Die Gräfin
von Irma Nelles
€ 20,60
Hardcover
versand- oder abholbereit in 48 Stunden
Roman
2024 hanserblau
176 Seiten
20 mm x 134 mm
Sprache: Deutsch
978-3-446-28149-3
Hauptbeschreibung
Ein atmosphärischer Roman über eine Gräfin auf der Hallig, deren Welt durch den Absturz eines Piloten ins Wanken gerätDie Begegnung mit einem feindlichen Piloten, der 1944 vor der Hallig Südfall abstürzt, löst in der dort zurückgezogen lebenden, achtzigjährigen »Hallig-Gräfin« verzweiflungsvoll-ambivalente Gefühle aus. Zwischen den beiden entsteht allen Widerständen zum Trotz ein zerbrechliches Band. Atmosphärisch und voll untergründiger Spannung erzählt Irma Nelles in ihrem späten Romandebüt die Geschichte der historisch verbrieften Gräfin, um die sich heute noch Mythen und Geheimnisse ranken.
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Hardcover
Roman
2024 hanserblau
176 Seiten
20 mm x 134 mm
Sprache: Deutsch
978-3-446-28149-3
Weitere verfügbare Ausgaben:
Autor
Irma Nelles (1946-2024) wuchs auf der Insel Nordstrand auf und arbeitete nach ihrer Ausbildung zur Grundschullehrerin zunächst in der Leserbrief-Redaktion des Spiegels, später als Redakteurin im Büro von Rudolf Augstein. Von dieser Zeit handelt das Memoir "Der Herausgeber. Erinnerungen an Rudolf Augstein". Den Roman "Die Gräfin" schrieb sie im Alter von 78 Jahren. Viele der im Roman handelnden Personen hatte sie selbst erlebt, andere kannte sie aus Erzählungen - wie die Hallig-Gräfin, mit deren Geschichte sie aufgewachsen war.
Hersteller: Carl Hanser Verlag GmbH & Co.KG
Kolbergerstr. 22, 81679 München DE
E-Mail: info@hanser.de




Geschichte über eine couragierte Frau
2024-10-23 18:50:00
Diana Henriette Adelaide Charlotte Gräfin von Reventlow-Criminil lebt seit 30 Jahren an der nordfriesischen Küste. Die Sommer verbringt sie regelmäßig auf der kleinen Hallig Südfall. Sie ist bereits über 80 Jahre alt und führt seit langem ein Leben in Abgeschiedenheit und fern des glanzvollen Hochadels. Die Hallig-Gräfin, wie sie von den Bewohnern der Nachbarinseln genannt wird, beschäftigt auf ihrem Anwesen seit 8 Jahren Haustochter Meta und Knut Maschmann, der seit über 20 Jahren für sie als Kutscher und Faktotum tätig ist. Als sie im Spätsommer 1944 auf einer Sandbank ein kleines Flugzeug entdeckt, das dem Anschein nach abgestürzt ist, rettet sie den Piloten aus dem Cockpit und versteckt ihn. Es handelt sich um einen Engländer, der in ihrem Haus seine Verletzungen auskurieren wird. Niemand außer ihr und den wenigen eingeweihten Personen darf wissen, dass die Gräfin den Feind versteckt.
Die Geschichte, die einen Zeitraum von nur 6 Tagen umfasst, ist in klarer Sprache - teils in plattdeutsch - erzählt, sie basiert auf wahren Begebenheiten. Die Autorin wuchs in der Nähe der Hallig Südfall auf, sie kannte viele Personen selbst und wusste um die Mythen, die sich um die Gräfin ranken. Das karge Leben auf der Hallig in Kriegszeiten und die Naturgewalten hat Irma Nelles sehr atmosphärisch und faszinierend beschrieben. Man spürt ihre Liebe zu der ihr vertrauten Region.
Die zentrale Figur des Romans ist die charakterstarke und mutige Gräfin, die von der Autorin sehr authentisch dargestellt wird. Die Gräfin war für die damalige Zeit eine äußerst beherzte Frau, die sich schon früh gegen die Ehe entschied und ein selbstbestimmtes Leben führte. Ich hatte Hochachtung vor der eigenwilligen Adeligen, die früh von den nationalsozialistischen Plänen wusste und immer wieder ihr Leben riskierte, um Verfolgten zur Flucht zu verhelfen. Die interessanten Nebenfiguren, der Pilot John, Meta und Knut sowie das Ärzteehepaar Braak sind gut gezeichnet. Ich fand die Geschichte, die mir im Großen und Ganzen gefallen hat, nicht gerade spannend. Die ausführlichen Schilderungen aus der Vergangenheit der Gräfin empfand ich häufig als etwas zäh und eher langweilig. Im Gegensatz hierzu hätte ich mir gewünscht, mehr aus Johns Leben zu erfahren. Der Roman endet leider ziemlich abrupt, viele Fragen bleiben offen.
Meine Erwartungen an das Buch sind leider nicht erfüllt worden. Am besten haben mir die schönen und faszinierenden Natur- und Landschaftsbeschreibungen gefallen, die Handlung hingegen hat mich - auch wegen der recht sachlichen Erzählweise und des Fehlens jeglicher Emotionen - nicht überzeugen können.




Schade!
2024-09-19 21:49:00
Sie greift darin eine Episode aus dem Leben der Gräfin Diana von Reventlow-Criminil auf. Diese Frau hat es tatsächlich gegeben. Unter dem Namen „ Hallig-Gräfin“ kennt man sie auch heute noch in Nordfriesland.
Diana, Tochter eines adeligen Gutsbesitzers und seiner schottischen Ehefrau, war eine schöne und eigenwillige Persönlichkeit. Sie blieb zeitlebens unverheiratet, obwohl es nicht an Bewerbern gemangelt hat. Doch ihre Unabhängigkeit war ihr wichtiger. 1910 erwirbt sie die Hallig Südfall und lebt dort die Sommer über einzig mit ein paar wenig Bediensteten und ihren Tieren.
Der Roman setzt ein im Sommer 1944; die Gräfin ist mittlerweile eine Dame über Achtzig. Außer ihr leben auf der Hallig noch die junge Haustochter Meta und der Kutscher Maschmann , der sich als „ Mädchen für alles“ um den Gutshof kümmert.
Da findet eines Tages die Gräfin einen englischen Piloten im Watt, der mit seinem Flugzeug vor der Hallig abgestürzt ist. Gemeinsam mit Maschmann bringt sie den Verletzten in ihr Haus. Meta kümmert sich um den den jungen Mann. Anderntags zieht man noch einen befreundeten Arzt hinzu, der ihn medizinisch versorgt.
Das alles ist nicht ungefährlich für sämtliche Beteiligten. Denn der Absturz hätte gemeldet , der feindliche Flieger ausgeliefert werden müssen. Doch die Gräfin kümmert sich schon lange nicht mehr um das Gerede der Leute. Aus ihrer ablehnenden Haltung dem Nationalsozialismus gegenüber macht sie keinen Hehl. Um sich herum geschart hat sie Menschen mit einer ähnlich kritischen Einstellung. Aus Andeutungen erfährt man, dass sie gemeinsam mit anderen Verfolgten zur Flucht aus Nazi- Deutschland verhilft.
Eine spannende Ausgangslage. Wie geht es weiter mit dem verletzten Piloten? Und kann man dem „ Feind“ überhaupt trauen? Was hat den Absturz herbeigeführt.
Aus dieser historisch verbrieften Situation - die Gräfin soll tatsächlich einem über dem Watt abgeschossenen Piloten mehrere Wochen bei sich versteckt gehalten haben - hätte ein spannender Roman werden können. Doch die Autorin verschenkt leider diese Chance.
Es gelingen ihr zwar sehr schöne Beschreibungen von Landschaft und Natur. Die sind sinnlich, bildgewaltig und poetisch. So wird die Atmosphäre, die das Cover verspricht, sehr gut getroffen.
Überzeugend dargestellt wird auch die Gefühlsverwirrung, die die Ankunft dieses jungen Mannes bei der Gräfin auslöst. Er weckt Erinnerungen an ihre Jugend und Wehmut ob verpasster Gelegenheiten.
Aber ansonsten überwiegen die Schwächen des Romans. Sprachlich gibt es vieles zu kritisieren, nicht nur die hölzernen Dialoge, auch andere sprachlichen Fehlgriffe finden sich. Und sehr oft hapert es mit der Logik. So zweifelt man z.B. an der schnellen Heilung des verletzten Piloten. Verordnet ihm der Arzt an einem Tag noch ein Gipsbett, weil er sich auf keinen Fall bewegen darf, so kann er kurz darauf bei der Bergung des Flugzeugs mithelfen und erlebt sogar eine Liebesnacht. Auch sein sonstiges Verhalten ist nur schwer nachvollziehbar. Ebensolche Unstimmigkeiten lassen sich bei manch anderen Figuren finden.
Der Autorin war es offensichtlich ein Anliegen, das Leben einer faszinierenden Frauenfigur nachzuzeichnen. Allerdings hat sie es nicht geschafft, die notwendigen Hintergründe dieser Biographie organisch in die Geschichte einzubinden. Es ist allzu offensichtlich, dass die Gespräche, in denen die Gräfin von ihrer Vergangenheit erzählt, nur dazu dienen, den Leser zu informieren.
Irma Nelles hat sich ein strenges Korsett gesetzt, in dem sie die Geschichte an sechs Tagen spielen lässt. Ein längerer Zeitraum hätte den Figuren mehr Zeit zur Entwicklung gegeben. So aber erscheint einiges nicht nachvollziehbar.
Doch das größte Manko ist das abrupte Ende des Romans. Er entlässt den Leser unbefriedigt. Zu viele offene Fragen, zu viele lose Fäden… Thematisch wird einiges angerissen und verläuft dann im Sande. Damit werden Erwartungen geweckt, die nicht erfüllt werden. Es werden Motive eingeführt, wie z.B. die kleine Flöte, die der Engländer mit sich führt, Figuren tauchen auf, die im Verlauf keine Rolle mehr spielen usw. Stattdessen bekommt der Leser eine Liebesgeschichte, auf die er gern verzichtet hätte.
Ja, das schmale Buch wirkt unfertig. Auch ein Unterhaltungsroman sollte schlüssig sein. Es hätte eines Lektorats bedurft, das sprachliche Missgriffe beseitigt und auf ein anderes Ende dringt.
Möglicherweise hat der Tod der Autorin eine solche abschließende Arbeit verhindert. Schade!




poetische Sprache, rauer Schauplatz
2024-09-18 09:52:00
Man taucht sehr schnell in die Handlung ein, die Sprache ist einfach und trotzdem poetisch.
Das Setting war wirlkich spannend- Norddeutschland, die Inseln, das Watt und dann noch die eingestreuten Sätze auf Plattdeutsch. Die Beschreibungen der Schauplätze sind auch wirklich toll- man fühlt sich fast so, als wäre man mit dabei.
Die ProtragonistInnen sind von der Autorin toll gezeichnet worden. Ich fand sie sehr authentisch und sie hatten auch durchaus Tiefgang.
Auch das Leben auf dieser einsamen und rauen Insel hat mich sehr fasziniert- ein wirklich spannender Schauplatz.
Die Lektüre war kurzweilig- ich hatte das Buch in etwas mehr als einem Tag durchgelesen. Es gab keine Stellen, die sich gezogen haben. Die Handlung ist sehr dicht.
Die tolle Atmosphäre, die die Autorin schafft hat mich hier wirklich begeistert!