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Der Österreichische Buchpreis 2019

Norbert Gstrein: Als ich jung war

Jury: Norbert Gstreins Roman erinnert an das Gedicht „Zwielicht“ von Joseph von Eichendorff: Die Dämmerung bricht an, etwas Numinoses legt sich über das Land. Selbst dem Freund ist nicht zu trauen in dieser Stunde der verlorenen Sicherheiten. Norbert Gstrein ist ein Meister des „zwielichtigen“ Erzählens. Protagonist seines Romans ist ein Wirtssohn, der einige Jahre als Schilehrer in den USA gearbeitet hat, um dann nach Österreich zurückzukehren. Franz erzählt uns seine Geschichte, aber je mehr Details er vorbringt, umso unsicherer wird der Leser. Eine Braut ist gestorben – aber wie? Ein Mädchen wurde vergewaltigt – vielleicht. Ein anderes Mädchen ist verschwunden – wohin? Norbert Gstrein setzt Zeichen um Zeichen. Man folgt seinem Konstrukt und seinem bewundernswert klaren Satzbau mit Spannung, aber im Gegensatz zum Detektivroman gibt es hier kein Superhirn, das die Zeichen eindeutig interpretieren könnte. Am Ende hält der Leser viele Fäden in der Hand. Ob einer davon der rote ist – wer weiß!

Angela Lehner: Vater unser

Jury: In Angela Lehners Roman „Vater unser“ erzählt Eva Gruber von ihrer Einlieferung in die psychiatrische Anstalt, ihrem magersüchtigen Bruder, den sie dort findet und retten möchte, und ihrem Vater, den sie zusammen mit dem Bruder töten will. An das Gebot „Du sollst nicht lügen“, das es, wie sie feststellt, gar nicht gibt, hält sie sich überhaupt nicht: Hat sie nun die Kindergartenkinder erschossen, wie sie behauptet? Wurden sie und ihr Bruder vom Vater missbraucht und von der Mutter allein gelassen? Begeht der Chefpsychiater, der sie behandelt, wirklich Selbstmord? Unzuverlässig ist sie, die Erzählerin, respektlos und verletzlich zugleich, und sie kehrt damit nicht nur die Welten der Irren und der Normalen um, sondern stellt auch sämtliche, zumeist männliche Autoritäten und deren Ordnungen in Frage. Angela Lehners fulminanter Debütroman, unsentimental, frech und direkt erzählt, ist Familiengeschichte, Krankenhausreport und Krimi in einem – und zugleich ein kritischer Befund eines katholisch geprägten Österreich, in dem auf den Hausaltären neben dem Rosenkranz das gerahmte Porträtfoto von Jörg Haider liegt.

 

Österreichischer Buchpreis

Mit dem Österreichischen Buchpreis zeichnen das Bundeskanzleramt der Republik Österreich und der Hauptverband des Österreichischen Buchhandels jährlich zum Auftakt der BUCH WIEN im November das beste deutschsprachige belletristische, essayistische, lyrische oder dramatische Werk einer österreichischen Autorin bzw. eines österreichischen Autors mit einer Preissumme von 20.000 Euro aus. Die vier weiteren für den Preis Nominierten erhalten jeweils 2.500 Euro. Zusätzlich stiftet die Arbeiterkammer Wien einen Debütpreis (10.000 Euro für den Siegertitel, zwei weitere Finalisten erhalten 2.500 Euro).
 

Auswahlverfahren

Verlage, die Mitglied im Hauptverband des Österreichischen Buchhandels (HVB), im Börsenverein des Deutschen Buchhandels oder im Schweizer Buchhändler- und Verlegerverband (SBVV) sind, können mit jeweils maximal zwei Titeln aus ihrer Produktion bewerben. Die Titel müssen im Zeitraum von 1. Oktober des Vorjahres bis 11. Oktober des Vergabejahres erschienen sein. Zusätzlich dürfen Verlage der Jury drei weitere Titel aus ihrem aktuellen Programm zur Aufnahme in den Wettbewerb vorgeschlagen. Eine jährlich wechselnde Fachjury sichtet alle Einreichungen und stellt eine zehn Titel umfassende Longlist sowie eine Shortlist aus drei Titeln für den Debütpreis zusammen, die jeweils im September veröffentlicht wird. Aus dieser Auswahl ermitteln die Jurorinnen und Juroren fünf Finalisten. Die Shortlist wird im Oktober bekannt gegeben. Die Bekanntgabe der Siegertitel erfolgt im Rahmen der Preisverleihung am Vorabend der BUCH WIEN.