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Rezensionen

Aichner, Bernhard
6 Rezensionen
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Wie die Vergangenheit die Gegenwart beeinflusst. 31. Januar 2019
von niknak
Inhalt:
(Klappentext)
Sommer 1987. Auf dem Dachboden eines Bauernhauses wird ein Mädchen brutal ermordet. Ein dreizehnjähriger Junge schlägt sieben Mal mit einem Golfschläger auf seine Mitschülerin ein und richtet ein Blutbad an. Dreißig Jahre lang bleibt diese Geschichte im Verborgenen, bis sie plötzlich mit voller Wucht zurückkommt und alles mit sich reißt: Der Junge von damals mordet wieder …

Mein Kommentar:
Ich kenne bereits die Totenfrau - Trilogie von Bernhard Aichner, aber dieses Buch ist etwas ganz anderes. Es besitzt eine eigene Form der Spannung: Dabei wird der Leser nicht nur dadurch ans Buch gefesselt, weil man den Mörder entlarven will, sondern auch weil man wissen will, was in Bens Vergangenheit wirklich passiert ist und warum er sich nicht mehr erinnern kann. Auch ist man gespannt, was nun in der Zukunft passieren wird und wie Ben mit seiner Vergangenheit umgeht.

Der Autor verwendet einen ganz besonderen Schreibstil, den ich so bisher noch gar nicht kannte. Die einzelnen Kapitel sind relativ kurz und übersichtlich gestaltet. Sie wechseln immer von einer erzählenden Schreibweise in der Ich Perspektive von Ben erzählt und einer Dialogform. Dabei gibt es immer einen Dialog zwischen Ben und einer anderen Person.

Der Schreibstil des Autors ist einfach und flüssig gehalten. Durch die kurzen Kapitel und den wechselnden Schreibstil, fliegen die Seiten einfach nur so dahin. Besonders gut gefiel mir, dass jedes Kapitel eine Überschrift hat, die in rot gehalten war. So harmoniert dies meiner Meinung nach sehr gut mit dem Titel des Buches.
Die Beschreibungen der Orte waren sehr detailliert und man konnte sich als Leser ein sehr gutes Bild davon machen.

Ben ist zwar sehr zurückhaltend zu Beginn des Buches und man erfährt erst im Laufe des Buches mehr über ihn. Dadurch lernt man ihn besser kennen und auch verstehen. So kann man seine Handlungen nachvollziehen und schließt ihn mit der Zeit auch ins Herz, obwohl ich nicht immer alle Aktionen von ihm nachvollziehen konnte.

Das Ende kam sehr überraschend für mich, aber das ist das tolle daran, dass es der Autor schafft mich immer wieder zu überraschen, auch wenn ich mir schon selbst einen weiteren Verlauf vom Buch überlegt hatte. So bleibt die Spannung erhalten und man kann bis zum Schluss noch mitraten.

Mein Fazit:
Ein etwas anderer Thriller von Bernhard Aichner, welcher mich wirklich packen konnte und durch den abwechslungsreichen Schreibstil ein richtiges Lesevergnügen war.

Ganz liebe Grüße,
Niknak
Kann man die Vergangenheit ungeschehen machen bzw. korrigieren? 30. Dezember 2018
Kurz zum Inhalt:
Ben wird regelmäßig von seinem Vater mit dem Gürtel verprügelt - auf dem Dachboden, dem sogenannten Bösland.
Als Ben 10 ist, findet er seinen Vater im Bösland, erhängt mit dem Gürtel.
Er hat einen einzigen Freund: Felix Kux, den Sohn des Arztes. Mit ihm verbringt er die meiste Zeit, auch oder gerade im Bösland, die beiden quälen Tiere und vor allem drehen sie Filme über alle Mögliche mit der Kamera, die Felix seinem Vater geklaut hat.
Etwas später kommt Matilda neu in die Klasse, zu Dritt verbringen sie nun Zeit und Ben ist in Matilda verliebt.
Bis Matilda eines Tages tot im Bösland liegt - der Schädel eingeschlagen. Ben hält sie im Arm und wird als Täter in die Psychiatrie eingesperrt. Er kann sich an nichts erinnern. Als Ben 23 ist, wird er wieder freigelassen. Er geht freiwillig zur Therapie. 30 Jahre nach dem schrecklichen Tod von Matilda deckt er das schreckliche Geheimnis von damals auf - und es wird gefährlich für ihn.


Meine Meinung:
An den Schreibstil muss man sich anfangs gewöhnen - aber mir gefällt es sehr gut, dass abwechselnd in ich-Form aus Sicht von Ben und im Dialog-Stil zwischen Ben und jeweils einer weiteren Person erzählt wird.
Das Schicksal von Ben ist traurig, er hatte eine schlimme Kindheit. Vom Vater verprügelt, die Mutter verschließt die Augen - und noch schlimmer, sie gibt dem Sohn die Schuld am Selbstmord des Vaters und meinte, es wäre besser gewesen, wenn der Vater ihn totgeprügelt hätte. Kein Wunder, dass alle in ihm den Mörder sehen.
Auch wenn Ben nicht so wirklich sympathisch ist, fühlt man mit ihm mit und erfährt nach und nach Schreckliches.
Bernhard Aichner hat mit "Bösland" einen Psychothriller der etwas anderen Art geschaffen. Die ganze Geschichte ist düster, mysteriös und morbid, und beim Lesen denkt man immer wieder dran, wie gut es einem selbst geht und man ist froh darüber, dass man keine Freunde wie Kux hat.


Fazit:
Ein außergewöhnlicher Thriller mit einem besonderen Schreibstil, der mich gut unterhalten hat!
Fesselnde Einblicke in die tiefsten Abgründe der menschlichen Psyche 30. September 2018
von Anja
Im Alter von dreizehn Jahren hat Ben seine Mutter und den ganzen Ort geschockt, denn er hat sein Freundin, die Apothekertochter, auf dem Dachboden brutal erschlagen. Niemand weiß, warum das geschehen ist, denn Ben äußert sich nicht zur Tat. Seine Mutter wünscht sich, dass der Einzelgänger Ben, der, außer zum Arztsohn Felix Kux, kaum Kontakte hat, nie geboren wäre. Zu stark sind ihre Scham- und Schuldgefühle. Ben verbringt lange Zeit in Haft. Außerdem wird er jahrelang in einer psychiatrischen Klinik behandelt und später in einer betreuten Wohngruppe darauf vorbereitet, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Das scheint auch gut zu funktionieren, denn Ben lebt zwanzig Jahre ein ruhiges und eher langweiliges Leben. Bis er bei seiner Arbeit im Fotolabor auf eine Aufnahme seines ehemals besten Freundes Felix Kux stößt. Dieser Anblick wühlt ihn auf. Seine Therapeutin rät ihm, sich endlich der Vergangenheit zu stellen. Sie ahnt nicht, was damit ausgelöst wird.....

Bernhard Aichners Stil, die Geschichte von "Bösland" zu erzählen, ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig. Es gibt recht kurze Kapitel, in denen man abwechselnd dem Erzähler oder Dialogen folgt. Am Anfang beobachtet man alles eher distanziert, da man das Gelesene, und dabei insbesondere den Hauptprotagonisten Ben, nur schwer einschätzen kann. Was ist damals wirklich passiert? Kann man Ben trauen? Durch diese Fragen gerät man schnell in den Sog der Handlung und taucht, gemeinsam mit Ben, ins "Bösland" und die dramatische Vergangenheit ein.

Man bekommt dabei einen Einblick in die tiefsten Abgründe der menschlichen Psyche. Bernhard Aichner gelingt es hervorragend, den Leser, ohne allzu großes Blutvergießen, bei der Stange zu halten, sodass man regelrecht durch das Buch fliegt und kaum glauben kann, was nach all den Jahren offenbart wird. Die Geschichte ist sehr gut konstruiert und muss genauso erzählt werden, damit sie ihre volle Wirkung erzielt, die den Leser ungläubig staunend und geradezu fassungslos fesselt. Die Spannung ist durchgehend spürbar und sorgt dafür, dass man sich erst vom Gelesenen lösen kann, wenn man am Ende angekommen ist.

Obwohl ich zunächst kleine Schwierigkeiten hatte, den Einstieg in die Handlung zu finden, konnte ich das Buch nach kurzer Zeit kaum noch aus der Hand legen. Der hervorragend konstruierte Plot, der seine Spannung schnell entwickelt, und die Einblicke in die tiefsten Abgründe der menschlichen Psyche, haben mich regelrecht gefesselt. Deshalb vergebe ich auf meiner persönlichen Bewertungsskala auch vier von fünf Sternchen und eine klare Leseempfehlung.