Das Haus der Türen

Das Haus der Türen

von Tan Twan Eng

€ 25,70

Hardcover

Sofort verfügbar in Höchst

Roman | Longlist The Booker Prize 2023
2025 DuMont Buchverlag
352 Seiten
Gebunden mit Schutzumschlag, Glanzlack und Lesebändchen
30 mm x 152 mm
Sprache: Deutsch
978-3-7558-0018-7

Hauptbeschreibung

Malaysia 1921: Lesley Hamlyn lebt das äußerlich angenehme und gleichförmige Leben einer Frau der britischen Kolonialgesellschaft. Mit dem Eintreffen von Willie Somerset Maugham, einem alten Freund ihres Ehemanns Robert, kehrt Lebendigkeit in das Haus zurück und Erlebnisse der Vergangenheit drängen an die Oberfläche. Somerset Maugham ist zu diesem Zeitpunkt ein berühmter Schriftsteller, jedoch getrieben von Sorgen und Ängsten. Je stärker sich Lesley und er anfreunden, desto mehr Geheimnisse vertraut sie ihm an: ihre frühere Unterstützung politischer Rebellen, die das alte China beenden wollten, ihre Affäre mit einem chinesischen Mann, der Niedergang ihrer Ehe. Am Beispiel einer Freundin begreift Lesley, wie aussichtslos ihre Liebe ist und wie verheerend die Folgen für sie wären: ohne finanzielle Mittel, gesellschaftlich geächtet, würde sie ohne ihre Kinder leben müssen. Wie Somerset Maugham muss auch sie ihr wahres Ich verbergen und ihre unglückliche Ehe ertragen. Trost findet sie einzig in dem Gedanken, sie könne ihren Geliebten eines Tages wiedersehen. Doch Robert hat längst beschlossen, diesen Teil der Welt zu verlassen und nach Südafrika zu ziehen.


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Hardcover
Roman | Longlist The Booker Prize 2023
2025 DuMont Buchverlag
352 Seiten
Gebunden mit Schutzumschlag, Glanzlack und Lesebändchen
30 mm x 152 mm
Sprache: Deutsch
Übersetzt von: Michaela Grabinger
978-3-7558-0018-7


Weitere verfügbare Ausgaben:

Autor

TAN TWAN ENG, 1970 in Malaysia geboren, hat in England Jura studiert und lange als Anwalt gearbeitet. All seine drei Romane standen auf der Longlist bzw. Shortlist des Booker Prize. Sein Roman 'Das Haus der Türen' erschien 2025 bei DuMont. Tan Twan Eng lebt in Malaysia und in Südafrika. MICHAELA GRABINGER studierte Germanistik, Philosophie und Psychologie. Sie lebt in München. Zu den von ihr übersetzten Romanen und Sachbüchern zählen Werke von Anne Tyler, Elif Shafak, Joy Fielding, Michael Crichton, P.D. James, Tan Twan Eng, David Graeber und Alain de Botton.

Hersteller: DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG
Amsterdamer Straße 192, 50735 Köln DE
E-Mail: herstellung@dumont.de

Geschichte in doppelten Sinne 2025-06-02 10:24:00
von Morten
Eine kleine Kritik habe ich an „Das Haus der Türen“. Der Umgang der Kolonialmacht mit der Bevölkerung, mit den Angestellten, wird nicht bewertet, eingeordnet. Aber das wäre vielleicht auch zu viel verlangt, wird der Roman doch aus Sicht der britischen Oberschicht in Penang erzählt. Dennoch: Eine leise kritische Stimme, ein Hinterfragen des eigenen Handelns, wäre vielleicht aus heutiger Sicht die Kirsche auf der Torte gewesen.

Tan Twan Eng erzählt die Geschichte von Lesley Hamlin in den frühen 1920er-Jahren auf einer Insel in Malaysia. Damals noch die Federated Malay States bzw. Straits Settlements. Dort trifft die Anwaltsgattin auf einen Freund ihres Manns Robert, den Autor William Somerset Maugham. Und erzählt ihm ihre Erlebnisse mit der chinesischen Revolution von Sun Yat-sen sowie dem Prozess ihrer Freundin Ethel Proudlock.

Der Autor taucht dabei ganz behutsam und bedächtig in die Geschichte Englands, Malaysias und Chinas ein. Schreibt über Treue und Untreue – zwei Themen, die in Maughams Geschichten häufiger vorkommen. Über mehr oder weniger geheim gehaltene Homosexualität. Über demokratische Umbrüche. Über die Rolle der Frau. Und natürlich über die Liebe.

Das Besondere: „Das Haus der Türen“ ist kein rein fiktionaler Roman. Viele Figuren – von Maugham über Sun Yat-sen bis Ethel Proudlock – gab es wirklich. Ethel wurde wirklich dem Mord an William Steward beschuldigt, Sun Yat-sen war nach der erfolgreichen Revolution der erste Präsident Chinas, Maugham war mit seinem Geliebten auf Penang und hat über die Erlebnisse Bücher geschrieben.

So ist Tan Twan Engs Roman Geschichte im doppelten Sinne, ein semifiktionaler Historienroman, sprachlich wundervoll erzählt und übersetzt von Michaela Grabinger und ein tolles Buch für einerseits Fans der britischen Geschichte als auch die von asiatischer Literatur. Und dank doch halbwegs überraschender Plottwists
und verschiedenen Handlungssträngen jederzeit unterhaltsam.

Was jetzt noch fehlt: eine Neuübersetzung von William Somersets Maughams „Der Kasuarinenbaum“. Denn in dieser Kurzgeschichtensammlung schildert der Autor seine Erlebnisse rund um das Leben in Penang zwischen 1910 und 1921. Und das wäre doch die perfekte Anschlusslektüre.
Zwischen Türen und Tabus 2025-05-21 11:11:00
Als jemand, der asiatische Literatur sehr schätzt, war Das Haus der Türen von Tan Twan Eng für mich eine rundum gelungene Lektüre. Der Roman überzeugt mit einer durchdachten Struktur, vielschichtigen Figuren und einer Sprache, die ruhig und atmosphärisch ist, ohne je ins Pathetische zu kippen. Wirklich gut!
Die Handlung spielt vor der Kulisse des kolonialen Malaysia der 1920er Jahre. In den Mittelpunkt stellt der Autor Lesley Hamlyn, eine Frau der britischen Kolonialgesellschaft, deren Leben durch den Besuch des bekannten Schriftstellers W. Somerset Maugham eine unerwartete Wendung nimmt. Zwischen ihr und Maugham entsteht ein vorsichtiges Vertrauensverhältnis, in dem sie beginnt, über persönliche Erlebnisse und ihre Vergangenheit zu sprechen – darunter eine Beziehung die etwas heikel ist sowie eine Verwicklung in einen Mordfall (der wohl auf realen historischen Ereignissen basiert).
Tan Twan Eng gelingt es, historische Fakten, politische Umbrüche und persönliche Schicksale sehr präzise miteinander zu verknüpfen. Besonders interessant fand ich, wie das koloniale Machtgefüge, gesellschaftliche Rollenbilder und die eingeschränkten Handlungsspielräume von Frauen thematisiert werden. Geschichtlich spannend für mich.
Auch stilistisch hat der Roman überzeugt: Die Sprache ist klar, stellenweise poetisch, aber nie überladen. Die Beschreibungen der tropischen Landschaft, des Lichts, der Geräusche – all das schafft eine stimmige Atmosphäre, die sich gut mit der inneren Welt der Figuren verbindet. WOW! Lesley ist keine idealisierte Figur, sondern glaubwürdig gezeichnet – mit inneren Widersprüchen, Unsicherheiten und leisen Formen von Widerstand.
Erwähnenswert ist auch der literarische Kunstgriff, Somerset Maugham als Figur einzubauen. Er bleibt distanziert, aber aufmerksam, und dient gewissermaßen als Katalysator für die Erzählung – auch das sehr gelungen umgesetzt.
Nicht alle Handlungsstränge fand ich gleich spannend, manche Themen hätten für meinen Geschmack etwas gestraffter sein können. Dennoch überwiegt am Ende ein sehr positives Gesamtbild: ein Roman mit Tiefe, guter Beobachtungsgabe und einer historischen wie emotional glaubwürdigen Erzählweise.
Fazit: Das Haus der Türen ist ein ruhiger, intelligenter Roman mit gesellschaftlichem und politischem Hintergrund, gut eingebettet in eine persönliche Geschichte. Für Leserinnen und Leser mit Interesse an südostasiatischer Geschichte, britischer Kolonialzeit und fein erzählten Figurenbeziehungen absolut empfehlenswert.
Uneingeschränkte Empfehlung.
Hinter den Türen 2025-04-30 02:13:00
von Ruth
Der malaysische Autor Tan Twan Eng, dessen drei Romane allesamt für den Booker Prize nominiert waren, hat mich schon mit seinem zweiten Roman „ Der Garten der Abendnebel“ überzeugt.
Und William Somerset Maughams Erzählungen und Romane habe ich vor vielen Jahren verschlungen. Zwei Gründe, die mich zu diesem Buch greifen ließen.
Der britische Schriftsteller William Somerset Maugham zählt mit seinen Theaterstücken, Erzählungen und Romanen zu den berühmtesten und erfolgreichsten Schriftsteller seiner Zeit. In diesem Roman wird er nun selbst zum Protagonisten.
Als er im Jahr 1921 mit seinem Sekretär und Geliebten Gerald Haxton auf der malaiischen Insel Penang ankommt, befindet er sich in einer tiefen Krise. Eine Fehlinvestition hat ihn sein ganzes Vermögen gekostet und seine Frau in London droht mit Scheidung. Diese Probleme wirken sich auf seine Kreativität aus. Er hofft auf ein paar entspannte Tage im Hause seiner Gastgeber, den Hamlyns. Robert ist ein alter Freund aus Londoner Tagen, der hier als Anwalt arbeitet und mit der wesentlich jüngeren Lesley verheiratet ist. Die ist anfangs wenig angetan von dem homosexuellen Paar, bedauert Maughams Ehefrau, die sie in einer Scheinehe gefangen wähnt. Und der Schriftsteller sieht in ihr nur eine „ von vielen unglücklich verheirateten Frauen in den Tropen“, die unzufrieden ist von ihrem oberflächlichen und gelangweilten Alltag. Doch langsam vergessen beide ihre Vorurteile und Lesley findet in Willie, wie ihn seine Freunde nennen, einen aufmerksamen Zuhörer. Wohl mit dem Hintergedanken, Stoff für sein Schreiben zu finden. Viele Abende sitzen sie gemeinsam auf der Terrasse und Lesley geht in ihren Erzählungen zurück in das für sie bedeutsame Jahr 1910, in jenes Jahr, als Dr. Sun Yat-Sen in Penang für seine politische Bewegung Geld und Unterstützer sucht und ihre Freundin Ethel Proudlock wegen Mordes vor Gericht steht.
Lesley ist nicht nur fasziniert von dem chinesischen Revolutionär, der den Kaiser stürzen und aus China eine Republik machen will. Sie arbeitet mit in dieser Bewegung, ungewöhnlich für eine weiße Frau aus ihrer Klasse. Dabei lernt sie einen Mitstreiter Sun Yat-Sens kennen und lieben. Beide treffen sich heimlich in jenem titelgebenden „ Haus der Türen“, hier fühlt sie sich lebendig und begehrenswert, anders als in ihrer unglücklichen Ehe.
Zur gleichen Zeit verfolgt sie den Prozess gegen ihre Freundin, der vorgeworfen wird, einen zudringlichen Vergewaltiger erschossen zu haben.
Dieser Mordfall ist historisch verbürgt und Maugham wird ihn in seiner Erzählung „ Der Brief“ literarisch verewigen.
Tan Twan Eng greift also in seinem Roman auf historische Figuren und Fakten zurück und verknüpft diese gekonnt mit einer fiktiven Geschichte. Dabei wechseln die Erzählstimmen, einmal ist es Lesley, die zu Wort kommt, dann wieder„ Willie“.
Zu den beiden Zeitebenen kommt mit der Rahmenhandlung, die im Jahr 1947 angesiedelt ist, eine dritte hinzu. Dass der Leser dabei trotzdem nicht den Überblick verliert, ist der Erzählkunst des Autors zu verdanken. Souverän verknüpft er die verschiedenen Zeit - und Handlungsebenen.
Es sind im Grunde drei Geschichten, die er uns hier erzählt. Zum einen die des Schriftstellers in einer Schaffenskrise, dann die Lebens- und Liebesgeschichte einer Frau und dazu ein packendes Gerichtsdrama. Das alles vor dem gesellschaftlichen und politischen Hintergrund Malaysias.
Bildgewaltig und ungeheuer lebendig erzählt der Autor von der kolonialen Vergangenheit seiner Heimat, von den Spannungen zwischen den Kulturen. Hier die weiße Oberschicht mit ihrem gesellschaftlichen Leben, mit ihren Regeln und Gesetzen, ihren Privilegien und ihrer Doppelmoral. Daneben die einheimische Bevölkerung, die sich wiederum aus verschiedenen Ethnien und Klassen zusammensetzt. Landschaft und Vegetation werden in stimmungsvollen Bildern heraufbeschworen .
Der Erzählton ist ruhig und melancholisch, das Tempo langsam. Es geht dem Autor weniger um Effekte, als um die subtile Beschreibung von Menschen und ihren Motiven. Jeder hat hier seine Geheimnisse, die es zu verbergen gilt. Spannung kommt erst im letzten Drittel auf, was ich aber keineswegs als Manko empfunden habe. Dafür ist die Sprache zu schön und die Geschichten und das Setting zu faszinierend. William Somerset Maugham hätte seine Freude an dem Roman gehabt.
Ich empfehle nach der Lektüre zu Maughams Erzählung „ Der Brief“ zu greifen.