Wir verwenden Cookies, um Ihnen die bestmögliche Nutzererfahrung auf unserer Website zu bieten und erlauben das Setzen von Drittanbieter-Cookies. Durch die Nutzung unserer Website stimmen Sie zu, dass Cookies auf Ihrem Gerät gespeichert werden. Weitere Informationen zu den verwendeten Cookies, und zu ihrer Deaktivierung finden Sie hier.

Rezensionen




Schade! 29. April 2019

Das apart gestaltete Cover und der vielversprechende Titel, die spannenden Schauplätze Johannesburg und Kapstadt haben mein Interesse an diesem Krimi geweckt. Leider wurde ich enttäuscht.
Offenbar wollte der Autor zu viele Handlungsstränge, Figuren und Motive in seinen Kriminalroman packen, sodass dieser teils überladen, teils nicht stimmig wirkt.
Zum Inhalt: Frank Sattler, Naturwissenschaftler, wird von einem guten Freund gebeten, nach Südafrika zu reisen, um dort nach dessen Tochter Pia zu sehen, die offensichtlich in Gefahr schwebt.
Sattler stimmt dieser Bitte überraschend schnell zu. Dort angekommen erwartet ihn Pia, die Mitglied einer Nichtregierungsorganisation ist, die Obdachlose unterstützt. Doch anders als erwartet tritt sie sehr sicher, selbstbewusst und keineswegs verängstigt oder hilflos auf. Sie erwartet ganz andere Unterstützung von Sattler: er soll vermutlich vergiftetes Trinkwasser für Pia und ihre Organisation analysieren. Sattler verfällt rasch Pias Charme, es kommt sehr schnell zum Sex, was nicht so recht zur Rolle Sattlers als ,,väterlicher Freund
und Helfer" passen will.
Parallel dazu geht es um eine Art Wunder-Torpedo der deutschen Marine, der in Kapstadt präsentiert und dabei ,,entführt" wird, außerdem um eine äußerst mächtige indische Familie deren suizidgefährdeter Abkomme, illegale Immobiliengeschäfte usw. Pia, ihre Mitstreiter und Frank Sattler geraten in Lebensgefahr.
Die Idee der NGO und der skrupellosen Immobiliengeschäfte finde ich packend und hätte meiner Ansicht nach auch schon für einen spannenden Krimi gereicht. Auch die Flucht in die Berge ist anschaulich und gut beschrieben. Die weiteren Handlungsstränge überfrachten meiner Meinung nach aber den Krimi, lassen ihn etwas zusammengepuzzelt erscheinen und nicht ganz schlüssig erscheinen.
Hinzu kommt das widersprüchliche und teils nicht ganz nachvollziehbare Verhalten der Figuren. So wird z.B. Frank Sattler als sehr erfahren und als kluger Kopf beschrieben, dabei tappt er naiv in fast jede sich bietende Falle.
Auch sprachlich ist der Krimi leider keine Offenbarung (z.B. ,,Sattler schoss zwei Fragen durch den Kopf." S. 99).
Bei den Schilderungen der Stadtszenen und der Landschaft erkennt man, dass der Autor jahrelang selbst in Südafrika gelebt hat und so aus eigener Erfahrung berichten kann. Aber leider ergibt das noch keinen spannenden und schlüssigen Krimi. Schade!
Turbulenter Südafrika-Krimi mit schrägen Ermittlern 25. April 2019
Cover und Layout
Das Cover, für das übrigens Rene Rott verantwortlich ist, war die Überraschung schlechthin. Zu Beginn hatte ich es ignoriert, weil mir nicht klar war, dass es sich hier um einen Krimi handelt (ich dachte es sei ein typischer Frauenroman), später fand ich es hübsch, doch als ich das Buch endlich in den Händen hielt, war ich verliebt. Ein echtes Schmuckstück, das so rein gar nichts mit der Handlung zu tun hat ...

Schreibstil
Der Autor weist ausdrücklich darauf hin, dass es sich hier um eine fiktive Geschichte handelt. Er hat sich ein gewisses Maß an schriftstellerischer Freiheit erlaubt, seiner Fantasie freien Lauf gelassen und zugleich seine eigenen Erlebnisse eingebettet. Demzufolge habe ich seine Geschichte auch mit einem Augenzwinkern gelesen. Mit feiner Ironie schildert er die extremen Gegensätze Südafrikas, die er auf die Charaktere und die Handlung überträgt. Sein Schreibstil ist zeitgemäß, niveauvoll und dennoch unterhaltsam. Selbst über Ungereimtheiten sehe ich amüsiert hinweg. Matthias Boll ist ein talentierter, aufmerksamer Beobachter, Erzähler und Schreiber, der mir überzeugend ein X vor dem U vormachen kann, weil ich einfach rein gar nichts von Technik verstehe. Aber das ist auch nicht notwendig, um die turbulente, gut durchdachte Geschichte zu begreifen.

Meinung
Ich bin erstaunt über Matthias Bolls Erzählkunst. Zunächst hatte ich einen etwas gediegenen Krimi erwartet, aber bei genauerem Hinsehen bemerkte ich seine fantastische Kreativität und eine Vorliebe für Abenteuer. So habe ich es persönlich empfunden, wie andere Leser es beurteilen, steht auf einem anderen Blatt. Am besten gefiel mir die naive Pia und ihre Organisation JBF (Johannesburger-Befreiungs-Front). Diese attraktive junge Aktivistin hat eine sozial-romantische Ader, von der Frank Sattler schwer beeindruckt ist. Mehr verrate ich nicht, nur so viel, dass ich mich von allen negativen Kritiken distanziere, weil ich sie nicht nachvollziehen kann, und ich sie teilweise sogar zum Fremdschämen finde. Dieser Südafrika-Krimi vereint Spannung und Humor. Der Lokalkolorit ist perfekt dosiert. Der Autor hat mich quasi vor Ort am Geschehen teilhaben lassen. Ich kann mir nicht erklären, wie er das geschafft hat. Die Charaktere sind ausgezeichnet dargestellt. Vor meinem geistigen Auge spielten sich irrwitzige Szenen ab. Mehr als ein Dutzend Mal musste ich das Buch beiseite legen, weil ich mir vor Lachen den Bauch halten musste. Dieser elegante, trockene Humor - ob beabsichtigt oder nicht - wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben und hat mich neugierig auf die vier vorigen Bände des Autors gemacht. Darum vergebe ich 5 Sterne und eine klare Kaufempfehlung.