Am Himmel die Flüsse

Am Himmel die Flüsse

von Elif Shafak

€ 30,00

Hardcover

versand- oder abholbereit in 48 Stunden

Roman
2024 Hanser
592 Seiten
39 mm x 138 mm
Sprache: Deutsch
978-3-446-28008-3

Hauptbeschreibung

Der neue große Roman der Bestseller-Autorin Elif Shafak über die Macht jahrhundertealter Konflikte."Eine einzigartige, mitreißende Stimme der Weltliteratur." Ian McEwan Narin ist neun, als in dem ezidischen Dorf am Tigris Planierraupen auftauchen. Ihre Heimat soll einem Dammbauprojekt der türkischen Regierung weichen. Die Großmutter, fest entschlossen, die Enkelin an einem ungestörten Ort taufen zu lassen, bereitet alles für die Reise ins heilige Lalisch-Tal vor. Kurz vor Aufbruch stößt Narin auf das Grab eines gewissen Arthur - direkt neben dem ihrer Ururgroßmutter Leila. Wer war dieser "König der Abwasserkanäle und Elendsquartiere", der Junge aus dem viktorianischen London, von den Ufern der verschmutzten Themse? Und was hat er mit Narins eigener Vertreibung zu tun? Meisterhaft verwebt Elif Shafak Vergangenheit und Gegenwart zu einem soghaften Roman über sich kreuzende menschliche Schicksale und die Macht jahrhundertealter Konflikte.


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Hardcover
Roman
2024 Hanser
592 Seiten
39 mm x 138 mm
Sprache: Deutsch
Übersetzt von: Michaela Grabinger
978-3-446-28008-3


Weitere verfügbare Ausgaben:

Autor

Elif Shafak ist eine preisgekrönte britisch-türkische Schriftstellerin und Erzählerin und gehört zu den bedeutendsten Autorinnen der Gegenwart. Sie veröffentlichte bisher 21 Bücher, darunter 13 Romane. Ihre Bücher wurden in 58 Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet. "Das Flüstern der Feigenbäume" (2021) stand auf der Shortlist der British Book Awards, des Costa Books Awards, des RSL Ondaatje Prize, des Women's Prize for Fiction, und wurde für den Reese Witherspoon Buchclub ausgewählt. "Unerhörte Stimmen" (2019) schaffte es auf die Shortlist für den Booker Prize und den RSL Ondaatje Prize und wurde Blackwell's Book of the Year. "Die vierzig Geheimnisse der Liebe" (2013) wurde von der BBC zu einer der "100 Novels that Shaped Our World" gewählt. "Der Architekt des Sultans" (2015) wurde in der ersten Ausgabe des Reading Rooms, dem Buchclub der Herzogin von Cornwall, vorgestellt. "Am Himmel die Flüsse" (2024) gewann den Edward Stanford Travel Writing Award 2025 und war nominiert für den Prix Fémina Étranger und den Orwell Prize for Political Fiction. Shafak promovierte in Politikwissenschaften und lehrte an verschiedenen Universitäten in der Türkei, den USA und in Großbritannien, darunter als Honorary Fellow am St. Anne's College der Universität Oxford. Zudem promovierte sie in Humane Letters am Bard College. Shafak ist Fellow und Vizepräsidentin der Royal Society of Literature und wurde von der BBC zu einer der "100 inspirierendsten und einflussreichsten Frauen" gewählt. Ihre Aufritte, u.a. zweimal als Rednerin bei TEDGlobal, machen sie zu einer vielbeachteten und inspirierenden Stimme für Gleichberechtigung sowie Frauen- und LGBTQ+-Rechte. Weltweit trägt sie zu wichtigen Publikationen bei und wurde mit dem Chevalier de l'Ordre des Arts et des Lettres ausgezeichnet. 2017 wählte Politico sie zu einer der zwölf Personen, "die Ihnen das Herz erleichtern werden". Sie ist Jurorin zahlreicher Literaturpreise, z.B. des PEN Nabokov-Preises, und war Vorsitzende des Wellcome Prize. Kürzlich erhielt sie den Halldór Laxness International Literature Prize für ihren bereichernden Beitrag zur Kunst des Geschichtenerzählens. 2024 wurde Shafak mit der British Academy President's Medal für "ihr hervorragendes Werk, das eine unglaubliche interkulturelle Bandbreite zeigt" ausgezeichnet. Online ist sie unter www.elifshafak.com und als Autorin des Newsletters "Unmapped Storylands" zu finden. Michaela Grabinger lebt in München. Zu den von ihr übersetzten Romanen und Sachbüchern zählen Werke von Elif Shafak, Anne Tyler, Meg Wolitzer, Charlotte Wood, Tan Twang Eng, Rebecca Solnit und Ece Temelkuran.

Hersteller: Carl Hanser Verlag GmbH & Co.KG
Kolbergerstr. 22, 81679 München DE
E-Mail: info@hanser.de

Gesellschaftspolitisch sehr wertvoll 2024-11-15 15:22:00
von xx
"Elif Shafak gehört zu einer der bedeutendsten Schriftstellerinnen dieser Zeit" - das bestätige ich. Mir sind bereits einige Romane dieser Schriftstellerin bekannt, meist thematisiert sie gesellschaftspolitische Themen auf einer künstlichen Ebene. So auch hier: dieser Roman gehört definitiv mit viel Herz gelesen in das eigene Bücherregal.

Dieser Roman wird aus der Sicht von drei Protagonisten erzählt. Die Charaktere leben in verschiedenen Ländern, könnten unterschiedlicher nicht aufgewachsen sein, die Vergangenheit und Gegenwart trennt sie voneinander und doch gibt es ein zentrales Element, welches diese verbindet: Wasser ob in der Form von Regen, Flüssen und Meeren.
Das literarische Meisterwerk von Shafak ist es jedoch, zentrale Themen wie Kulturgüter, Religion, Terrorismus, Kolonialismus, usw zu thematisieren und in den Roman einzubetten.

Da ich nicht zu viel Spoilern möchte, höre ich an diesem Punkt mit der Rezension auf und kann nur sagen: dieses Buch beeindruckt mich zutiefst und ist eine klare Leseempfehlung meinerseits.
Ein Roman, der berührt 2024-10-18 20:39:00
Elif Shafak erzählt die Geschichte dreier ganz verschiedener Menschen, deren Leben aber dennoch verwoben sind, auch, aber nicht nur durch einen Regentropfen, der bereits dem assyrischen König Assurbanipal ins Haar gefallen war.

Arthur wird 1840 zwar in bittere Armut geboren aber mit erstaunlichen Fähigkeiten. Schon früh entwickelt er ein großes Interesse für die assyrische Stadt Ninive. 2014 lebt das ezidische Mädchen Narin mit ihrer Großmutter in Hasankeyf, doch ihre Heimat soll einem Staudamm weichen. 2018 treffen wir die Hydrologin Zaleekhah, die jung ihre Eltern verloren hat und bei ihrem Onkel aufwuchs.

Elif Shafaks Roman hat mich schnell gefangengenommen, besonders Arthur und Narin wuchsen mir schnell ans Herz, während das bei Zaleekhah nicht ganz gelang. Arthur ist der einzige, dessen Leben wir von Anfang bis zum Ende miterleben, es ist einzigartig, und hat, wie wir im Anhang erfahren, sogar ein reales Vorbild. Ein Thema des Romans ist Wasser, dem oben genannten Regentropfen werden wir noch öfter begegnen, das alte Mesopotamien, das Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris ist immer wieder Thema, ebenso die Themse und die vielen verborgenen Flüsse, wie es sie nicht nur in London gibt. Ein anderes Thema sind die Eziden und ihr Schicksal, das auch heute noch schlimme Auswirkungen hat. Dies alles ist so gelungen miteinander verbunden wie die Leben der drei Protagonist:innen.

Erzählt wird sehr eingängig, bildhaft und teilweise poetisch. Auch die Charaktere konnte ich mir sehr gut vorstellen, auch wenn nicht alle tiefgängig gezeichnet sind. Der Roman enthält zusätzlich ein paar Illustrationen, die vor allem die antiken Statuen und Texte betreffen. Sehr lesenswert sind auch die Anmerkungen der Autorin.

Am Ende wird man vielleicht manches anders sehen, hat einiges gelernt und ist emotional berührt.

Elif Shafak ist ein Name, den ich mir merken werden. Ihr Roman hat mich sehr berührt und wird lange nachhallen.
Alle Wege führen übers Wasser 2024-09-25 14:25:00
von Kwinsu
Arthur hat ein besonderes Talent - sein Erinnerungsvermögen ist außergewöhnlich, jeder Tag seines Lebens ist ihm geistig präsent. Geboren in Londons Armenvierteln des 19. Jahrhunderts, verschafft ihm seine Gabe im Laufe der Zeit gesellschaftlichen Aufstieg. Alles was er will, ist Ninive zu erforschen, jene Stadt Mesopotamiens, die durch steinerne und tönerne Artefakte der Nachwelt erhalten geblieben ist und dessen gefundene und geborgene Schätze die Aufmerksamkeit der interessierten englischen Bevölkerung auf sich zieht. Arthur kann sich die Keilschrift beibringen und erhält den Auftrag des British Museums hunderte Tontafeln zu enträtseln. Nach einer sensationellen Entdeckung scheint Arthur sein Ziel erreicht zu haben: er wird beauftragt, in sein umträumtes Mesopotamien zu reisen, um dort fehlende Textbausteine zu suchen.

Gut 150 Jahre später entdeckt die neunjährige Jesidin Narin auf einem alten Friedhof am Tigris den Grabstein des Engländers und fragt sich, was es mit diesem "König der Abwasserkanäle und Elendsquartiere" auf sich hat. Wie ist ihr Schicksal miteinander verbunden?

Auch die Hydrologin Zaleekah scheint mit den beiden ein Band zu haben, aber das ist lange nicht ersichtlich. Sie kämpft mit der Trennung von ihrem Mann und mit den Erwartungen ihrer Familie, welche sie scheinbar nicht erfüllen kann. Was alle vereint ist ein einziger Tropfen Wasser.

Elif Shafak schafft in "Am Himmel die Flüsse" einen einfühlsamen und schönsprachigen Roman, der durch die unterschiedlichen Zeiten springt und die drei Handlungsebenen schlussendlich stimmig miteinander vereint. Alle Protagonist:innen werden zeitgenössisch portraitiert, sodass es ein Leichtes ist, sich in deren Situation hineinzuversetzen. Die Sprache Shafaks ist oft tiefgründig und philosophisch, oft regt sie zum Nachdenken an. Einer der vielen Beispiele: "Arthur kommt der Verdacht, dass wir mit dem Wort Kultur das wenige bezeichnen, das wir vor einem Verlust retten konnten, an den sich niemand erinnern will." (S. 423)

Vor allem die Geschichte um Arthur, die am ausführlichsten erzählt wird, hat mich in den Bann gezogen. Spannend ist, dass seine Figur eine reale, historische Person als Vorbild hat, auch weitere Protagonist:innen sind an historische Persönlichkeiten angelehnt, wie uns die Autorin im Nachwort ausführlich wissen lässt. Nichtsdestotrotz hat der Roman seine Längen. Besonders die Geschichte um Narin enthält viele Schilderungen, welche die Jesidische Kultur erklären. Zwar finde ich das grundsätzlich äußerst interessant, hier hat mich die Autorin aber aufgrund des Detailreichtums um den (Aber-)Glauben oft verloren, ich empfand es als irrsinnig langatmig und musste das Buch regelmäßig zur Seite legen. Oft habe ich mich gefragt, weshalb sich die Autorin dazu entschieden hat, drei Charaktere in den Fokus zu nehmen. Besonders Arthur, aber auch Zaleekah hätten einen eigenen Roman verdient, ich hätte gerne noch mehr über sie gewusst. Für dieses Buch hätte ich mir aber manchmal etwas knappere Beschreibungen gewünscht, da etliche Schilderungen für den Fortgang der zusammenhängenden Geschichte nicht unbedingt notwendig gewesen wären und für meinen Geschmack eine gewisse Langatmigkeit geliefert haben.

Die Beobachtungen der unterschiedlichen Kulturen und deren Aufeinandertreffen sind Shafak besonders geglückt und hat mich viel darüber gelehrt. Das Buch ist grundsätzlich sehr lehrreich, neben den Kulturen und der mesopotanischen Geschichte, erfahren die Lesenden auch viel über Wasser und Flüsse und wie der Mensch diese geprägt und/oder versucht hat zu unterdrücken. Im Nachwort erfahren wir, dass die Autorin umfangreich recherchiert hat und setzt das Erzählte somit auf eine fundierte Wissensbasis.

Mein Fazit: Am Himmel die Flüsse ist ein schönsprachiger und gedankenanregender Roman auf drei Erzählebenen, der die drei Schicksale der Protagonist:innen langsam aber stimmig zusammenführt. Ein Stück weit betrachtet er unterschiedliche Kulturen, ist sehr lehrreich und philosophisch, weißt aber durch ab und an auftretenden Detailreichtum auch seine Längen auf. Trotzdem: eine absolute Leseempfehlung!