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Rezensionen

Oetker, Alexander
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Klischees und Unstimmigkeiten, aber guter Grundplot und Aufbau. Insgesamt eher dünn 12. Mai 2019
Frankreich, kurz vor einer Mautstation. Eine Frau fährt einen Wagen mit vollem Tempo auf die Mautschranke zu, erst in letzter Sekunde öffnet sie sich. Es ist ein „Go fast“, eine Drogentransport, bei dem die Schränkenwärter vorher bestochen worden. Zoë fährt das Fahrzeug. Seit Jahren ist sie die rechte Hand des Mafiapaten, die Königin der Finsternis.

Wieder Frankreich. Ein junges Mädchen wurde bestialisch erstochen, Overkill. Eine Frau sieht sich alles an, sehr lange und sehr genau, Hinterher wird sie alles in ihr Notizbuch schreiben. Zara arbeitet bei Europol. Sie weiß, dass sie hierfür Hilfe benötigen wird, jemanden, der nicht auf Seiten von Ordnung und Gesetz bleiben muss. Jemanden, DIE sich nicht an Gesetze hält. Jemanden wie Zoë.

Vielleicht war meine Erwartungshaltung schuld. Ich hatte nach Leseprobe und Klappentext gerechnet mit einer Ausgangssituation zwischen der Millenium-Reihe mit Lisbet Salander, der gelegentlich wie Zara ein leichter Asperger-Autismus unterstellt wird und die auch eine Zwillingsschwester hat, und der Reihe von Ethan Cross mit dem Psychopathen Ackerman und seinem „guten“ Bruder. Nun, das hier ist weder noch. Zara ist vordergründig die brave Schwester, die keine Gesetze brechen kann – was nicht stimmt, zu Beginn tut sie es mit der Übergabe an Zoë, zum Schluss tut sie es in Bezug auf den knieenden Vater, und nein, das ist keine Notwehr. Zoë wirkt wie die coolere – aber wer würde ernsthaft eine Drogendealerin für cool halten wollen? Und welcher Vater stellt sein Töchterchen einem Mafiapaten vor, wenn er doch tief im Innern immer nur ein Restaurant betreiben wollte? Die Entfremdung der beiden wirkt auf mich aufgebläht – ebenso die Versöhnung. Doch wie das „doppelte Lottchen“ nach acht Jahren der Entfremdung funktionieren sollte, wenn man nichts voneinander weiß, bleibt eines der größeren Rätsel. Und ein ernstgemeinter Mordversuch – nur, weil Papi und Mami nicht mehr miteinander können? Ich verstehe auch nicht, warum sich Zoë hineinziehen lässt – nur weil ihr Ziehvater eine Ahnung hat? Und auch Zara hat eine Ahnung? Die beiden sollten Lotto spielen bei den vielen Vorahnungen; das ist alles nicht nachvollziehbar. Auch das Abschneiden der Haare – da hätte sich die Schwester in den Monaten bis zum Sommer ja wieder die Haare wachsen lassen können, aber gut.

Was richtig gut ist: der Grund-Plot, das Konstrukt hinter dem Verbrechen. Dazu wirken sowohl die Milieuschilderungen als auch die Landschaftsbeschreibungen sehr lebendig. Auch gefiel mir der Aufbau, mit den eingebauten Medien-Abschnitten. Das lässt sich insgesamt flott lesen; allerdings sind es recht wenige Buchstaben pro Seite.

Der Schluss nach einigen Action-Szenen ist dann immerhin stimmig, bis darauf, dass jemand, der eigentlich gar nicht morden wollte, eher nicht zum Overkill neigen würde, aber nun. Es gibt einen ganz moderaten Blick in die Möglichkeiten eines Folgebandes.

Insgesamt eine lockere Strandlektüre, dort, wo man nicht so auf Klischees und Unstimmigkeiten achten möchte, aber nichts, was haften bleibt, leider. 2-3 Sterne, 3 nur wegen des guen Konstrukts und Aufbau. Aber der Folgeband interessiert mich nicht und ich möchte Herrn Oetker im Moment auch nicht in einem anderen Buch lesen.
ungleiche Schwestern 08. Mai 2019
von mfurch
Zusammen mit ihrem Kollegen Isaakson ermittelt Zara von Hardenberg, die beste Profilerin von Europol, im Fall eines ermordeten jungen Mädchens mit sudanesischen Wurzeln. Auf den ersten Blick ist kein Motiv auszumachen, die Ermittlungen führen die beiden tief in das Milieu der Bandenkriminalität von Marseille. Zara weiß, dass jetzt nur noch ihre Zwillingsschwester
Zoë helfen kann. Die beiden Schwestern sind grundverschieden und stehen, was die Gesetz angeht, auf unterschiedlichen Seiten. Denn Zoë arbeitet für die korsische Mafia.

Ein spannender Plot, schon wegen den zwei Schwestern, die auf unterschiedlichen Seiten kämpfen und verfeindet sind. So unterschiedlich die Schwestern sind, so ist auch der Schreibstil, der der jeweiligen Figur angepasst ist.

Nach und nach erfährt man mehr über Zara und Zoë, ihr Verhältnis zueinander, ihre Vergangenheit, ihre Gedanken und Gefühle.

Der Fall ist spannend, gerade vor dem Hintergrund der Probleme, die in bestimmten französischen Vierteln herrschen. 5 Punkte für einen fesselnden, sehr aktuellen Thriller.
Das Doppelte Lottchen lässt grüßen 25. April 2019
"Zara und Zoë" halte ich für einen sensationell gut vermarkteten, aber allgemein überbewerteten Thriller von SPIEGEL-Bestseller-Autor Alexander Oetker. Das Buch umfasst 336 Seiten und erschien am 1. April 2019 im Droemer-Knaur-Verlag.

Cover und Layout
Das liebevoll gestaltete Cover lässt auf den ersten Blick nicht zwingend auf einen Thriller schließen. Erst im Nachhinein erahnt man die Dramaturgie: Marseille in der Abenddämmerung. Schrift, Schriftgröße, Zeilenabstand und Seitenränder sowie die großzügig gestalteten Überschriften (die gefühlt ein Viertel des Buches einnehmen) und die ungewöhnlich kurzen Kapitel - bzw. der ständige Szenenwechsel - schonen das Auge und tragen positiv dazu bei, das Buch zügig in einem Rutsch bei einer Flasche Pastis zu leeren ... ähm, pardon - zu lesen!

Ort und Zeit des Geschehens
Die Handlung spielt sich im Juli 2018 vor der malerischen Kulisse von Marseille ab, entführt den Leser aber auch in andere, namhafte europäische Metropolen. Organisierter Drogenhandel durch die Drogenmafia in Europa und die Ermordung eines 14-jährigen Mädchens sind Hauptthema des Thrillers.

Inhalt
Zara und Zoe sind Zwillingsschwestern, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Während die verspannte - mal sieben, später nur noch sechs Minuten ältere Schwester Zara eine autistische Perfektion an den Tag legt und als Profilerin bei Europol tätig ist, verdient sich die sympathische Zoe ihren Lebensunterhalt als Elite-Auftragskillerin bei der etablierten, hiesigen korsischen Mafia. Aufgrund familiärer Differenzen haben sich die Schwestern in den 1990er Jahren räumlich getrennt. Zara ist mit "Maman" nach Deutschland geflohen, die furchtlose Zoe hingegen hielt ihrem liebenswerten, charmanten Vater mit krimineller Vergangenheit in Südfrankreich die Treue. Nun aber ist die mimosenhafte Zara auf die Unterstützung ihrer jüngeren Schwester Zoe angewiesen.

Schreibstil
Mein Deutschlehrer hätte diesen Roman vermutlich als "literarischer Albtraum" bezeichnet. Die Geschichte wird aus der Sicht der verschiedenen Protagonisten erzählt. Der Autor bedient sich verschiedener Sprachstile und Ausdrucksweisen, die er den Charakteren anpasst. Der etwas gewöhnungsbedürftige Schreibstil konnte mich nicht überzeugen, aber genau davon lebt die Story: Kurzatmige, teilweise aufzählende und irritierende Sätze verleihen der Geschichte Tempo und einen eigenwilligen Charakter.

Fazit
"Leon, der Profi", "Das doppelte Lottchen" und "Der Pate" lassen grüßen. Ich hatte den Eindruck, das Drehbuch zu einem Actionfilm zu lesen. Grundsätzlich gelingt es dem Autor, durch kurze, knappe Sätze, teilweise auflistend, eine rasante und temporeiche Geschichte zu erzählen und den Protagonisten eine Identität sowie eine Persönlichkeit einzuverleiben. Der gute Mann hält sich wahrlich nicht mit Belanglosigkeiten auf, vermittelt aber dennoch stimmungsvolle Bilder. Wenn man ein Buch wie dieses gewinnt, neigt man aus Höflichkeit dazu, es positiv zu bewerten und sich alles schön zu reden, krampfhaft und mit aller Gewalt das Gute in dem Werk zu suchen und zu finden. Wenn dies aber nun der neueste Trend ist, dann lese ich lieber Schwaben-Krimis. Mir fällt es echt schwer, dieses Buch zu bewerten. Die Story ist nicht halb so aufregend wie erwartet. Der Autor bedient sich vieler Klischees. Ich vermisse Tiefgang. Meiner Meinung nach handelt es sich bei "Zara & Zoe" bestenfalls um eine verkappte Actionkomödie oder um einen gemeinen Aprilscherz. Man weiß es nicht so genau, darum empfehle ich das Buch nur bedingt weiter und vergebe 3 Sterne.