Das andere Tal
€ 26,80
Hardcover
versand- oder abholbereit in 48 Stunden
2024 Diogenes
464 Seiten
25 mm x 125 mm
Sprache: Deutsch
978-3-257-07282-2
Hauptbeschreibung
Dieses Tal ist ein besonderer Ort. Geht man nach Osten oder Westen, stößt man auf die gleichen Häuser, Hügel, Straßen - doch alles ist zwanzig Jahre zeitversetzt. Nur in Trauerfällen dürfen die Grenzen passiert werden. Als die junge Odile in Besuchern aus der Zukunft die Eltern ihres Freundes Edme erkennt, weiß sie, dass er bald sterben wird. Was wäre, wenn Odile das ihr auferlegte Schweigen bricht? Ein bewegendes und außergewöhnliches Debüt über Freiheit und die Macht des Schicksals.
Verwandte Suchkategorien
Hardcover
2024 Diogenes
464 Seiten
25 mm x 125 mm
Sprache: Deutsch
Übersetzt von: Anke Caroline Burger
978-3-257-07282-2
Weitere verfügbare Ausgaben:
Autor
Scott Alexander Howard lebt in Vancouver, British Columbia. Er wurde an der Universität von Toronto in Philosophie promoviert und war Postdoktorand in Harvard, wo er sich mit der Beziehung zwischen Erinnerung, Emotionen und Literatur beschäftigte. Das andere Tal ist sein erster Roman.
Hersteller: Diogenes Verlag AG
Sprecherstrasse 8, 8032 Zürich CH
E-Mail: info@diogenes.chHersteller: truepages UG (haftungsbeschränkt)
Sprecherstrasse 8, 8032 Zürich CHWestermühlstrasse 29, 80469 München DE
E-Mail: info@truepages.de




So ein Sog ...
2025-09-19 11:28:00
Odile, die 16jährige Protagonistin im Buch lebt in einem geographisch übersichtlichen Tal mit Bergen, Dörfern, Städten und einem See mit ihrer verwitweten Mutter in einem Haus. Sie besucht die Schule, wo schwarze Pädagogik, körperliche Züchtigung aber auch Mobbing Alltag zu sein scheinen. Odile wirkt schüchtern, introvertiert, unnahbar, schwer erreichbar und durchlebt Phasen von Verunsicherung und Selbstwerteinbrüchen. Langsam findet sie jedoch Zugang zu einer Clique. Das Tal wird nach Osten und Westen begrenzt von identen Tälern, ebenso von hohen Zäunen umgeben, streng bewacht von einer bewaffneten Gendarmerie, jeder Fluchtversuch endet tödlich. In diesen Tälern, im Osten und Westen leben dieselben Menschen, jedoch jeweils um 20 Jahre nach vorne (Osten) oder 20 Jahre zurück (Westen) zeitversetzt. Jede Handlung in der Vergangenheit hat massive, oft kaum zu durchschauende Auswirkungen auf Gegenwart und Zukunft in den Nachbartälern, sodass Übertritte in die Nachbartäler streng geahndet werden und Besuche nur sehr selten nach sehr intensiver und sorgfältiger Prüfung durch das Conseil genehmigt werden. Odile bewirbt sich für die Ausbildung zur Conseiliere, scheitert im Verlauf des Aufnahmeverfahren, wird aber in die Gendarmerie angenommen, bewacht die Grenze und begleitet Besucher mit Besuchserlaubnis auf den herausfordernden Wanderungen ins Nachbartal. Ihr Leben ist still, einsam, eintönig, doch Odile genießt die Natur, die Stille, die Möglichkeit in den vielen Stunden in der Natur Holzschnitte anzufertigen.
In der Schule Jahre zuvor verliebt sich Odile in einen Mitschüler, Edme. Er stirbt bei einem Sturz über eine Klippe. Oder ist es ein Suizid? Hätte sie ihn retten können? Im Lauf der Jahre spitzen sich die Ereignisse in Odiles Leben scheinbar zufällig so zu und kulminieren in einem verbotenen Übertritt ins Nachbartal mit dem Ziel die Vergangenheit zu verändern. Wird sie Edmes Leben retten können? Wird sie Ihr Leben in andere Bahnen lenken können?
Ein kluges, berührendes Buch, das wohl in allen Leser*innen zu lawinenartigen Assoziationsketten führen wird. Man denkt an die DDR, an autoritäre Regime, an die engen Lebenswelten, aus denen sich junge Menschen zu befreien trachten, Howard führt subtil auch zu spirituellen und philosophischen Grundfragen der Menschen, uralte Sehnsüchte und ungeahnte Gefühle steigen hoch, atemlos flüchtet man zuletzt mit Odile in die Vergangenheit, die zur Gegenwart wird und die Zukunft bestimmt.




Ungewöhnlich, bedrückend, unvorhersehbar
2024-06-12 18:51:00
Als Sechszehnjährige blickt sie auf eine lieblose Kindheit ohne Vater zurück. Ihre Mutter erwartet, dass sie sich, nach ihrem Abschluss, zur Conseillère ausbilden lässt. Dafür beweist sie mit ihrer gnadenlosen Regelkonformität Hingabe, weshalb sie in die engere Auswahl rückt. Der schüchterne Edme Pira gerät in Odiles Aufmerksamkeit, als er sie vor einem Mobbingangriff rettet, und sie ist wie gelähmt, als sie verbotenerweise, durch eine zufällige Begegnung mit seinen zeitreisenden Eltern, erfährt, dass ihm etwas zustoßen wird.
Erzählt wird zwar in der Ich-Perspektive, aber Odile bleibt in ihrem inneren Erleben distanziert, während äußere Eindrücke lebendig beschrieben werden. Im zweiten Teil des Buches ist Odile sechsunddreißig Jahre alt und lebt in einer bedrückenden Wahrheit. Die Handlung ist unvorhersehbar, was auch an Odiles unberechenbarerem Charakter liegt. Generell ist der ganze Schreibstil wenig gefühlsduselig und orientiert sich authentisch an Odile. Ich kann mir eine Verfilmung des Stoffes vorstellen, da die Idee originell ist, weshalb ich gar nicht mehr verraten möchte. Mich hat lediglich gestört, dass es manchmal etwas langatmig war, ich mich deshalb zum Weiterlesen überwinden musste, und mir das Lesen erschwert wurde, weil keine Anführungszeichen die wörtliche Rede gekennzeichnet haben. Ansonsten war es ein ungewöhnliches Buch, dass mich überrascht hat. Fazit: Unbedingt durchhalten und bis zum Ende lesen.




Was wäre, wenn man die Vergangenheit ändern könnte
2024-06-04 12:09:00
In der Schule herrscht ein autoritärer Unterrichtsstil, zu dem auch ganz selbstverständlich körperliche Züchtigungen gehören. Obwohl Odile augenscheinlichlich gemobbt wird, schreitet der Klassenlehrer nicht ein, lediglich Alan und Edme, zwei Mitschüler, stellen sich auf ihre Seite.
Am Ende des Schuljahres steht der Übergang in die Ausbildung bevor, am begehrtesten ist natürlich die Aufnahme in die Ausbildung am Conseil. Zunächst bewirbt Odile sich nur, weil es ihrer Mutter so wichtig ist. Doch ein Erlebnis hat Odile zutiefst irritiert, ohne dass sie darüber sprechen konnte. Sie hat Edmes Eltern als Besucher aus der Zukunft gesehen, sie weiß also, dass Edme sterben wird, ohne den genauen Zeitpunkt oder die Ursache zu kennen. Durch einen Zufall erfährt ihr Lehrer davon und empfiehlt sie deshalb für die Ausbildung. Für sie selbst überraschend, beginnen die herausfordernden Aufgaben sie zunehmend zu faszinieren und ihren Ehrgeiz zu wecken. Gleichzeitig ändert sich ihr Status bei ihren Klassenkamerad:innen und sie wird Teil einer Clique. Insbesondere zu Edme fühlt sie sich hingezogen, ohne ihm von ihrem Wissen über seinen bevorstehen Tod zu berichten.
Während dieses ersten Teils liest sich der Roman wie ein Jugendbuch, in dem es im Rahmen einer Dystopie um die ganz typischen Themen wie Außenseitertum, Mobbing, erste Liebe und langsames Erwachsenwerden geht. Gerade Odile wirkt in einigen Szenen viel jünger als 16 Jahre, um dann aber insbesondere im Zusammenleben mit ihrer Mutter viel zu erwachsen für das Alter zu handeln und zu denken. Insgesamt wirkt Odile sehr beherrscht und zeigt viel weniger Emotionen, als zu erwarten wären.
Der zweite Teil spielt 20 Jahre später. Sprachlich unterscheidet er sich gravierend von Teil I. Auch die Stimmung ist viel düsterer, von Aufbruchstimmung keine Spur. Odiles Dasein lässt sich nur als trist und monoton beschreiben, ihre Wünsche sind bescheiden. Doch dann geschehen einige Dinge, die sie aus ihrer Erstarrung aufwecken und Gedanken in Gang setzen, die sie bisher nicht zugelassen hat.
Der promovierte Philosoph Scott Alexander Howard erinnert mit seinem ersten Roman an berühmte Vorbilder, in denen es um autoritäre Systeme oder um klassische Zeitreisen geht. Diese beiden Themen verknüpft er geschickt und unterhaltsam, fordert seinen Leser:innen aber auch einiges an Konzentration ab. Unweigerlich stellt man sich die Frage, wie man selbst handeln würde. Was würde geschehen, wenn man die Vergangenheit ändern könnte? Welche Auswirkungen hätte das, nicht nur für die eigene Person, sondern für ganze Systeme?
Das andere Tal ist kein Wohlfühlbuch, dafür ist die Atmosphäre über weite Strecken zu düster. Der erste Eindruck, es könnte ein Jugendbuch sein, ist spätestens zu Beginn des zweiten Teils verflogen.
Auch Odile, die die tragende Figur des Romans ist, eignet sich nicht als Identifikationsfigur, obwohl sie letztlich eine Sympathieträgerin ist. Ebenso wie sie sind die anderen Hauptcharaktere überzeugend herausgearbeitet.
Klare Leseempfehlung für Leser:innen, die sich auf das Thema einlassen mögen und sich von düsteren Szenarien nicht abschrecken lassen.