Kundenrezensionen von Gavroche





Die Queen von Mayfair
von Alex Hay
Schon "Mayfair House" hatte mir gut gefallen und darum war ich neugierig, wie mir dieses Buch gefallen wird.
Und wieder geht es um eine wahnwitzige Geschichte, ein spektakuläres Spiel mit einem hohen Vermögen.
Die Protagonistin Quinn ist eine Gaunerin und sie und ihre Gruppe schlawinern sich regelrecht durchs Leben, immer auf der Suche nach dem nächsten Coup und dem nächsten Opfer. Das ist nun der Duke of Kendall und in gekonnter Verkleidung und einem ausgetüfteltem Plan, der alles andere als gradlinig ist, geht es los. Allerdings bleiben Quinn nur fünf Tage, um ihr Ziel zu erreichen. Aber natürlich läuft nicht alles glatt, Quinn bekommt zwischendrin Gewissensbisse und dann wird sie auf einmal zum Opfer.
Eine rasante Lektüre, eine tolle Gaunerkomödie. Wunderbar geschrieben, sehr unterhaltsam und die Charaktere passen mal so gar nicht in eine Schublade. Und vor meinem Auge entstand sehr anschaulich diese Geschichte aufgrund der detaillierten Beschreibungen.
Auch das zweite Buch von Alex Hay hat mir sehr gut gefallen.





Pina fällt aus
von Vera Zischke
Pina ist die Mutter von Leo. Leo ist Autist, zwanzig Jahre alt und sehr auf seine Mutter fixiert. Doch dann muss Pina ins Krankenhaus, Intensivstation und kann sich nicht um ihren Sohn kümmern. Den wirft das natürlich total aus der Bahn, weil seine täglichen Routinen nicht mehr vorhanden sind und er sich umorientieren muss, was ihm nicht leicht fällt. Aber nach und nach wächst ein neuer Zusammenhalt unter den Hausbewohnern und neue Routinen werden entwickelt und die Menschen rücken näher zusammen. Es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen, eine wunderbare Geschichte für mehr Aufmerksamkeit und Inklusion, für Andersartigkeit und Nächstenliebe.
An manchen Stellen kommt die Geschichte ein wenig märchenhaft und unrealistisch rüber, aber das ist auch in Ordnung, denn es ist ja ein Roman und ich werde hier nicht hinterfragen, wo denn die jeweiligen Kontrollinstanzen bleiben. Denn das würde dem Roman nicht gerecht. Ein Roman, der nachhallt und gut unterhält.





Born of Salt and Storm
von Sophia Reynard
Ich bin ein großer Fan von Wasser und vom Meer und hier hat mich das Cover des Buches schon "magisch" angezogen.
Und die Geschichte hat mir richtig gut gefallen. Die Autorin hat sich viel Mühe mit dem Worldbuilding gegeben, so dass ich mir alles richtig gut vorstellen konnte. Ich mochte die Legenden, die in dieser Welt spielen und die sie mir noch näher gebracht hat. Es ist eine harte Welt, die Armut kennt und das Meer ist oft stürmisch.
Tavi ist eine interessante und vielschichtige Protagonistin, keine, die alles gut kann und die immer alles richtig macht, sondern manchmal ein wenig naiv ist und nicht total überzeugt von sich selbst. Auch der männliche Gegenpart, Eero, wird gut geschildert und bei vielen der Gesprächen musste ich oft grinsen oder auch lachen.
Manche Stellen waren sehr ausführlich in ihren Beschreibungen und die Handlung kam nicht so voran, dafür hat man so die Welt und die Charaktere besser kennenlernen können und ich habe mich dann auch darauf eingelassen.
Ein gelungener Reihenauftakt, die Vorfreude auf die weiteren Bände ist definitiv vorhanden.





Mein zärtlicher Schatten
von Johanna van van Veen
Also vorab mal eine Stellungnahme zu dem wunderschönen und so kunstfertig gestalteten Cover. Nehmt euch auf jeden Fall die Zeit, es genau zu betrachten, hier gibt es viel zu entdecken.
Aber nun zum Inhalt, der ja viel wichtiger ist als ein schönes Cover:
Es fängt schon ein wenig gruselig mit einer Séance an und die Protagonistin Roos trifft dort auf ihren Geist Ruth.
Roos wächst bei einem Medium auf und sie soll diese mit Maman nennen, auch wenn sie eben nicht ihre Mutter ist, aber das verkauft sich halt besser. Roos wird von ihr ausgenutzt und zur Mitarbeit bei ihren Betrügereien gezwungen, auch wenn sie Angst hat. Als sich dann eben auch noch Ruth zeigt, dient Roos auch als Medium. Zu einer der Séancen kommt Agnes Knoop und kauft sie ihrer Ziehmutter ab und dann geht die Geschichte erst richtig los.
Der Roman hat viel von einem klassischen Schauerroman und so manches Mal fragt man sich, ist das nun übersinnlich oder Einbildung? Wie soll ich das auffassen? Und das Ende ist auch außergewöhnlich.
Für einen Jugendroman recht komplex, aber mir hat es im Großen und Ganzen gefallen.





Das White Octopus Hotel
von Alexandra Bell
Ich war sehr gespannt auf diesen Roman, weil schon der Klappentext so besonders klang.
Und es ist ein wirklich origineller Zeitreiseroman. Und ein wenig verwirrend, weil man immer nachvollziehen muss, in welcher Zeit und welcher Ebene man sich befindet. Aber auf eine gute Weise und so kompliziert ist es auch nicht, den Überblick zu behalten.
Die Protagonistin Eve hat schon ihr gesamtes Leben Schuldgefühle und durch die Reise zum White Octopus Hotel verspricht sie sich eine zweite Chance.
Der Roman wird vorrangig aus der Perspektive von Eve erzählt, springt manchmal zu Max und vor allem durch die Zeit.
Eine Reise, auf die ich mich gerne begeben habe und ein Buch mit einer wunderbaren Magie. Schön erzählt und ein Buch, auf das ich mich sehr gerne eingelassen habe, aber mir fällt es schwer, noch weiter auf den Inhalt einzugehen, ohne zu viel zu verraten: Also, begebt euch auf diese Reise, es lohnt sich.





Der Schrein der Könige
von Sabine Weiß
Goldschmied Nicolaus verlässt nach einem schweren Schicksalsschlag mit seinen drei Kindern Louis, Anne und dem kleinen Bastien seine Heimat Verdun, um in Köln einen Schrein für die Gebeine der Heiligen Drei Könige anzufertigen. Angekommen in Köln wird er jedoch nicht bereits freudig erwartet, sondern muss sich den Auftrag erkämpfen. Wichtig ist dabei die Figur des Jilles, ein Geistlicher, der dem Erzbischof direkt unterstellt ist.
Über den Erschaffer des Schreins ist nicht viel mehr als sein Name bekannt, so dass die Autorin hier freie Hand hatte und geschickt Fiktion und historische Fakten miteinander verbunden hat. So hat sie uns auch das alltägliche Leben in Köln an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert näher gebracht, aber auch die Politik des Reiches, Kreuzzüge und die Bedeutung von Reliquien. Und immer wieder auch die Goldschmiedearbeiten.
Lebendige Geschichte und ich habe nun Lust bekommen, mal wieder nach Köln zu fahren, um mir den Schrein - nun mit anderen Augen - anzusehen.
Lediglich am Ende haben sich meiner Meinung nach die Ereignisse überstürzt, hier hätte ich mir anderes gewünscht, aber insgesamt hat mir das Buch gut gefallen und ich habe es gerne gelesen.





Die Rätsel meines Großvaters
von Masateru Konishi
Leider kenne ich den ersten Teil dieses so charmanten Buches nicht, aber ich glaube, das muss ich unbedingt bald ändern. Einiges wird zwar in diesem Buch angesprochen, aber nicht so viel.
Kaede ist bei ihren Großeltern aufgewachsen, die Großmutter ist mittlerweile verstorben und der Großvater ist dement, hat aber noch ausreichend wache Momente, in denen er mit großem Scharfsinn Kriminalfälle löst. Und das Besondere an diesem Buch ist, dass es sich eben um „literarische“ Fälle geht. Besonders gut haben mir die Verweise auf Hitchcock gefallen; da waren es aber vor allem die auf die Verfilmungen, aber es gibt auch Hinweise auf Bücher.
Kaede ist ein liebevoller Charakter; sie macht sich viele Gedanken und achtet die Freundschaft hoch.
Die Fälle betreffen manchmal sie und ihre Freunde, manchmal nicht. Es gibt abgeschlossene Teile, andere sind es nicht.
Ein ganz charmanter, aus meiner Sicht typisch japanischer Erzählstil und Einblicke in den Alltag runden die Geschichte(n) ab.





Die Reise ans Ende der Geschichte
von Kristof Magnusson
Die Welt ist im Umbruch, der Eiserne Vorhang ist gefallen, es gibt nicht mehr die jahrelange Trennung zwischen Ost und West. Und das ist natürlich nicht einfach für einen Doppelspion, denn der alte Feind ist jetzt kein Feind mehr, die Sowjet-Union existiert nicht mehr.
Dieter Germeshausen war nie sonderlich gut als Doppel-Spion, aber dennoch ist er wichtig, denn er ist im Besitz von brisanten Informationen. Gleich zu Beginn befinden wir uns in Kasachstan und Dieter wird vergiftet. Dann gibt es einen Zeitsprung zurück, wir befinden uns in Rom.
Das Buch ist hauptsächlich abwechselnd aus den Perspektiven von Dieter und dem jungen Dichter Jakob Dreiser geschrieben.
Jakob Dreiser freut sich, hinter die Mauern der Botschaft zu schauen, er hat in der Schule Russisch gelernt, ist recht erfolgreich als Dichter und wirkt ein wenig gelangweilt und braucht etwas mehr Pepp in seinem Leben. Und so wird er von Dieter als Spion angeworben.
Eine skurrile Geschichte entwickelt sich im Verlauf des Buches, mit ganz viel 90er Jahre Flair - Mode, Musik, Politik,... - und anfangs hatte ich ganz viele Fragen an das Buch. Ein Buch, das sich abhebt und anders ist, kein klassischer Spionageroman, aber mit vielen "Seitenhieben" auf diese Romane.





Real Americans
von Rachel Khong
Lily Chen arbeitet als unbezahlte Praktikantin in einem Medienunternehmen und trifft auf der Weihnachtsfeier auf Matthew, den Sohn eines superreichen Pharmaunternehmers, der ein ganzes Imperium an Firmen besitzt. Aber ist sie käuflich? Soll sie sich auf ihn einlassen?
Interessanterweise gibt es bereits eine Verbindung zur Familie von Matthew.
Der zweite Teil spielt Jahre später und wird aus Sicht von Nick, Lilys Sohn erzählt. Er ist bei seiner Mutter aufgewachsen, kennt seinen Vater nicht. Nick jobbt auf einer Austernfarm und die Auster auf dem Titelbild kommt immer wieder in dem Roman vor, auch wenn sie dann doch eher eine Nebenrolle spielt.
Lily ist in den USA geboren, ihre Eltern haben ihr kein Chinesisch beigebracht, Nick hat aus anderen Gründen keine Verbindung zu China - um es mal so kryptisch auszudrücken.
Der dritte Teil ist aus einer weiteren Perspektive geschrieben.
Es geht unter Anderem um Genetik, Heimat, Familie und auch ein klein wenig Mystik, die Geschichte (chinesischer) Einwanderer, die USA und so viel mehr.
Mir hat das Buch gut gefallen, die Familiengeschichte steht nicht im Zentrum und wird auch am Ende nicht konsequent zu Ende erzählt. Weitere Themen kann ich schlecht ohne Spoiler nennen.
Der Schreibstil gefiel mir gut und der Roman hat mir so einige Denkanstöße gegeben.





Flut aus schwarzem Stahl
von Anthony Ryan
Ich mag die Bücher von Anthony Ryan sehr und war natürlich sehr gespannt auf die neue Reihe.
Endlich mal wieder ein gutes High Fantasy Buch, mit Anspruch, multiperspektivisch, düster, kriegerisch, abwechslungsreich. So wie ich es von Ryan erwartet habe.
Der dicke Schmöker hat mich gefesselt, auch wenn ich mich natürlich erst in die vier Perspektiven "einlesen" musste, aber das gehört für mich auch dazu. Denn so dauert es bis die Handlung so richtig durchstartet, aber vorher mussten auch meiner Meinung nach die Grundvoraussetzungen geschaffen werden.
Es hilft, wenn man "Der Paria" gelesen hat, denn so kennt man die Welt schon einigermaßen, in der das Buch spielt.
Die vier Protagonisten werden detailreich dargestellt und durch ihre unterschiedlichen Funktionen wird das Buch auch so abwechslungsreich und komplex.
Der Schreibstil gefällt mir wieder sehr und nun bin ich auch so richtig angekommen und freue mich schon auf die Fortsetzungen.









