Hauptbeschreibung

Eines Tages sind sie da. Wie aus dem Nichts leben sie plötzlich in der Stadt, stehen auf Straßen und Plätzen, leben mitten unter den Menschen und ziehen in die Häuser ein: die Elefanten. Doch niemand nimmt Anstoß an ihnen. Die Leute gehen weiter ihrer Wege, geben vor, es hätte sich nichts geändert. Allein der Stand-up-Comedian Pawel weigert sich zu schweigen und ruft von der Bühne dazu auf, sich der Realität zu stellen. Er riskiert damit alles, sein Leben, seine Freiheit und vor allem seine Liebe zu Anna.


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Hardcover
2026 Diogenes
256 Seiten
21 mm x 125 mm
Sprache: Deutsch
Übersetzt von: Ruth Altenhofer
978-3-257-07373-7


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Autor

Sasha Filipenko, geboren 1984 in Minsk, stammt aus Belarus und schreibt auf Russisch. Nach einer abgebrochenen klassischen Musikausbildung studierte er Literatur in St. Petersburg und arbeitete als Journalist, Drehbuchautor, Gag-Schreiber für eine Satireshow und als Fernsehmoderator. Sein Roman 'Die Jagd' war ein 'Spiegel'-Bestseller. 2020 musste er mit seiner Familie Russland verlassen und lebt seither in der Schweiz. Für sein Werk erhielt er zahlreiche Preise, zuletzt 2024 den Prix Transfuge du meilleur roman européen für seinen Roman 'Kremulator'.

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Kritische, ironische, treffende Gesellschaftskritik. Literarisch einzigartig. 2026-03-19 13:23:00
von MarcoL
Auf einmal waren sie da, die Elefanten. Sie standen einfach so herum. In den Wohnungen, Büros, Straßen. Blockierten Teile des Lebens, machten alles etwas komplizierter und schwieriger. Niemand tat etwas dagegen, und bald waren sie eine Selbstverständlichkeit. Menschen, die dagegen aufbegehrten, wurden zu Außenseitern, ja Querulanten abgestempelt. Und schnell offenbart sich uns diese Allegorie, wofür die Dickhäuter stehen.
Schnell passt sich der Mensch an Bedrohungen und Einschränkungen durch den Staat an, frei nach dem Motto: wenn es nicht schlimmer wird und mich kaum betrifft, was soll's.
Natürlich gibt es Einzelne, wie zum Beispiel den Stand-up-Comedian Pawel, der dagegen aufbegehrt, der ausspricht, was Sache ist, das Problem beim Namen nennt. Er versucht es mit Humor – dennoch verblassen seine anfänglichen Witze darüber schnell. Auch privat leidet seine Beziehung mit Anna – denn wenn die äußeren Einflüsse Druck ausüben, gerät auch das innere Gefüge ins wanken, mit existenziellen Folgen.
Das ist aber in diesem Roman noch nicht alles, denn die Figur von Alexander (Annas Vater und Schriftsteller) besticht durch eine interessante literarische Idee: Er möchte einen Roman schreiben, der nur aus Leserkommentaren aus den Social-Media-Bubbles besteht. Und just finden wir dieses Experiment schwarz auf weiß vor uns, denn Filipenko bedient sich selbst dieses Stilmittels (genial, aber anstrengend).
Was mir jetzt nicht so behagte bei der Lektüre waren die angedeuteten Kreuzworträtsel. Denn ab und zu muss man sich dann ein Wort aus dem zu Beginn stehenden Kreuzworträtsel selbst raus suchen (was nicht besonders schwer ist, aber den Lesefluss unterbricht).
Der Roman ist eine Parabel, ein politischer Fingerzeig, der gezielt auf die offenen Wunden in der Gesellschaft drückt. Die Gefahr schleicht sich ein, Zensur und Diktatur werden schnell als Normal erachtet.
Und gerade in dieser Zeit ist dieses Buch aktueller denn je. Rund um den Globus brennt es, die Feuer geschürt von machtbesessenen Autokraten, denen das Wohl des eigenen Volkes völlig egal ist – man kann auf dem Globus hinschauen, wo man will, diese beißende Kritik trifft überall ins Schwarze.
Gerne gebe ich eine Leseempfehlung für diesen sehr speziellen Roman für alle, die sich auf ein literarisches Experiment einlassen möchten.