Schwimmen in der Tinte
von Rumiana Ebert
€ 24,00
Hardcover
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2026 Wieser Verlag
200 Seiten
Sprache: Deutsch
978-3-99029-715-5
Hauptbeschreibung
Unsere Familie hatte ein Geheimnis. Das machte uns stark und mich einsam. Es bestand darin, dass wir aus Bulgarien wegwollten.“ Bulgarien war Ende der 50er Jahre ein Land ohne Zukunft: grau und voller Repressionen. Aber wer flüchten wollte, riskierte Kopf und Kragen. Rumiana Eberts Familie gelang es erst nach mehreren Anläufen – und jeder war dabei auf sich allein gestellt. Auch andere setzten ihre Hoffnung auf Deutschland und machten bald die Erfahrung, dass sich das neue Leben schwieriger gestaltete als gedacht: Sie mussten sich erst recht und schlecht durchschlagen, bis der Neuanfang gelang. In ihrem autobiografisch gefärbten Roman erzählt Rumiana Ebert mit Knappheit und scheinbarer Beiläufigkeit von Menschen, die alles versuchten, um in Freiheit zu leben. Sie wirft einen Blick auf gebrochene Lebensläufe, aber auch auf Mut, Kraft und Durchhaltevermögen. Ihren Figuren folgt sie in mehreren Erzählsträngen, arrangiert souverän und leichthändig Szenen, die sich im Kopf der Leser zu einem facettenreichen Bild fügen. Rumiana Ebert hat sich bislang mit einem unverwechselbaren Ton als Dichterin etabliert. Dies ist ihr erster Roman.
Hardcover
2026 Wieser Verlag
200 Seiten
Sprache: Deutsch
978-3-99029-715-5




Wie man aus Bulgarien flüchtet. Oder eine ganz besondere Familiengeschichte
2026-05-16 10:41:00
Die Autorin geht an diese Fragestellung mit eigenen Erlebnissen sowie die ihrer Familie heran und erzählt uns in vielen Episoden vom Aufbruch und vom Ankommen. In Etappen, mühsam wie kämpferisch, setzt die Mutter der Autorin alles daran, Bulgarien zu verlassen. Eine direkte Flucht scheint nicht möglich, also versucht sie es mit Diplomatie anzugehen. Über Jobs, die ihr die Ausreise in ein anderes kommunistisches Land ermöglichen. Vorzugsweise Berlin, denn man sagt sich in Bulgarien, dass man dort einfach so über die Grenze von Ost- nach Westberlin spazieren kann. Ein Trugschluss, wie sich herausstellt. Außerdem durfte sie niemals Familienmitglieder auf ihren Reisen mitnehmen, die wurden quasi als Pfand im Land behalten.
Doch eines Tages gelingt ihr der große Schritt in den Westen. Bis alle Familienmitglieder nachkommen können, vergeht Zeit. Viel Zeit.
Doch was ist besser im neuen, „gelobten“ Land. Die Ankunft erweist sich als schwierig, den Lebensunterhalt zu verdienen genauso.
Die Bindungen zur Heimat erschweren alles, Ausgrenzungen und Demütigungen tragen das ihre dazu bei, dass man manchmal verstohlen auf das alte Leben zurück blickt. War wirklich alles so schlecht? Letztendlich wird diese Frage mit einem Ja beantwortet, denn die Freiheiten der westlichen Welt, die es nicht zu jedem Preis gibt, überwiegen.
Verschiedene Einblicke in die Lebensgeschichte der Familie fügen sich im Roman aneinander. Szenen von Glück und Leid der einzelnen Personen setzen sich letztendlich zu einem großen, überschaubaren Ganzen zusammen. Auch wenn es beim Lesen ab und wann etwas Durchhaltevermögen kostet. Nichts desto trotz ist der Roman flüssig zu lesen und gibt tiefe Einblicke die Welt der Flucht vom stählernem Kommunismus in die knallharte Realität der freien Marktwirtschaft.
Gerne geben ich eine Leseempfehlung für diese interessanten, familiären Einblicke.