Adlergestell

Adlergestell

von Laura Laabs

€ 24,70

Hardcover

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Roman | »So wie Laabs bewegte Bilder beschreibt, wünscht man sich mehr Gegenwartsliteratur, ambitioniert, waghalsig, manchmal einen Schritt zu weit gehend, nie gleichgültig gegenüber ihrem Gegenstand.« FAS
2025 Tropen
240 Seiten
20 mm x 150 mm
Sprache: Deutsch
978-3-608-50288-6

Hauptbeschreibung

Wie beginnt man ein Leben am Ende der Geschichte?

Drei Mädchen vom Stadtrand, Center Shock auf der Zunge, abgerissener Mercedesstern um den Hals. Das sechsspurige Adlergestell vor der Nase. Ostberliner Kindheit um 1990.
Sie sind frei. Das wird jedenfalls behauptet. Freier als ihre Mütter, die sich verlieren in den Wirren des Umbruchs. Freier als ihre Großmütter, die noch immer verfolgt werden von den Gespenstern der Vergangenheit. Die drei Mädchen wollen ihr Leben selbst in die Hand nehmen. Doch als sie merken, dass auch die neue Freiheit Grenzen hat, kommt es zum Knall.

Lenka, Chaline und die Erzählerin wachsen Tür an Tür auf, an der großen Berliner Ausfallstraße, dem Adlergestell. Beste Freunde, unzertrennlich, trotz oder wegen der völlig verschiedenen Milieus, aus denen sie kommen. Mit dem Schulanfang treten sie ein in das Chaos nach dem »Ende der Geschichte«. Das schmeckt so süß und prickelt so sauer wie die neuen Center Shocks. Doch die großen Erwartungen zerplatzen so schnell wie ihre Kaugummiblasen. Denn den Adler kümmert ihre Existenz wenig und ein Gestell gibt keinen Halt. 35 Jahre danach beginnt die Erzählerin eine Spurensuche. Warum haben sie sich verloren? Was hat ihre Vergangenheit, die ihrer Mütter und Großmütter, mit den
Verwerfungen von heute zu tun? Und hatten sie überhaupt eine Chance?
Ein furioser Nachwenderoman, der mitten in unsere Gegenwart führt.

»Laura Laabs schildert eine Gegenwart, die Anfang der 90er Jahre gerade in die Zukunft abrutscht. Und die Vergangenheit sitzt auch noch mit an der Kaffeetafel und trinkt Eierlikör. Ein Buch, das souverän durch die Zeiten spaziert.« Jenny Erpenbeck


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Hardcover
Roman | »So wie Laabs bewegte Bilder beschreibt, wünscht man sich mehr Gegenwartsliteratur, ambitioniert, waghalsig, manchmal einen Schritt zu weit gehend, nie gleichgültig gegenüber ihrem Gegenstand.« FAS
2025 Tropen
240 Seiten
20 mm x 150 mm
Sprache: Deutsch
978-3-608-50288-6


Weitere verfügbare Ausgaben:

Autor

Laura Laabs ist freie Regisseurin und Autorin. Sie studierte Politik und Filmwissenschaft sowie anschließend Filmregie an der Hochschule für Film und Fernsehen »Konrad Wolf« in Potsdam-Babelsberg. Sie ist als Hörspielregisseurin und realisierte hier u. a. die große Hörspielproduktion zu Mädchen, Frau etc. nach dem Bestseller von Bernardine Evaristo. Ihr Spielfilmdebüt »Rote Sterne überm Feld« gewann den Kritiker-Preis beim Max Ophüls Festival und beim achtung berlin Filmfestival u.a. die Preise für bester Film und bestes Drehbuch. Mit einem Auszug aus »Adlergestell« war sie zum Ingeborg-Bachmann-Preis 2025 eingeladen. Sie lebt in Bad Kleinen und Berlin.

Hersteller: J. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger GmbH
Rotebühlstraße 77, 70178 Stuttgart DE
E-Mail: produktsicherheit@klett-cotta.de

Poetisches Puzzle einer Kindheit 2025-09-01 15:36:00
„Adlergestell“ hat mich sofort angesprochen – nicht nur wegen des schlichten, leicht melancholischen Covers, sondern vor allem wegen der Sprache. Laura Laabs erzählt in fragmentarischen Erinnerungen von drei Mädchen, die in der Nachwendezeit in Ostberlin aufwachsen. Zwischen grauer Ausfallstraße, Center Shocks und ersten Freiheitserfahrungen entsteht ein atmosphärisches Bild, das weit mehr ist als nostalgische Rückschau.

Besonders beeindruckt hat mich die Präzision der Sprache: poetisch, aber nie kitschig, klar und trotzdem voller Zwischentöne. Die Szenen sind wie kleine Momentaufnahmen, die sich zu einem Mosaik zusammensetzen – manchmal humorvoll, manchmal bitter, oft nachdenklich. Gerade diese Mischung aus Leichtigkeit und Schwere hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Die Figuren – allen voran die Erzählerin, Lenka und Chaline – wirken echt, mit all ihren Eigenheiten, Brüchen und stillen Momenten der Entfremdung. Laabs gelingt es, den Ton der jeweiligen Lebensphase glaubwürdig einzufangen und gleichzeitig die unterschwellige Melancholie der Zeit spürbar zu machen.

Fazit:
Ein leises, literarisches Debüt, das nicht vorgibt, alle Antworten zu liefern, sondern Erinnerungen und Gefühle anstößt. Für alle, die Geschichten mögen, die man sich Stück für Stück selbst erschließt – poetisch, präzise und nachhaltig im Kopf.
stilles Buch mit Tiefgang 2025-08-29 22:01:00
von div
stilles Buch mit Tiefgang

Adlergestell ist ein Buch, das mich tief berührt hat. Laura Laabs schreibt auf eine direkte und ehrliche Weise, die unter die Haut geht. Die Geschichte ist traurig, aber auch stark. Es geht um Familie, Verlust und das Erwachsenwerden – um das Gefühl, nicht dazuzugehören und trotzdem weiterzumachen.

Besonders bewegt hat mich, wie die Autorin über Trauer schreibt. Nichts wird verschönert, aber auch nichts wird zu schwer. Man spürt, wie weh Erinnerungen tun können – und gleichzeitig, wie wichtig sie sind. Der Ort "Adlergestell" wird fast zu einer eigenen Figur im Buch. Die Stimmung dort ist grau, kalt, fast hoffnungslos – und doch irgendwie vertraut.

Die Sprache ist klar und manchmal fast hart, aber genau das macht das Buch so stark. Es fühlt sich ehrlich an. Nichts ist übertrieben, und gerade deshalb bleibt vieles lange im Kopf.

Ich kann dieses Buch allen empfehlen, die Geschichten mögen, die echt sind – Geschichten, die wehtun, aber auch Mut machen. Adlergestell ist ein stilles, aber kraftvolles Buch.
Toller Nachwenderoman! 2025-08-28 19:56:00
Mit einem Auszug aus ihrem Debütroman “Adlergestell” war die Regisseurin und Autorin bereits zum Ingeborg-Bachmann-Preis 2025 eingeladen. Ich dachte eigentlich auch an einen Nominierung für die Longslist des Deutschen Buchpreises, denn ich fand „Adlergestell“ ist ein toller Nachwenderoman, der aus der Vergangenheit bis in unsere Gegenwart führt.
Der Titel bezieht sich übrigens nicht auf eine Verballhornung von Faberkastell, wie ich als Süddeutsche mit Allgemeinbildungslücken dachte, sondern auf die längste Straße Berlins. Sie verläuft im Bezirk Treptow-Köpenick und begleitet uns als Schauplatz in Laabs Roman durch die Zeitenwende.

An dieser Straße wächst Laabs Ich-Erzählerin und ihre Freundinnen Lenka und Chaline auf.

Zusammen knacken sie Kaugummi Automaten und spielen der Streiche aus der Telefonzelle. Es sind die 90er und der Mauerfall liegt noch nicht lange zurück.
Die Wende versprach für den Osten eine aufregende Zukunft, doch einige Jahre später ist von der Euphorie nicht mehr viel übrig.

„Kinder, deren Eltern plötzlich geschieden waren oder arbeitslos oder beides. Kleine Menschen mit großen Erwartungen, die absehbar zu großen Enttäuschungen werden würden.“

Laabs Roman ist multiperspektivisch aufgebaut, neben den längeren Passagen ihrer kindlichen und später erwachsenen Ich-Erzählerin schiebt sie immer wieder die Perspektiven von Frauen der Eltern- und Großelterngeneration. Tante Nora hat noch den Krieg erlebt, die Mutter von Chaline wurde als Leistungsturnerin von ihrem Trainer im DDR-System missbraucht, um nur zwei Einzelschicksale zu nennen.
Laabs blickt auf das Leben der Frauen, die mit den politischen und gesellschaftlichen Veränderungen umgehen müssen.

„Erst hat die Mauer ihr Leben geteilt in ein Davor und ein Dahinter. Nun teilt der Fall der Mauer ihr Leben in ein Davor und ein Danach.“


Und die Ich-Erzählerin?
Sieht im Fersehen die poppigen Werbespots der 90er. Mit Fairy Ultra und Yogurette soll das Leben zum leichten Traum werden. Laabs zeigt entlarvend die kapitalistischen Werbelügen und Manipulation jener Zeit, die zum Konsum anregen, aber eigentlich nur Unzufriedenheit schüren.

Laabs verwendet immer wieder die Farben Rot, Grün und Blau. Es sind die Farben aus denen sich früher jedes Fernsehbild zusammensetzte. Und in die Farben Rot, Grün und Blau zerfallen die bunte Bilder wieder, wenn du zu nah ran gehst. Es sind die Farben, die du auch auf dem Cover wiederfindest.

„Oder waren wir selbst Geister? Waren wir bereits in unsere kleinsten Atome zerlegt, aufgelöst, verschwunden? Die Perlen trafen den Fußboden, schossen aus dem Zimmer und stürzten die Treppe hinunter - Blau, Rot und Grün - in die dunkle Tiefe. Ins Schwarz.“


Die Erzählerin wird erwachsen und verliert ihre Freundinnen aus den Augen, hat dafür Beziehungen mit Männern. Die Mutter am Adlergestell besucht sie selten.


Mir gefällt die konsequent weibliche Perspektive des Romans, so ganz im Kontrast zur historischen Geschichtsschreibung des Adlergestell, sehr.

„Es scheint, als hätte es nur Männer gegeben am Adlergestell. Doch beinahe unbemerkt schlugen sich auch Frauen hier durch die Geschichte.“

Die Geschichte der Ich-Erzählerin führt mich bis ins Heute, zu den aktuell brennenden Themen unserer Zeit.

Und die letzten Seiten erwischen mich noch so richtig.
„Wie ein Center Shock, mitten durchs Herz.“