Komm mit mir

Komm mit mir

von Samuel W. Gailey

€ 26,80

Hardcover

Besorgungstitel, genauer Liefertermin auf Anfrage!

2026 Polar Verlag; TouchPoint Press
380 Seiten
19.5 cm x 13.5 cm
Sprache: Deutsch
978-3-910918-46-7

Hauptbeschreibung

Pastor Cap hat einen Kater. Er verlässt seine Kirche und sieht draußen eine Schar Krähen. Als er versucht, sie zu verscheuchen, entdeckt er, was sie verdecken: eine blutige Leiche. Fünfzehn Tage zuvor bereitet sich die Stadt Walnut Creek auf Ostern vor. Cap ist in seiner ewigen Glaubenskrise gefangen, während seine Teilzeitassistentin Robin versucht, ihren gewalttätigen, alkoholkranken Ehemann davon zu überzeugen, sich um ihrer drei kleinen Kinder willen einen Job zu suchen. Der Sohn von Maggie, die ehrenamtliche Organisatorin der Osterparade ist, leidet in der Mittelschule unter Mobbing. In diese explosive Mischung gerät Tess, eine gehörlose Frau, die vor ihrer Vergangenheit ieht und glaubt, dass sie ihren Problemen nur entkommen kann, wenn sie Selbstmord verübt. Cap rettet sie, kurz bevor ihr Auto in eine Schlucht stürzt, und bietet ihr Unterschlupf in seinem Haus an, während ihr Auto repariert wird. Als er sie fragt, woher sie kommt, schreibt sie „nirgendwo“ auf den Block, den sie zur Kommunikation benutzt. Tess ist bald das Stadtgespräch, löst eine Welle skandalöser Gerüchte aus und bringt das empfindliche Gleichgewicht der Stadtbewohner aus dem Lot. Was die Bewohner für Wahrheit hielten, stellt sich als Lüge heraus. Selbst Cap muss einsehen, dass sein ganzes Leben darauf basiert, den Glauben seiner Eltern weiterzuführen.


Verwandte Suchkategorien

Hardcover
2026 Polar Verlag; TouchPoint Press
380 Seiten
19.5 cm x 13.5 cm
Sprache: Deutsch
Übersetzt von: Andrea Stumpf
978-3-910918-46-7


Weitere verfügbare Ausgaben:

Textauszug

Er machte einen Schritt und ein stechender Schmerz schoss durch seinen Fuß das Bein hoch. Der Boden um die Tür war mit Scherben übersät. Aus dem Schnitt in seiner nackten Fußsohle sickerte Blut. Vor Schreck ließ er beinahe den Kaffeebecher fallen. Er zog die Glasscherbe aus seinem Fuß und bemerkte dabei die vielen gefrorenen roten Spritzer auf dem Beton, die nicht nur von seinem Blut stammen konnten. Vielleicht war es verschütteter Wein. Er trat auf die Veranda und sah zu den Krähen, die sich mit gesträubtem Gefieder ankreischten und wie rasend mit gebogenen Krallen auf Beton und Eis scharrten. Cap blickte auf die Betonstufen, die den Hügel hinunterführten, auf dessen Kuppe sein Haus stand. Insgesamt dreiunddreißig.Die Treppe war viel zu steil, und er nahm sie so gut wie nie, erst recht nicht im Winter, wenn sie vereist war. Auf der Veranda stand ein Sack Salz griffbereit, falls er einmal daran denken sollte, welches zu streuen, aber noch war er verschlossen. Immer noch flatterten und hüpften die Krähen über den Boden und hackten nacheinander. Etwas musste sie reizen. „Macht schon. Haut ab!“, rief er laut. Die Vögel achteten nicht auf ihn, schlugen nur weiter mit den Flügeln. Der Wind fuhr durch seinen Flanellschlafanzug, und gerade als er beschloss, zurück in die warme Küche zu gehen, blitzte zwischen dem wogenden Gefieder kurz etwas auf: ein Schuh. Ein schwarz verschmierter Schuh. Feucht glänzend. „Verdammt.“ Vorsichtig ging er die Stufen hinunter, aus dem Becher in seiner Hand schwappte heißer Kaffee auf seine Brust und seine Beine. Aufsteigende Panik verdrängte den Schmerz und auch den blutenden Schnitt in seiner Fußsohle spürte er nicht mehr. Ein paar Krähen flogen auf, dann noch ein paar und gaben Cap den Blick auf die untere Hälfte eines Körpers frei, der in einer gefrorenen Blutlache im Schnee lag. „O Gott …“ Erst in diesem Moment glitt der Becher aus seiner Hand und das Porzellan zerbarst an der Kante einer Stufe. Durch den Knall aufgeschreckt, stoben auch die übrigen Krähen auf und flohen mit diesem schrecklichen verzweifelten Krächzen in den Himmel über Pennsylvania, der sich augenblicklich verdunkelte.

Hersteller: Polar Verlag
Rippoldsauer Strasse 2, 70372 Stuttgart DE
E-Mail: j.ruckh@polar-verlag.de, Telefon: +4971150556000

Ein Krimi Noir zum Wohlfühlen 2026-05-11 13:08:00
"Komm mit mir" ist für mich der zweite Krimi Noir des US-amerikanischen Autors Samuel W. Gailey. Davor habe ich "Tiefer Winter" gelesen. Außerdem gibt es im Polar-Verlag als erstes übersetztes Werk des Autors "Die Schuld", den ich aber nicht kenne.

Kurz ein paar Worte zum Vergleich mit "Tiefer Winter" für jene, die dieses Buch ebenfalls gelesen haben: zwar spielen beide Krimis in einer ähnlichen Gegend und sogar Danny, der in "Tiefer Winter" eine tragende Rolle hat, kommt in "Komm mit mir" wieder vor, sodass es einige liebenswerte Verknüpfungen zwischen den beiden Büchern gibt, an denen Fans des Autors sich erfreuen können. Doch von der Grundstimmung her ist dieses neue Buch ganz anders. War "Tiefer Winter" wirklich ein Noir, wie er im Buche steht, voll von dunkelster Finsternis, derber Sprache und extremer, in allen Details geschilderter Gewalt, so ist "Komm mit mir" von einer viel helleren, leichteren Atmosphäre geprägt.

Ja, natürlich gibt es ein Leicheln und ein Rätseln um die Hintergründe, sonst wäre es kein Krimi. Und wieder gibt es einen Anspruch, der weit über reine Unterhaltung hinausgeht und ein differenziertes Bild einer ländlichen amerikanischen Gemeinde zeigt, in der niemand so wirklich vom Schicksal verwöhnt wurde. Genau das macht die authentisch gezeichneten Figuren durchaus sympathisch und man kann mit fast allen mitfühlen.

Da gibt es Cap, Sohn eines Priesters und nun selbst Priester, was er eigentlich gar nicht werden wollte, doch ein tragischer Schicksalsschlag hat seinen Weg in diese Richtung gelenkt und nun gibt er sich Mühe, zwar selbst nicht sonderlich gläubig, aber doch mit Menschenliebe und Mitgefühl ausgezeichnet, für seine Gemeindemitglieder da zu sein. Er lebt alleine, bis er im Wald die stumme junge Frau Tess aufsammelt, die bei einem Unfall fast gestorben wäre und vor irgendetwas zu fliehen scheint. Gut befreundet scheint Cap mit Maggie zu sein, die sich mit ihrer eher distanzierten Ehe mit Wade arrangiert hat und deren Sohn Butch mit Pubertät und Außenseitertum kämpft. Immerhin scheint sie es zumindest oberflächlich betrachtet noch besser erwischt zu haben als ihre Schwester Robin, deren Säufergatte arbeitslos noch das letzte Geld durchbringt, gewalttätig ist und die dabei noch unzählige kleine Kinder zu versorgen hat. Und noch weitere Menschen leben im Örtchen Black Walnut, etwa der Sheriff Lester und seine krebskranke Frau Bonnie...

Alle Figuren sind authentisch und in einer Tiefe gezeichnet, wie es für einen Kriminalroman selten ist. Für mich standen beim Lesen die Beziehungen der Menschen und ihre Entwicklung weit mehr im Vordergrund als die Frage, was es nun mit der ganz am Anfang erwähnten Leiche auf sich hat. Dabei war das Buch aber durchgehend unterhaltsam geschrieben und stellt, neben der offensichtlichen Frage nach dem Mord und dem Mörder, viele weitere auf der gesellschaftlichen Ebene: wie kommt es dazu, dass Menschen in sehr schwierigen Lebenssituationen verharren? Und was ist ausschlaggebend dafür, ob und wie sie sich daraus befreien können? Wie werden wir, wer wir sind? Was für Menschen gibt es in Amerika ganz abseits der großen Traums von Reichtum, Glanz und Erfolg?

Wieder ist es Samuel W. Gailey hier gelungen, einen überzeugenden Krimiroman mit anspruchsvoller Tiefe zu schreiben. Viele der von mir erwähnten Merkmale dieses Buches würden auf ein 5-Sterne-Buch hinweisen, und das ist es auch fast. Einen Stern muss ich dennoch abziehen, für ein Ende des Buches, das für mich nicht in allen Punkten passend und schlüssig war, aber dennoch insgesamt ein gelungenes Leseerlebnis nicht geschmälert hat. Empfehlen kann ich das Buch insbesondere auch allen, die Samuel W. Gaileys Werk kennen lernen wollen und mit einem eher sanfteren Krimi zum Wohlfühlen starten möchten, der nicht die Härte und Brutalität hat, die sich etwa durch "Tiefer Winter" zieht.