Mollys Bruder Miles und die Bewohner der Einrichtung „Bridge Youth Home“ nehmen aber ebenfalls Raum in der Handlung ein. Während Mollys Manager und Freund Ethan für mich rasch zum Antagonisten avancierte, wuchsen mir Silas, Wren und Val immer mehr ans Herz. Im Buch ist von Nächstenliebe, Vertrauen und zweiten Chancen, aber auch von Vergebung die Rede. Nicole Deese erzählt von den Schwierigkeiten, so viele Jugendliche wie möglich aufzunehmen und sie auf ihrem Weg zu begleiten. Durch die liebevoll gezeichneten Charaktere und den einnehmenden Schreibstil gelang es der Autorin, mich voll und ganz in die Geschichte einzubeziehen und ich habe im wahrsten Sinne des Wortes jede Seite dieses Romans genossen. "Herzensmakeover" ist ein wundervolles und gefühlvolles Buch, das mit ganz viel Gefühl, der Einbringung des christlichen Glaubens, einer aktuellen Thematik, tiefsinnigen Ausführungen, aber auch einer guten Portion Humor punktet. Im Grunde die perfekte Lektüre.
Bedauerlicherweise las ich jedoch die deutsche Übersetzung, bei welcher meine Lesefreude gehörig durch den Einzug des "Gender-Wahnsinns" getrübt wurde. Anfangs noch darauf verzichtet steigerte sich diese Überfrachtung der Sätze bis zu einer Passage, an welcher die gendergerechte Formulierung gleich vier Mal auf einer Seite angewandt wird. Eine solche Vorgehensweise betrachte ich als großes Ärgernis, es hemmt den Lesefluss gehörig, ist für mich persönlich inakzeptabel und beeinflusst künftige Kaufentscheidungen gravierend. Nicole Deese hat sich durch diesen Roman zwar ganz eindeutig auf die Liste meiner favorisierten christlichen Autoren katapultiert und ich brenne darauf, weitere Werke von ihr zu lesen, aber nur noch im englischen Original.
Ich vergebe nichtsdestotrotz fünf volle Bewertungssterne und eine begeisterte Leseempfehlung - denn die Autorin kann schließlich nichts für die Übersetzung ;-)





Im Kopf des Bösen – Der Happy Face Killer
von Axel Petermann; Petra Mattfeldt
Seht über eure Schulter, ich bin näher, als ihr denkt!
„Ich muss in die Welt der Opfer eintauchen um verstehen zu können, was der Täter in ihnen sah.“ (Sophie Kaiser)
Nach einem spannenden Auftakt mit dem „Sandmann-Fall“ und dessen Nachfolger „Ken und Barbie“ setzt das Autorenduo Axel Petermann und Petra Mattfeldt die Buchreihe „Im Kopf des Bösen“ fort. Band 3 - „Der Happy Face Killer“ - befasst sich mit einer Mordserie im Umkreis von Bremen, bei der mehrere Frauen entführt, misshandelt, vergewaltigt und getötet wurden. Der Leiter der Mordkommission Bremen fordert die beiden Fallanalytiker Sophie Kaiser und Leonhard Michels an, um den sadistischen Serienkiller zu schnappen. Eine seltsame Zeugin, ein Mord, der nicht ganz ins Bild zu passen scheint und ein skrupelloser Journalist sind nur einige der vielen Hindernisse, die sich den beiden Profilern in den Weg stellen.
Der einnehmende Schreibstil, die Charakterzeichnung der handelnden Figuren und ein komplexer Fall machen auch den dritten Band dieser Reihe zu einem fesselnden Leseerlebnis. Mit Sophie Kaiser und Leonhard Michels hat das Autorenduo authentische, aber ziemlich eigenwillige Protagonisten ersonnen, die mit einer herausragenden Beobachtungsgabe und einem ungewöhnlichen Ermittlungsansatz punkten. Sophie Kaisers spezielle Fähigkeiten, ihre direkte Art, die kühle, analytische Denkweise, aber auch die Aspekte und Auswirkungen ihrer autistischen Züge haben mir ausnehmend gut gefallen.
Die beiden Autoren beleuchten abwechselnd die Arbeit der Profiler und die Aktivitäten des Mörders. Die fieberhafte Suche nach einem Anhaltspunkt bei den Ermittlungen sorgt für Spannung im Buch, die Einblicke in die Welt der Fallanalyse fand ich faszinierend. In dieser auf ein wahres Verbrechen beruhenden Geschichte bleibt die Identität des Mörders sehr lange im Dunkeln, obgleich man viel über ihn erfährt und die Ereignisse aus seiner Sicht mitverfolgen kann. Die Einzelheiten zu den Morden und zur Person des Täters werden nur langsam enthüllt, was den Spannungsbogen weiter erhöht. Nach einem aufregenden Katz-und-Maus-Spiel taucht vor dem Zuschlagen der letzten Buchseite plötzlich jemand auf, der es auf Sophie Kaiser abgesehen hat und „sie für sich haben möchte“. Ob tot oder lebendig wird derzeit noch der Vorstellungskraft des Lesers überlassen. Der hochspannende Epilog zeichnet dadurch für eine hohe Erwartungshaltung und Vorfreude auf den nächsten Band dieser True-Crime-Reihe verantwortlich. Die Autoren gehen im Nachwort ausführlich auf die realen Fakten und die Person des echten Happy Face Killers ein.
FAZIT: Die fesselnde Neuerscheinung „Im Kopf des Bösen – Der Happy-Face-Killer“ aus der Feder von Petra Mattfeldt und Axel Petermann hat mich sehr gut unterhalten und für spannende Lesestunden gesorgt. Als passionierter Krimi-Fan mit einer Vorliebe für das Profiling und großem Interesse für die verschiedenen Ausprägungen des Autismus lag mein persönlicher Fokus auf der Ermittlungsarbeit von Sophie Kaiser und den faszinierenden Einblicken in die Welt der Fallanalytik. Was mich jedoch störte war die Tatsache, dass nun auch in Romanen die Schreckensherrschaft der gendergerechten, den Lesefluss enorm störenden Sprache Einzug gehalten hat (Kollegen und Kolleginnen, Täter oder Täterin). Nichtsdestotrotz kann ich dieses Buch, das interessante Hintergründe und Einblicke in die Ermittlungsarbeit bei der Aufklärung von Serienmorden bietet, jedem Krimi-Fan ans Herz legen.





Versprich mir, dass du tanzt
von Dani Atkins
Eine Liebe, die begonnen hat, als wir Teenager waren, und die niemals enden wird
„Es war lange her, dass ich mich in Josh Metcalf verliebt hatte, und eines wusste ich mit absoluter Gewissheit: keiner von uns beiden wollte, dass dies wieder passierte.“
Als das zwölfjährige Pflegekind Josh nach einer schwierigen Kindheit zu Gordon und Janette Baker nach Elm Close kommt, findet es zum ersten Mal in seinem Leben liebevolle Aufnahme in einem dauerhaften Zuhause. Aufgrund seiner negativen Erfahrungen fällt es dem mürrischen Jungen jedoch schwer, Beziehungen einzugehen. Es ist das naseweise Nachbarsmädchen Lily, das schließlich mit ihrer Hartnäckigkeit zu Josh durchdringt, sich nicht abwimmeln lässt und den großen Bergahorn im Garten der Bakers kurzerhand zu ihrem gemeinsamen Rückzugsort erklärt. Dank Lilys unverblümter Art und ihrem offenen Wesen werden die beiden schnell unzertrennliche Freunde. Der Umzug der Bakers ein paar Jahre später ist besonders für Lily ein schwerer Schlag. Denn sie hat zu lange damit gewartet, Josh ihre Gefühle einzugestehen, die mittlerweile längst über eine Freundschaft hinausgehen.
Jahre später fabriziert Lily als Konditorin köstliche Kreationen, liebt ihren Beruf und ihren Verlobten Adam, der sie auf Händen trägt. Kurz vor der Hochzeit mit Adam kommt es aber zwischen Lily und Josh zu einem fürchterlichen Streit und Josh verschwindet spurlos aus Lilys Leben. Als Adam Lily auf seinem Sterbebett das Versprechen abringt, sich mit Josh zu versöhnen, muss sie ihren ganzen Mut und all ihre Willenskraft aufwenden, um den letzten Wunsch ihres verstorbenen Mannes zu erfüllen und Josh ausfindig zu machen.
Die aktuelle Neuerscheinung von Dani Atkins thematisiert das Drama eines viel zu frühen Todes und eine Teenager-Freundschaft, die zur ganz großen Liebe wurde. Den Protagonisten werden zahlreiche Hindernisse in den Weg gelegt, bereits die ersten Seiten sind von Trauer und Leid geprägt, die seelischen Qualen der handelnden Figuren setzen sich im gesamten Inhalt fort. Das Buch ist zwar in einem lockerem Schreibstil verfasst, die Grundstimmung ist aber eher traurig.
Die Protagonisten wurden gut charakterisiert, die Autorin geht auf ihre Gefühls- und Gedankenwelt sowie ihre persönlichen Entwicklungen ein. Dennoch konnte ich mich für keine der Figuren erwärmen, einige Reaktionen und Handlungen vermochten mich zudem nicht zu überzeugen. Zwar stirbt Lilys Ehemann Adam bereits auf den ersten Seiten dieses Romans, dank einiger Rückblenden erfährt man aber ein wenig über das kurze gemeinsame Leben des jungen Paares. Kapitel, welche die Ereignisse in der Vergangenheit thematisieren, sind mit der Angabe eines Zeitraums versehen und kursiv gedruckt. Die optische Aufmachung des Covers mit dem rosafarbenen Hintergrund, dem gleichfarbigen Buchschnitt, der tänzelnden Frauenfigur und den goldenen Lettern stellt einen deutlichen Gegensatz zum bedrückenden Inhalt dar.
Gedanken zum Inhalt - ACHTUNG SPOILER!
Die Geschichte von Adam, Josh und Lily ließ mich zwiegespalten zurück. Im Grunde fand ich die Entwicklung der innigen Teenager-Freundschaft von Josh und Lily, die zur großen Liebe wurde, berührend und romantisch. Für meinen Geschmack stellen sich den handelnden Figuren aber eindeutig viel zu viele Hürden und Missverständnisse in den Weg. Es gab zudem langatmige Passagen im Buch. Die Entwicklung der Geschichte dauerte gefühlt endlos, aber die Auflösung wurde dann in rasantem Tempo innerhalb weniger Seiten abgehandelt. Als ich nach dem zähen und langwierigen Auf und Ab und dem Gefühlschaos der beiden Hauptfiguren mit diesem unerwarteten und abrupten Ende konfrontiert wurde, war ich im ersten Moment vollkommen fassungslos. Indem die Autorin das gemeinsame Leben von Josh und Lily als Ehepaar lediglich mit wenigen Worten erwähnt und mehr als vierzig Jahre überspringt, fühlte ich mich um die eigentliche Liebesgeschichte, das Happy End, betrogen. Ich erfuhr buchstäblich nichts über das Leben von Josh und Lily, nachdem sie nach über vierhundert Seiten ENDLICH zueinander gefunden hatten. Am Ende der einen Seite stand Lily noch kurz vor der Geburt ihres Sohnes und zu Beginn der nächsten Seite war sie bereits eine alte Frau über siebzig, die im Sterben liegt.
Das Buch war sehr emotional, aber insgesamt betrachtet beinhaltet es bei Weitem viel zu viele Dramen. Es gibt Bücher, die das Herz berühren, die das Innerste mit Wärme erfüllen und für Glücksgefühle sorgen. „Versprich mir, dass du tanzt“ war jedoch aufgrund seiner negativen Grundstimmung bedrückend und hinterließ lediglich einen schalen Nachgeschmack. Ich fand es schrecklich, dass die Protagonisten die meiste Zeit verzweifelt und unglücklich sind und Reue, Verlust und Trauer im Buch dominieren. Dass darüber hinaus auch noch zwei der drei Hauptfiguren sterben, veranlasst mich endgültig dazu, zukünftig von Werken dieser Autorin Abstand zu nehmen. Ich möchte beim Lesen in eine heile Welt eintauchen und furchtbare Schicksale oder tragische Todesfälle zumindest für die Zeit der Lektüre ausblenden können.
Von mir gibt es daher leider keine Leseempfehlung, ich stand hin und wieder tatsächlich kurz davor, das Buch abzubrechen. Es gibt Bücher, die mich begeistern aber es gibt auch Bücher, die mich schwer enttäuschen. „Versprich mir, dass du tanzt“ ist bedauerlicherweise eines davon.





Neuanfang in Notting Hill
von Norie Clarke
Kopfüber in ein neues Leben - Untermieter in Notting Hill gesucht!
„Die richtige Person kann dein Leben bereichern, anstatt es einzuschränken.“
Auf Anregung ihrer Freundin Pamela entschließt sich die achtzigjährige Joan Armitage, ein Zimmer ihres Hauses im Londoner Stadtteil Notting Hill zu vermieten. Da auch ihr vielbeschäftigter erwachsener Sohn nicht mehr zuhause wohnt, führt die ehemalige Klavierlehrerin mit ihrem einzigen Mitbewohner, dem alten Labrador Humphrey, ein einsames Leben. In dem lebensfrohen Wirbelwind namens Jess Harris findet sie schließlich die passende Kandidatin – die empathische junge Frau bringt wieder Leben und Freude in Joans Alltag. Und während Joan von diesem neumodischen Kram wie Internet und Smartphone nichts wissen will, ist Jess der felsenfesten Überzeugung, offline nicht überleben zu können. Die beiden Frauen wagen schließlich ein Experiment: während Jess sich zu einem Digital Detox bereiterklärt, ist Joan gefordert, ihr Schneckenhaus zu verlassen und sich in der virtuellen Welt zurechtzufinden. Nach und nach verändern sich die Perspektiven der beiden Protagonistinnen, deren Leben durch diese ungewöhnliche Wohngemeinschaft in höherem Maße bereichert wird, als sie es je für möglich hielten.
Große Enttäuschungen im Leben, traumatische Erfahrungen und der Wunsch nach Veränderung werden in diesem Roman thematisiert. Die Autorin befasst sich darüber hinaus mit der Abhängigkeit von Smartphone und Internet sowie der zunehmenden Unfähigkeit, wirklich abschalten zu können. Die Lebensgeschichten von Joan und Jess werden behutsam aufgerollt, dem Leser nach und nach Einblicke in ihre Vergangenheit gewährt. Während Jess von ihrem Exfreund verlassen und um ihre Ersparnisse betrogen wurde, trauert Joan um die Liebe ihres Lebens, die sie vor sechzig Jahren verlor. Das Einblenden alter, handschriftlicher Briefe und einfühlsame Gespräche bilden einen atmosphärischen Hintergrund für diese Geschichte, die mit eindrucksvollen Haupt- und interessanten Nebenfiguren aufwartet. Während Jess und Joan im Mittelpunkt des Geschehens stehen, nehmen Joans Sohn Edward, ihre Nachbarin Pamela sowie Jess‘ beste Freundin Debs wichtige Nebenrollen ein. Weitere Nebenfiguren der Handlung sind Arbeitskollegen und Freunde der Protagonisten, ein pensionierter Ingenieur mit einem Faible für Oldtimer und ein charmanter irischer Journalist. Jess‘ Exfreund Liam und Joans große Liebe Joseph werden vorwiegend in zahlreichen Rückblenden thematisiert.
Die Figuren der Handlung sind liebevoll ausgearbeitet, ihre positiven Eigenschaften, aber auch ihre kleinen Schwächen und Marotten, lassen sie sympathisch erscheinen. Jess und Joan stellen sich der Herausforderung, ihre Vergangenheit aufzuarbeiten und eine neue Richtung einzuschlagen. Im Zuge ihres Experiments erhalten sie eine neue Sichtweise auf viele Dinge. Manche Entwicklungen wirkten auf mich nicht so ganz überzeugend und einige Zufälle schienen mir etwas zu konstruiert. Es gelang Norie Clarke auch nicht, die große Liebe zwischen den Hauptfiguren glaubhaft zu vermitteln. Liam Anderson zeichnet für das Unglück einer der Protagonistinnen verantwortlich, wurde seiner Rolle als Antagonist aus meiner Sicht aber ebenfalls nicht gerecht. Seine Reaktion während der Konfrontation mit seinen Handlungen fand ich eher befremdlich. Zusammengefasst muss ich anmerken, dass einige Szenen durchaus eine gewisse emotionale Resonanz erzeugten, doch ein paar Tränen zwischendurch wogen die Tatsache, dass ich mich nicht so ganz mit den Charakteren identifizieren konnte, nicht auf.
Der große Wendepunkt bahnt sich in dieser Geschichte nur langsam an, das Ende schien mir zu abrupt. Für mich hatte es den Anschein, als würde die Autorin innerhalb weniger Buchseiten einem äußerst konstruierten Happy End entgegenrasen. Besonders den Ausgang der Liebesgeschichte zwischen Joseph und Joan – eine Liebe, die ich vergeblich zwischen den Zeilen zu entdecken hoffte – empfand ich als ziemlich abwegig.
FAZIT: Die Geschichte hatte definitiv Potenzial und basiert auf interessanten Themen, die Umsetzung wies jedoch kleine Schwächen auf. „Neuanfang in Notting Hill“ erwies sich dank des locker-leichten Schreibstils, zahlreicher humorvoller Passagen sowie sympathischer Figuren nichtsdestotrotz als sehr unterhaltsame Lektüre. Ich empfand dieses Buch als charmante Sommerlektüre, bei dem man nicht allzu viel hinterfragt, sondern sich einfach berieseln lässt. Es mutet wie ein Märchen für Erwachsene an, welches aufgrund der flapsigen Sprache, der Einbindung diverser Kraftausdrücke und dem kleinen Mangel an Tiefgang und Glaubwürdigkeit an einer Fünf-Sterne-Bewertung vorbeischrammt.





Die Stunde des Widerstands
von Ellin Carsta
Der Untergang allen Vertrauens
„In unsteten Zeiten ist die Familie das, was uns zusammenhält, uns durchhalten und den Schwierigkeiten trotzen lässt. Aber ich werde Verräter in meinem direkten Umfeld nicht dulden, ganz gleich, wer sie sind und wie nah sie mir stehen.“
Der zwölfte Band der Reihe um die Familien Falkenbach und Lehmann ist im Februar des Jahres 1943 angesiedelt. Während Gustav von Falkenbach und Leopold Lehmann sich immer noch an der Front befinden, nehmen das Misstrauen und die Bespitzelungen im Land ebenso zu wie die innerfamiliären Konflikte auf dem Anwesen der Falkenbachs. Der neue Leiter des Arbeitslagers, Hauptsturmführer Viktor Sanders, gibt sich nach wie vor undurchschaubar, der begründete Verdacht, dass es einen weiteren Spitzel auf dem Anwesen gibt ist nicht von der Hand zu weisen. Während Käthe Lehmann sich hingebungsvoll um ihre Söhne Johannes und Ferdinand sowie ihren Enkel Jojo kümmert, distanziert sie sich zunehmend von ihrer Schwiegertochter Elisabeth. Wilhelm und Else Lehmann unterstützen sich gegenseitig in ihren Bemühungen, diesen furchtbaren Krieg unbeschadet zu überleben, sie bangen jedoch um die Sicherheit ihres einzigen Sohnes Leopold. Dorothea wünscht sich nichts sehnlicher, als von ihrer Familie gebraucht und wertgeschätzt zu werden, Paul-Friedrich bringt für ihre Marotten aber immer weniger Geduld und Nachsicht auf. Paul-Friedrichs Sorge gilt vorrangig dem Wohlergehen seines Sohnes Gustav, der sich nach einem mehrwöchigen Heimaturlaub inzwischen wieder an der Front befindet. Aber auch die Aktivitäten seiner Tochter Wilhelmine in München bereiten ihm zunehmend Kummer. Ihre Nähe zur Widerstandsgruppe Weiße Rose und die Freundschaft mit einem der Aktivisten bringen die impulsive junge Frau in allergrößte Gefahr. Paul-Friedrich und seinem besten Freund Wilhelm wird immer mehr bewusst, dass sie sich in absehbarer Zeit entweder für eine Flucht ins Ausland oder aber für den aktiven Widerstand gegen das verhasste Regime der Nationalsozialisten entscheiden müssen.
Der zwölfte Band dieser Reihe schließt nahtlos an den Vorgänger an und thematisiert die innerfamiliären Konflikte auf Gut Falkenbach. Die Aktivitäten der Geschwister Sophie und Hans Scholl, ein vermeintlicher Spitzel innerhalb des engsten Familienkreises, die nicht einschätzbare Figur des Viktor Sander sowie die latente Bedrohung durch den überaus gefährlichen und skrupellosen Hauptsturmführer Alfred Breuer tragen dazu bei, den Spannungsbogen hochzuhalten. Ellin Carsta beleuchtet die Situation auf Gut Falkenbach und die einzelnen Mitglieder der Familien und hat ihre fiktive Geschickte geschickt mit historischen Fakten verwoben. Da mir die Figuren der Handlung nach nunmehr elf Büchern dieser Reihe bereits sehr vertraut sind, bereitete es mir große Freude, deren weitere Entwicklung mitzuverfolgen. Leopolds Frau Irma, ihre Kinder und ihre Eltern haben ebenfalls einen kleinen Gastauftritt in diesem Buch, darüber hinaus gewährt die Autorin auch einige Rückblicke auf vergangene Ereignisse.
Der vorliegende Band hat mich ebenso gefesselt wie dessen Vorgänger. Ellin Carstas Fähigkeit, ihre Leser emotional einzubeziehen und die Entwicklung ihrer Figuren voranzutreiben sorgten auch dieses Mal für spannende und unterhaltsame Lesestunden.
Das optisch sehr ansprechende Buchcover stellt wie gewohnt einen richtigen Blickfang dar, die einheitliche Gestaltung hinsichtlich Schrift und Farbwahl hat für mich mittlerweile Wiedererkennungswert und vermittelt eine gewisse Verbundenheit mit diesem herrschaftlichen Anwesen sowie deren Bewohnern.
FAZIT: Ellin Carsta hat mir mit ihrer aktuellen Neuerscheinung erneut anregende und unterhaltsame Lesestunden bereitet. Es war sehr interessant, die Ereignisse in diesem zwölften Band der Reihe anhand der bildhaften Beschreibungen und der überzeugenden Charaktere mitzuverfolgen. Wie gewohnt zeichnet ein spannender Cliffhanger im Epilog für eine hohe Erwartungshaltung und große Vorfreude auf die Fortsetzung verantwortlich. Ich vergebe für „Die Stunde des Widerstands“ fünf Bewertungssterne und eine uneingeschränkte Leseempfehlung!





Die tausend Farben von Paris
von Catherine Durand
Du lehrst mich, das Leben wieder zu lieben!
„Er nahm sich Zeit, die Farben auf sich wirken zu lassen sie förmlich zu inhalieren, um sie in sich aufzunehmen, sie zu spüren. Paris war für ihn eine Stadt, die stets in ein warmes Rosé getaucht war, bei Tag wie bei Nacht, weil sie ein Gefühl der Wärme verströmte, wie er es noch nirgendwo sonst erfahren hatte. Auf keiner Palette der Welt wäre es möglich, die Farben so zu mischen, dass man Paris darin einfangen und in den Bildern wiedergeben könnte.“
Nach seinem Dienst in der Armee hat Jack King Amerika den Rücken gekehrt und lebt in der Stadt seiner Träume, wo er sich seiner größten Leidenschaft widmet. Als mittelloser Maler kann er zwar seine Kunst nicht verkaufen, ist aber dennoch stets positiv und voller Hoffnungen. Jack liebt die Farben, die Klänge, die Gerüche dieser Stadt, das Lachen der Menschen und die Musik. Paris ist für ihn ein magischer Ort und er gibt alles dafür, dieses Gefühl auf die Leinwand zu bannen. Als er die lebensfrohe Rose Chevalier kennenlernt, verliebt er sich auf den allerersten Blick in die bezaubernde junge Französin mit dem hinreißenden Lächeln. Die junge Studentin aus begütertem Elternhaus erwidert seine Gefühle, doch das Glück des jungen Paares wird vom Auftauchen eines ehemaligen militärischen Vorgesetzten Jacks überschattet, der eine alte Schuld bei ihm einfordert.
„Die tausend Farben von Paris“ ist ein mehr als vierhundert Seiten umfassender Roman, der im Jahre 1952 angesiedelt ist. An der Seite von Catherine Durands Protagonisten durfte ich die Schönheit dieser Stadt sowie all die liebenswerten Bekannten und Freunde von Jack kennenlernen und in die malerische Welt des Künstlerviertels Montmartre eintauchen. Jack wird als zufriedener Mensch dargestellt, der den Zwängen des Alltags zu entfliehen sucht und von seinem Durchbruch als Maler träumt. Sein unbekümmertes Leben findet ein jähes Ende, als der Frieden zwischen Frankreich und Amerika durch ein brisantes Dokument gefährdet ist und ausgerechnet er dazu rekrutiert wird, die Arbeit des Geheimdiensts zu unterstützen.
Mit dem berühmten Chanson-Sänger Frank Levant bringt Catherine Durand eine weitere, äußerst facettenreiche Hauptfigur in die Handlung ein. Der charismatische Showstar des Varietés Lido führt ein Leben auf der Überholspur, er ist überaus beliebt, vermögend und ganz Paris liegt ihm zu Füßen. Frank betrachtet sich selbst aber als Blender, er ist von Selbstzweifeln zerfressen und trotz seiner Berühmtheit ein einsamer Mensch. Einzig im Maler Jack hat der Entertainer einen treuen Freund gefunden, vor dem er seine Ängste und Gefühle nicht verstecken muss. Die Begegnung mit der Blumenhändlerin Amelie Girard stellt Franks Weltbild völlig auf den Kopf, denn die unabhängige Frau lässt sich weder von seinem Vermögen, noch von seinem Ruhm beeindrucken. Doch als Franks Vergangenheit ihn einzuholen droht, muss er nicht nur um sein neues Glück, sondern vielmehr um seine ganze mühsam aufgebaute neue Existenz fürchten.
Den Protagonisten werden interessante Nebenfiguren zur Seite gestellt. Neben bösen, im Hintergrund agierenden Antagonisten bringt die Autorin auch zahlreiche sympathische und liebenswerte Charaktere ins Spiel. Roses Eltern Francine und Arthur Chevalier sind mir im Verlauf der Handlung ebenso ans Herz gewachsen wie Hedwig Schönau, eine alte Dame, die Rose sehr zugetan ist und auf dem Anwesen ihrer verstorbenen Großmutter lebt. Catherine Durands liebevolle Charakterzeichnung beschränkt sich jedoch nicht auf die Hauptfiguren. Ich konnte die beleibte Wirtin Madama Lilou mit ihrer liebenswerten Art und dem herzlichen Lächeln bildhaft vor mir sehen, die den erfolglosen jungen Maler unter ihre Fittiche nahm und kulinarisch verwöhnte. Meine unangefochtene Lieblingsfigur war und ist jedoch Amelie Girard, die mich mit ihrer direkten, offenen und warmherzigen Art voll und ganz in ihren Bann gezogen hat. Amelie ist dankbar für jeden einzelnen Tag, der ihr geschenkt wird und versteht es, ihr Leben zu genießen. Sie findet Freude an kleinen Dingen und zahlreiche beeindruckende Zitate spiegeln ihre klugen Einsichten wider. Amelie liebt die Arbeit mit den fragilen Schönheiten in ihrem Blumenladen, den Menschen mit ihren kreativen Arrangements Freude zu bereiten, macht sie glücklich. In einem Gespräch, das mich besonders beeindruckt hat, sagt sie über ihre wunderbar leichte Art, durchs Leben zu gehen: „Ich glaube, dass das Leben zu kurz ist, um sich mit Menschen zu umgeben, die der Seele nicht guttun. Deshalb spreche ich aus, was ich denke. Die, die damit umgehen können, werden oft gute Freunde. Die anderen verschwinden nach einer kurzen Begegnung aus meinem Leben und können ihr Glück finden, wo meines nicht liegt.“ Welch faszinierende Ansichten einer derart jungen Frau!
Ich möchte abschließend noch auf die anziehende optische Aufmachung dieser broschierten Ausgabe hinweisen, die durch ein gefälliges Cover und eine harmonische Farbgestaltung besticht. In der Abbildung auf dem Umschlag spiegelt sich die malerische Beschreibung der französischen Hauptstadt wider – die zarten Pastellfarben und das verliebte, dem Betrachter abgewandte Paar versinnbildlichen die romantischen Handlungen im Buch. Auf der Innenseite der Klappbroschur findet man eindrucksvolle Zitate dieses Romans, die etwas größere Schrift und die lesefreundlichen Zeilenabstände haben für mich persönlich einen sehr hohen Stellenwert. Die einzelnen Kapitel werden stets von einem aussagekräftigen Zitat einer der Hauptfiguren eingeleitet, auf den jeweiligen Schauplatz der Handlung wird in der Kapitelüberschrift Bezug genommen. Ein elf Seiten umfassendes Nachwort entpuppt sich letztendlich als informative Zusammenfassung historischer Fakten, die Autorin erzählt darüber hinaus ein wenig über die vier Hauptcharaktere Jack, Frank, Rose und Amelie.
FAZIT: „Die tausend Farben von Paris“ hat mich ausgezeichnet unterhalten, der einnehmende Schreibstil der Autorin, die gelungene Charakterzeichnung ihrer Figuren und der auf die Geheimdienstaktivitäten basierende Spannungsbogen machten dieses Buch zu einer Lektüre, die ich nicht mehr aus der Hand legen mochte. Besonders gelungen fand ich die zahlreichen Zitate von Rose und Amelie – die beiden sind mir im Verlauf der Handlung nicht nur durch ihre liebenswerte Art, sondern vielmehr auch durch ihre Einstellung und Weltanschauung ans Herz gewachsen. Montmartre, das Herzstück von Paris, sowie die kleinen Cafés und Läden übten eine ganz besondere Faszination auf mich aus. Dank der bildhaften Beschreibung der Autorin werden mich die Gerüche, die Impressionen und der Zauber von Paris noch eine ganze Weile nach dem Zuschlagen der letzten Buchseite begleiten.
Ich vergebe fünf Bewertungssterne für diese Geschichte, die mir ausnehmend gut gefallen hat!





Der Schutz der Freundschaft
von Ellin Carsta
Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen
In einer Zeit, in der jede kritische Äußerung gegen den Krieg verheerende Folgen hat, fällt es auch dem Patriarchen Paul-Friedrich von Falkenbach zunehmend schwerer, seine selbstbewusste und souveräne Haltung zu bewahren. Dass er nicht dazu in der Lage war, die Einberufung seines Sohnes Gustav zu verhindern, gab ihm das Gefühl, den Herausforderungen nicht länger gewachsen zu sein. Seine Familie zu beschützen war stets sein wichtigstes Anliegen, doch inzwischen erwägt er sogar bereits, Deutschland zu verlassen.
Der elfte Band dieser imposanten Familiensaga um die Familien Falkenbach und Lehmann schildert die Ereignisse des Jahres 1941. Die Bevölkerung leidet zunehmend unter dem Regime Hitlers. Ein Ende dieses Kriegs ist nicht in Sicht, die Angst ist allgegenwärtig und das Denunziantentum hängt wie ein Damoklesschwert über den Köpfen der Menschen.
In der vorliegenden Neuerscheinung „Der Schutz der Freundschaft“ befinden sich Leopold Lehmann und Gustav von Falkenbach an der Front. Wilhelmine hat München den Rücken gekehrt und lebt wieder auf Gut Falkenbach. Ferdinand und Johannes produzieren nach wie vor Waffen für den Führer. Doch nicht nur in Deutschland, auch innerhalb des engsten Familienkreises verschärft sich die Lage zunehmend. Dorotheas Gemütszustand ist ebenso ein Thema wie die fragile Beziehung zwischen Ferdinand und Elisabeth – eine Ehekrise, die im Verlauf der Handlung zu eskalieren droht. Die Autorin spielt gekonnt mit den Emotionen ihrer Leser. Ich konnte die Verzweiflung Ferdinands angesichts dieser festgefahrenen Situation förmlich spüren, zugleich aber auch die Resignation und Wut von Elisabeth nachempfinden.
Das unvermutete Auftauchen eines neuen Arbeitslager-Kommandanten namens Viktor Sander weckt Paul-Friedrichs Argwohn. Der junge Mann agiert zwar besonnen und legt ein sympathisches und aufgeschlossenes Wesen an den Tag, doch niemand weiß, ob man ihm tatsächlich trauen kann. Zu guter Letzt schmiedet ein hochgradig gefährlicher Mann teuflische Pläne gegen Paul-Friedrich und seine Familie. Das ehrgeizige SA-Mitglied Alfred Breuer zeigt nach wie vor übermäßiges Interesse an den Bewohnern von Gut Falkenbach und fungiert als böser Antagonist und latente Bedrohung im Hintergrund.
Die Autorin befasst sich in diesem Band erneut mit den unterschiedlichen Charakteren der beiden Familien, sie beschreibt die Dynamiken innerhalb dieser und versteht es gekonnt, dem Leser die Motivation ihrer Figuren vor Augen zu führen. Die Bedrohung durch die Schergen der Nationalsozialisten und zwischenmenschliche Konflikte sorgen darüber hinaus für spannende Momente. Als begeisterter Fan dieser Buchreihe verfolge ich die Ereignisse auf Gut Falkenbach bereits von Beginn an und freue mich bei jeder Neuerscheinung, die Gedanken und Gefühle der einzelnen Figuren mitzuerleben, über ihre Ängste und Träume zu lesen und letztendlich im Verlauf der einzelnen Bände auch ihre persönlichen Entwicklungen mitzuerleben.
Abschließend möchte ich auf das einnehmende Buchcover eingehen, das durch eine wunderschöne Optik, eine malerische Abbildung eines der edlen Pferde des Gestüts von Gut Falkenbach sowie eine äußerst harmonische farbliche Gestaltung punktet. Ellin Carsta hat ein Händchen für ansprechende Buchcover – Layout, Typographie, Bilder, Farbe und Format sind stets im Einklang, schaffen eine emotionale und themenbezogene Atmosphäre und ergeben ein harmonisches Miteinander. Als uneingeschränkte Verfechterin von Printexemplaren liebe ich nicht nur die Optik, sondern in hohem Maße auch die Haptik eines Buchs, den Geruch frischer Druckerschwärze eingeschlossen. Ein besonderes Highlight und für mich persönlich sehr wichtig sind ein einheitliches Erscheinungsbild sowie ein einheitlicher Stil bei der Gestaltung des Covers, wenn es sich um eine Buchreihe handelt. Die Abbildung des vor einem hölzernen Zaun stehenden Pferdes vor einem der Nebengebäude von Gut Falkenbach, umrahmt von einer Steinmauer und grünen Büschen und Bäumen, nimmt etwas mehr als ein Drittel des Platzes ein, stellt aber nichtsdestotrotz einen absoluten Blickfang dar. Ich bin bei jedem Band von neuem fasziniert von der Detailverliebtheit der Abbildungen der einzelnen Cover und verliere mich beim Betrachten nur allzu gerne in Kleinigkeiten. Der zentrierte dominante Buchtitel ist stets aussagekräftig und bezieht sich dabei auf den Inhalt, er ist auch farblich perfekt abgestimmt und lädt förmlich dazu ein, das Buch zur Hand zu nehmen.
Fazit: Wie gewohnt bescherte mir auch der elfte Teil dieser Buchreihe spannende und unterhaltsame Lesestunden. Ich habe mich gefreut, den mittlerweile vertrauten, sehr gut ausgearbeiteten Charakteren wieder zu begegnen und deren Geschicke mitzuverfolgen. Dem explosiven und Unheil verheißenden Cliffhanger auf den letzten Seiten folgt ein aufwühlender Epilog, der für eine hohe Erwartungshaltung an den zwölften Band dieser Reihe verantwortlich zeichnet.
Ich kann es kaum erwarten zu erfahren, wie Paul-Friedrich von Falkenbach es anstellen wird, seine Familie angesichts der im Cliffhanger angekündigten bedrohlichen Entwicklung zu beschützen und allen Widrigkeiten zum Trotz die Oberhand zu behalten.
Von mir gibt es für „Der Schutz der Freundschaft“ auch diesmal wieder fünf Bewertungssterne - ich freue mich bereits auf Band zwölf dieser Reihe!





Blumen im Schuh
von Annette Spratte
Eine Zerreißprobe des Herzens
Ein ständiges Schwanken zwischen Verzweiflung und Erleichterung: Trauer und Hoffnung, niederschmetternde Angst und neu gewonnene Freiheit. Ein Neubeginn mit achtundvierzig ist hart, aber nicht unmöglich. Und wie oft hat man im Leben schon die Chance, alles auf null zu setzen?
Als Elisabeth Göpfert herausfindet, dass ihr Ehemann sie seit längerer Zeit betrügt, zerbricht ihre mühsam aufrechterhaltene Fassade in tausend Stücke. Aus Angst vor Wolfgangs Jähzorn sucht sie Zuflucht bei ihrer Schwägerin Anja, wo sie mit offenen Armen empfangen wird, sich anfangs aber etwas fehl am Platz fühlt. Denn Anja ist eine unkonventionelle und schrille Persönlichkeit, ein chaotischer Wirbelwind, aber mit einem Herzen aus Gold. Sie akzeptiert jeden Menschen in ihrem Umfeld bedingungslos und steht für sie ein. Anja und ihre liebenswerten Freunde nehmen Elisabeth unter ihre Fittiche und unterstützen sie bei ihrem Kampf um ein neues, selbstbestimmtes Leben.
Ich war bislang von jedem Buch aus der Feder Annette Sprattes begeistert. Ich schätze die hervorragende Charakterzeichnung ihrer Figuren, die stets sehr gut recherchierten historischen Hintergründe, die interessanten Plots und vor allem den einnehmenden Schreibstil der Autorin. Bei „Blumen im Schuh“ handelt es sich diesmal jedoch nicht um einen historischen Roman, ich wurde vielmehr von einer äußerst tiefgründigen Geschichte mit einem sehr emotionalen Thema überrascht. Es war erschütternd zu lesen, wie Wolfgang Göpfert systematisch das Selbstbewusstsein und schließlich sogar die Persönlichkeit seiner Ehefrau vernichtet hat. Zurück blieb eine willenlose Marionette, die dem narzisstischen Zorn dieses selbstherrlichen Despoten ausgeliefert war. Wolfgangs verbale Demütigungen und sein Kontrollwahn bereiteten mir während der Lektüre spürbares Unbehagen.
Es war interessant zu beobachten, wie das Umfeld der Göpferts auf Elisabeths Flucht reagierte. Es stellte sich wie so oft heraus, dass es tatsächlich die Krisen im Leben sind, in denen man wahre Freunde erkennt. Auch für die Protagonistin dieses Buchs zeigt sich wahre Freundschaft erst im Leid. Elisabeth erkennt nach ihrem Auszug, auf wen sie sich in schweren Zeiten verlassen kann, wer unerschütterlich zu ihr steht, und wer sich in der Not abwendet. Nachdem die Autorin mir den narzisstischen Charakter des Protagonisten Wolfgang Göpfert eindringlich vor Augen geführt hatte, fand ich es umso schöner mitzuerleben, wie Elisabeth dank der Unterstützung von Anja und ihrer treuen Freunde aufblüht, immer selbstsicherer wird und allmählich ihre Selbstachtung wiedererlangt.
Das Herzstück dieser Geschichte waren die vortrefflich ausgearbeiteten handelnden Figuren, die mich in ihren Bann zogen, mich zutiefst berührten oder abstießen, zum Nachdenken, Lachen und Weinen brachten. Ich habe bislang selten derart komplexe, interessante und vor allen Dingen in hohem Maße authentische Charakterzeichnungen erlebt. Die vielschichtigen Figuren sind nicht makellos, sie weisen durchwegs auch Fehler und Schwächen auf. Vor allem in Bezug auf ihre drei Protagonisten gewährt die Autorin Einblicke in prägende Ereignisse in deren Vergangenheit, in ihre Träume und Ziele, was sie motiviert, welche Rückschläge sie zu bewältigen hatten und wie sie es allen Umständen zum Trotz schafften, weiterzumachen. Besonders anschaulich dargestellt fand ich das Konfliktverhalten der einzelnen Darsteller, das bereits viel über ihren Charakter aussagte. Zu guter Letzt hat es mir große Freude bereitet, die persönliche Entwicklung einiger Figuren – allen voran natürlich Elisabeth - mitzuverfolgen.
Das an sich heikle Thema dieses Romans und die furchtbaren Auswirkungen des emotionalen Missbrauchs in einer Ehe mit einem Narzissten wurde durch unzählige humorvolle Passagen mit meiner ganz persönlichen Lieblingsfigur Anja aufgelockert. Ich habe ihre quirlige Art, die übersprudelnde Lebensfreude sowie ihre Bemühungen, Elisabeth in ein selbstbestimmtes Leben zurückzuholen, über alle Maßen geliebt und regelrecht in mich aufgesogen. Anjas selbstloses Verhalten und das herzliche Verständnis für ihre völlig aus der Bahn geworfene Schwägerin haben mich sehr berührt. Das Spektrum an Emotionen in dieser Lektüre ist überwältigend. Als Leser geht man innerhalb eines Wimpernschlags vom Weinen zum Lachen über, wofür unter anderem Anjas schrille, unangepasste Art, kombiniert mit ihrer berufsbedingten psychologischen Ausbildung und ihrem unnachahmlichen Humor verantwortlich zeichnet.
Ein weiterer Aspekt, der mich vollständig für sich eingenommen hat, ist die Einbindung des christlichen Glaubens sowie die Beschreibung der inneren Kämpfe und Konflikte der Protagonistin. Elisabeth war stets bemüht, eine gute christliche Ehefrau zu sein, sie nahm ihr Eheversprechen trotz ihres unbeschreiblichen Martyriums ernst. Ihrem christlichen Glauben sowie den gesellschaftlichen Konventionen entsprechend zog sie eine Trennung von ihrem Mann niemals in Erwägung. Doch in einer Ehe mit einem Narzissten gelangt man irgendwann zwangsläufig an einen Punkt, an dem man sich zwischen zwei Optionen entscheiden muss: entweder man entzieht sich seinem Einflussbereich, oder man zerbricht an dieser unheilvollen und menschenunwürdigen Beziehung. Dies wurde in diesem Buch beeindruckend veranschaulicht. Die Autorin beleuchtet zudem auch das Verhalten der Mitglieder von Elisabeths Kirchengemeinde, welches alles andere als christlich ist.
Abschließend möchte ich noch das wunderschöne Coverfoto hervorheben, das mir den alten Bauernhof, der für die Protagonistin Zuflucht und Heimat wird, bildhaft vor Augen führte. Ich habe mich auf den allerersten Blick in dieses malerische, mit Efeu bewachsene, von Blumen und Naturwiesen umgebene Gebäude verliebt, welches so wundervoll zum Zitat auf Seite 145 passt: „Zuhause ist der Ort, an dem du willkommen und geborgen bist.“ Wie wundervoll es doch wäre, für eine gewisse Zeit bei Anja einzuziehen und ebenso wie Elisabeth „einfach nur sein zu dürfen“!
FAZIT: „Blumen im Schuh“ war ein atemberaubendes Lese-Highlight, das mich vollkommen überwältigte. Es war mir schlichtweg unmöglich, diese Lektüre aus der Hand zu legen, es war im wahrsten Sinne eine emotionale Achterbahn der Gefühle. Annette Spratte katapultierte sich mit diesem Roman ganz an die Spitze meiner favorisierten deutschen Autorinnen und ich hoffe voller Vorfreude und Spannung auf weitere Werke wie dieses.
Ich vergebe begeisterte und uneingeschränkte fünf Bewertungssterne für dieses fantastische Buch, das mir ein außergewöhnliches und unglaublich gefühlvolles Leseerlebnis bescherte!









