Die Fletchers von Long Island

Die Fletchers von Long Island

von Taffy Brodesser-Akner

€ 26,80

Hardcover

Sofort verfügbar in Bregenz

Roman - »Ein großer Roman, ein drei Generationen umfassendes, vor absurden Szenen und schillernden Figuren überbordendes Epos« Die Zeit
2025 Eichborn
576 Seiten
40 mm x 145 mm
Sprache: Deutsch
978-3-8479-0211-9

Hauptbeschreibung

"Ein herrlich saftiges Familien-Epos, sehr jüdisch-amerikanisch und dementsprechend überbordend an Details, Fabulierlust und exzentrischen Figuren. Taffy Brodesser-Akner segelt mit lakonischer Distanz zu ihnen, aber nie ohne Liebe und Mitgefühl, mitten hinein ins Auge des Sturms." SÜDDEUTSCHE ZEITUNG1980 im wohlhabenden Long Island: Carl Fletcher wird vor seinem Haus gekidnappt. Kurz darauf, nach Zahlung eines üppigen Lösegelds, wird er freigelassen, und die Familie versucht, den Vorfall hinter sich zu lassen. Doch als sie vierzig Jahre später bei einer Feier wieder zusammentrifft, wird klar, dass die lange zurückliegende Entführung unerwartete Spuren hinterlassen hat - und zwar nicht nur bei Carl, sondern bei der ganzen Familie. Und diese Auswirkungen gestalten sich mal verstörend und mal überaus amüsant!Eine große jüdisch-amerikanische Familiengeschichte, Jahrzehnte umspannend, die sich bereits jetzt wie ein Klassiker liest: sprachlich virtuos, fein beobachtet und sehr, sehr lustig.»Dieses Buch steht Klassikern wie DIE KORREKTUREN und MIDDLESEX in nichts nach.« LOS ANGELES TIMES


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Hardcover
Roman - »Ein großer Roman, ein drei Generationen umfassendes, vor absurden Szenen und schillernden Figuren überbordendes Epos« Die Zeit
2025 Eichborn
576 Seiten
40 mm x 145 mm
Sprache: Deutsch
Übersetzt von: Sophie Zeitz
978-3-8479-0211-9


Weitere verfügbare Ausgaben:

Autor

Taffy Brodesser-Akner schreibt für das NEW YORK TIMES MAGAZINE, für GQ und viele andere Medien und ist Autorin des internationalen Bestsellers FLEISHMAN STECKT IN SCHWIERIGKEITEN, der in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzt wurde. Sie hat außerdem das Drehbuch für die gleichnamige Serie verfasst und war als Producerin tätig. DIE FLETCHERS VON LONG ISLAND ist ihr zweiter Roman. Sophie Zeitz, geboren in Frankfurt am Main, übersetzt amerikanische und englische Literatur, u.a. die Romane von John Green, Raven Leilani und Douglas Stuart, Krimis von Jilliane Hoffman und Klassiker von H. D. Thoreau und Joseph Conrad. Sie wurde mehrfach ausgezeichnet und lebt in Berlin.

Hersteller: Bastei Lübbe AG
Schanzenstr. 6-20, 51063 Köln DE
E-Mail: produktsicherheit@bastei-luebbe.de

Intensiver Roman mit Längen 2025-05-23 12:16:00
1980 wird Carl Fletcher vor seinem Haus auf Long Island entführt. Die Familie zahlt das Lösegeld, Carl kehrt unversehrt zurück – aber das bedeutet nicht, dass sie als Familie unversehrt bleiben. Stattdessen wird einfach so getan, als wäre nichts passiert. Ein Satz, der immer wieder im Buch fällt, lautet: „Das ist nur deinem Körper passiert. Es ist nicht dir passiert.“ Und genau das beschreibt treffend, wie die Familie mit dem Trauma umgeht. 40 Jahre später wird jedoch deutlich, dass die Entführung tiefgreifende Spuren hinterlassen hat – nicht nur bei Carl, sondern bei allen Fletchers.

In "Die Fletchers von Long Island" (Ü: Sophie Zeitz) nimmt uns Taffy Brodesser-Akner mit in das Leben dieser Familie. Der Fokus liegt auf Carls drei Kindern – Beamer, Nathan und Jenny – die längst erwachsen sind, aber deren Leben alles andere als stabil verläuft. Beamer, ein gescheiterter Drehbuchautor, der ständig die Entführung seines Vaters in seine Geschichten einfließen lässt. Nathan, ein übervorsichtiger Anwalt, der sich mit einer Flut von Versicherungen gegen alles absichern will. Und Jennifer, einst als Wunderkind gefeiert, die als Erwachsene völlig ziellos durchs Leben driftet.

Brodesser-Akner hat einen herrlich bissigen Schreibstil, der oft tragikomisch ist und mit schwarzem Humor glänzt. Besonders gut gefallen hat mir, wie sie die drei Kinder in all ihrer Exzentrik und mit ihren Eigenheiten detailliert darstellt. Beamer, Nathan und Jennifer sind nicht unbedingt sympathisch, aber das war auch nicht beabsichtigt. Sie sind komplexe, teils stark überzeichnete Charaktere, die einen tiefen Einblick in die Auswirkungen von Reichtum und Trauma geben.

Der Roman ist eine tiefgründige, humorvolle Geschichte über Familie, den „Fluch“ des Wohlstands und die Konsequenzen, die extrem privilegiertes Aufwachsen hinterlassen kann. Es geht um soziale Ungleichheit, Aufwachsen im Reichtum und die Frage, warum Geld oft keine Lösung für die wirklichen Probleme ist.

Mit fast 600 Seiten ist es ein Wälzer, der stellenweise langatmig ist. Hier hätte ich mir ein paar Kürzungen gewünscht, besonders bei Beamers Drogenexzessen.
Eine nicht einfache Familie 2025-05-21 19:45:00
1980 wird Carl Fletcher vor seinem Haus entführt, er kommt zwar, gegen eine Lösegeldzahlung, nach einigen Tagen wieder frei, doch die Entführung wirkt sich sein ganzes Leben lang auf ihn und seine Familie aus. Etwa 40 Jahre später trifft man die Fletchers wieder und erfährt, wie es ihnen nun geht.

Es geht ihnen nicht gut, so viel kann ich schon sagen. Ich finde die Erzählweise interessant, zunächst erfährt man nacheinander das Leben der drei Kinder, später auch das der Ehefrau, und schließlich sogar mehr über Carls Empfinden. So kommt man jedem dieser Familienmitglieder nahe, kann ihr Wesen nachvollziehen. Was man da liest, ist nicht immer schön, teilweise sehr heftig. Die Autorin nimmt da auch kein Blatt vor den Mund, weder bezüglich der Ereignisse noch der Worte, die sie benutzt.

Zunächst noch ein Wort zur Familie Fletcher: Großvater Zelig ist seinerzeit vor den Nationalsozialisten in die USA geflüchtet und hat dort ein Unternehmen aufgebaut, das die Familie sehr reich machte. Ein bisschen nimmt der Roman auch das jüdische-amerikanische Leben auf die Schippe, zum Beispiel, wenn sich alle Frauen die selbe Nase machen lassen. Überhaupt scheint immer wieder, vor allem schwarzer, Humor auf, so dass der Roman bei aller Tragik auch unterhaltsam ist.

Vieles, was der Familie geschieht, scheint mehr oder weniger überzogen, vieles sah ich auch so nicht kommen. Die Familienmitglieder und auch einige Bekannte wirken ebenfalls teilweise überzogen, so dass man eben nicht alles ganz ernst nehmen kann, womöglich hätte man sonst mehr mitleiden müssen, so ergab sich, zumindest für mich, eine gewisse Distanz.

Zunächst begegnet man Bernard, Beamer genannt, dem mittleren Kind, dem jüngeren Sohn, der, zunächst zusammen mit einem Freund Drehbücher schreibt, eine Nichtjüdin geheiratet hat, die zudem noch deutschstämmig ist. Beamers Geschichte empfand ich persönlich als am heftigsten. Nathan, der Älteste, hat viele Phobien und tut sich in seinem Job als Anwalt schwer. Jennifer war zur Zeit der Entführung ihres Vaters noch nicht geboren, sie ist sehr intelligent, weiß dies aber nicht zu nutzen und scheint mit ihrem Leben überfordert. Und dann ereilt die Familie auch noch eine Katastrophe.

Die Erzählerin durchbricht hin und wieder die vierte Wand, stellt den Leser:innen schon mal eine Frage, und lässt durchblicken, sie würde die Geschichte der Fletchers aus erster Hand kennen, vor allem gegen Ende wertet sie auch. Das bringt einen zusätzlich zum Nachdenken.

Ich denke, der Roman wird polarisieren, nicht jedem gefallen. Ich mag ihn, und habe Lust bekommen, mehr von der Autorin zu lesen. Ich mag aber auch Familiengeschichten, die es in sich haben, diese hat es auf jeden Fall, und Romane, die auf gewisse Weise herausfordernd sind. Auch wenn ich eine gewisse Distanz zur Familie entwickelt hatte, erzeugte ihr Schicksal bei mir doch Emotionen. Wahrscheinlich werde ich noch öfter an die Fletchers zurückdenken, und froh sein, keine von ihnen zu sein.
vererbtes Trauma 2025-05-18 16:55:00
Den Einstieg in die Geschichte rund um Carls Entführung und die Familienverhältnisse fand ich ein bisschen undurchsichtig. Generell bin ich aus Carl und seinem Zustand nicht so wirklich schlau geworden. Oder ich hab es in dem Wust aus Verstrickungen und Konsequenzen überlesen. Ich hab bestimmt gute 150 Seiten gebraucht, um so richtig in der Geschichte anzukommen.

Als es dann um die Kinder der Flechters, ihre Werdegänge und Leben, die sie glorreich, jeder für sich, an die Wand fahren, ging, war ich dann aber doch angefixt. Vor allem Beamer- süchtig, wahnhaft, manisch- da war ich richtig gefesselt und tief drin in der Story. Ich mag diese Art auf Abwege geratene Existenzen, denen die Welt offen stand, die aber trotz allem nicht genug ist und niemals genug sein wird.

Generell hatte dieses Buch Eoin Buch Seiten zu viel für mein Empfinden und schafft den passenden Absprung nicht. Zum Schluss hats mich ähnlich wie schon zu Anfang, einfach nicht halten können. Ich glaube allein der Mittelteil wäre für mich ein absolut grandioses Buch gewesen, diese fast schon unwirkliche Charakterstudio verkrachter Seelen. Ich seh natürlich ein, dass diese Geschichte einen Rahmen brauchte, aber der hats mir echt schwer gemacht und für mich das Buch künstlich in die Länge gezogen.

Ansonsten hat das Buch einen durchaus hohen Unterhaltungswert mit angenehmer Tiefe. Die Geschichte ist facettenreich erzählt und hat mir unterm Strich gut gefallen.