Anna oder: Was von einem Leben bleibt

Anna oder: Was von einem Leben bleibt

von Henning Sußebach

€ 24,70

Hardcover

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Die Geschichte meiner Urgroßmutter
2025 Beck
205 Seiten
mit 17 Abbildungen
20 mm x 147 mm
Sprache: Deutsch
978-3-406-83626-8

Hauptbeschreibung

Eine Frau vor ihrer Zeit. Die berührende Suche nach dem Leben der eigenen Urgroßmutter

1887, tief im Sauerland. Eine junge Frau kommt den Weg hinauf ins Dorf Cobbenrode. Dort soll Anna Kalthoff die neue Lehrerin werden. Doch sie wird es nicht bleiben. Denn Anna widersetzt sich bald den Erwartungen des Ortes und den Regeln ihrer Zeit. Sie entscheidet selbst, was sie zu tun und zu lassen hat, wie sie leben und wen sie lieben will. Zwei Jahrhunderte später rekonstruiert der Urenkel Annas inspirierendes Leben und rettet so die Geschichte einer selbstbewussten Frau vor dem Vergessen. Sein Buch ist eine zauberhafte Annäherung an die Vorfahren, ohne deren Entscheidungen und Mut es uns nicht gäbe.

Einige Fotos, Poesiealben, Postkarten, ein Kaffeeservice, ein Verlobungsring: Viel mehr stand Henning Sußebach nicht zur Verfügung, als er sich auf die Spuren seiner Urgroßmutter Anna begab. Nach einem Jahr der Suche fügte sich ein Bild: Da hat eine scheinbar gewöhnliche Frau ein außergewöhnliches Leben geführt, gegen allerlei Widerstände. Anna nahm sich, was sie vom Leben wollte. Männer, Arbeit, Freiheit! Diesem Willen hat der Autor seine Existenz zu verdanken. Sein Buch ermuntert uns alle, nach den Annas zu suchen, die es in jeder Familiengeschichte gibt.


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Hardcover
Die Geschichte meiner Urgroßmutter
2025 Beck
205 Seiten
mit 17 Abbildungen
20 mm x 147 mm
Sprache: Deutsch
978-3-406-83626-8


Weitere verfügbare Ausgaben:

Autor

Henning Sußebach, Jahrgang 1972, ist Redakteur der Wochenzeitung DIE ZEIT. Für seine Reportagen wurde er mit einigen der wichtigsten deutschen Journalistenpreise ausgezeichnet, darunter: der Deutsche Reporterpreis, der Theodor-Wolff-Preis, der Henri-Nannen- Preis und der Egon Erwin Kisch-Preis.

Hersteller: Verlag C.H.Beck GmbH & Co. KG
Wilhelmstraße 9, 80801 München DE
E-Mail: produktsicherheit@beck.de

Rekonstruktion eines Lebens 2025-10-09 23:28:00
von Sina
In seinem Buch „Anna oder: Was von einem Leben bleibt“ rekonstruiert der Journalist Henning Sussebach das vergessene Leben seiner Urgroßmutter Anna Kalthoff.

Mit Hilfe weniger verbliebener Gegenstände aus Annas Besitz begibt sich der Autor auf Spurensuche und setzt nach und nach ein stimmiges Gesamtbild zusammen. Die Lesenden werden mitgenommen auf eine Reise von 1887 und 1932 zwischen Horn und Cobbenrode, im
Sauerland.

Anna wird als viertes Mädchen in die Familie Kalthoff geboren. Ihr Vater verstarb als Anna gerade einmal 12 Jahre alt war. Als unverheiratete Frau mit nur wenigen Alternativen geht Anna im Alter von gerade einmal 21 Jahren mach Cobbenrode und wird Lehrerin. Trotz der Steine, die ihr in dieser frauenfeindlichen Zeit in den Weg gelegt werden, führt sie ein scheinbar selbstbestimmtes und außergewöhnliches Leben.

Untermalt wird die persönliche Biografie der Urgroßmutter immer wieder mit zeitgeschichtlichen Fakten, die es den Lesenden einfacher machen, sich die Geschehnisse im geschichtlichen Kontext vorzustellen.

Henning Sussebach hat mit seiner gründlichen und fundierten Recherche ganze Arbeit geleistet und seiner Urgroßmutter ein Denkmal gesetzt.
EIn Buch, das nicht genau weiß, was es sein möchte 2025-09-17 20:45:00
Anna oder: Was von einem Leben bleibt. Die Geschichte meiner Urgroßmutter. ist ein Buch von Henning Sußebach, in dem er versucht, das Leben seiner Vorfahrin anhand einiger weniger Anhaltspunkte aufzudecken.

Was mir gut gefallen hat, war, dass das Buch viele Einblicke in die damalige Zeit gibt, in die geschichtlichen und sozialen Hintergründe. Hier hat der Autor meiner Meinung nach eine gute Auswahl getroffen.

Leider konnte mich das Buch ansonsten eher wenig überzeugen. Der Autor schreibt hier „die Geschichte [s]einer Urgroßmutter“ und dafür ist es mir ehrlich gesagt viel zu distanziert. Ich wusste nie genau, was dieses Buch eigentlich sein will, ein Roman, eine Hommage, eine Biographie, ein geschichtliches Werk? Dazu kommt die Fiktionalisierung, die mich an einigen Stellen irritiert hat. Durch Formulierungen wie „ich lasse…“ zeigt der Autor hier deutlich seine Einmischung in die Story (was grundsätzlich ok ist, hier aber weiter Verwirrung schafft). Teils wird hier ein Leben romantisiert (z.B. wenn es um die Geburt geht), wobei ich mich schon frage, wie gut der Autor sich in die damalige Zeit und die Situation der Frauen versetzen kann.

Es gibt immer wieder Einmischungen im Sinne einer Leserleitung („man muss das natürlich einordnen“, „aus heutiger Perspektive“, …), aber an den wichtigen Stellen fehlt genau das: es werden Passagen aus Schulbüchern von früher zitiert, in denen es um Rassenlehre geht, und das wird an dieser Stelle nicht einmal kommentiert. In meinen Augen ist das sehr problematisch (vor allem, wenn man bedenkt, wie oft der Autor sich sonst einmischt).

Ich habe das Buch als Hörbuch gehört und obwohl ich die Sprecherin sehr mochte, war es doch irritierend, ein Buch, das offensichtlich von einem Mann erzählt wird, von einer Frau vorgelesen zu bekommen. Das war vielleicht ein weiterer Grund, warum ich mit dem Ganzen nicht so wirklich warm geworden bin.


Geschichtsschreibung von unten 2025-09-17 07:37:00
von Ruth
Der Journalist Henning Sussebach begibt sich auf Spurensuche nach seiner Urgroßmutter. Dabei ist es recht wenig, auf das er sich berufen kann: ein paar Daten, zwei Poesiealben aus Annas Kinder- und Jugendzeit, einige Photos, ein paar Postkarten, Briefe und Notizbücher, ein Verlobungsring und ein Kaffee-Service. Niemand in seiner Familie kennt die 1932 gestorbene Frau noch persönlich. Angesichts dieser Ausgangslage ist es erstaunlich, was er geschaffen hat.
Geboren wurde Anna 1866 in einem kleinen Dorf in Westfalen. Der Vater stirbt früh, Anna kommt mit zwölf Jahren in ein Kloster, wo sie eine Ausbildung zur Lehrerin erhält. Mit zwanzig Jahren tritt sie ihre Stelle an als Dorfschullehrerin. Dieser Beruf verschafft ihr zwar Ansehen, ein kleines Gehalt und eine Dienstwohnung, doch er ist an Auflagen gebunden. Als Lehrerin darf man nicht heiraten, tut man es doch, muss man den Beruf aufgeben und verliert seine Pension. Aber Anna verliebt sich in den Sohn der angesehensten Familie des Ortes. Clemens ist nicht nur vier Jahre jünger, sondern auch „der Dorfprinz“, „der begehrteste Junggeselle im Dorf“. Seine Eltern lehnen die Verbindung ab. Erst nach dem Tod des Vaters, zwölf Jahre später, heiraten Anna und Clemens. Doch ihr Glück währt nur kurz. Zwölf Wochen nach der Hochzeit kommt Clemens bei einem tragischen Unfall zu Tode. Und Anna leitet nun selbstständig die vielen Geschäftszweige ihres Mannes, nicht nur die Gaststätte und den Kolonialwarenladen, sondern auch die angeschlossene Poststelle, und sie zieht ihren Sohn alleine groß. Jahre später wird sie erneut heiraten. Sie ist zu diesem Zeitpunkt eine reife Frau von dreiundvierzig Jahren, er 19 Jahre jünger. Mit 45 Jahren bekommt Anna noch eine Tochter, die Großmutter des Autors.
Henning Sussebach nähert sich seiner Urgroßmutter mit viel Empathie und Respekt. In manchem ist er auf Mutmaßungen angewiesen, das verschweigt er nicht. Was mag Anna gedacht, gefühlt haben? Mit einem Urteil hält er sich zurück, da unsere heutige Perspektive eine andere ist als zu ihrer Zeit. Doch das Bild, das er von ihr vermittelt, ist beeindruckend und wirkt glaubhaft.
Anna ist eine außergewöhnliche Frau, eigenwillig und selbstbewusst. So tritt sie uns auch in den im Buch abgedruckten Photos gegenüber. Sie lässt sich von Widerständen und Schicksalsschlägen nicht unterkriegen. Sie verstößt gegen gesellschaftliche Regeln und behauptet sich in einer von Männern dominierten Welt.
Zusätzlich zu den privaten Hinterlassenschaften hat Henning Sussebach in Archiven, Kirchenbüchern und Museen recherchiert. Er zitiert z.B. aus Schulbüchern, mit denen Anna gearbeitet haben könnte und er versucht uns den ländlichen Alltag von damals zu vergegenwärtigen, indem er z.B. aufzählt, was und wann ein Erwachsener gegessen hat.
Die Geschichte von Annas Leben wird immer wieder mit der Zeitgeschichte verwoben, eine Zeit der Umbrüche und des Wandels. Dabei stellt der Autor die großen weltbewegenden Ereignisse neben die kleinen: 1890 tritt Otto von Bismarck zurück und in Cobbenrode, wo Anna wohnt, wird das Schulhaus geweißelt. Ob Anna von all den Neuigkeiten in der Welt gehört hat, ist zu bezweifeln. Trotzdem stimmt, was Henning Sussebach schreibt: „In jeder Biografie spiegelt sich Weltgeschehen, und jeder unserer Vorfahren hat dieses Weltgeschehen mitgeprägt, ob durch Anpassung oder Auflehnung, bremsend oder beschleunigend.“
„Anna oder: Was von einem Leben bleibt“ ist ein kluges und reflektiertes Buch. Hier erzählt einer von einem Leben, das keinen Eingang gefunden hat in die Geschichtsbücher, das es aber trotzdem verdient hat, aufgeschrieben zu werden. Geschichtsschreibung von unten und gleichzeitig ein Denkmal für eine gewöhnliche wie ungewöhnliche Frau.