Hauptbeschreibung

Eine Kindheit und Jugend im Ausnahmezustand und ein Mädchen, das zur Heldin der eigenen Geschichte wird. 

Lale wächst in den 80ern in einer Berliner Männer-Kommune auf, in der Partys gefeiert und Revolutionen geplant werden. Sie darf wach bleiben, solange sie will, Süßigkeiten essen und ewig fernsehen. Doch sie sehnt sich nach Geborgenheit und Verlässlichkeit, während ihre eigenen Grenzen immer wieder übertreten werden. Auf dem schmalen Grat zwischen Freiheit und Vernachlässigung sucht Lale ihren Weg, taumelt an den Rändern und findet Jahre später Halt im Erzählen selbst. 

Authentisch, verletzlich, von poetischer Spannkraft.

»Lilli Tollkien schreibt mit einer Wucht, die man kaum erträgt - und gerade deshalb lesen muss.« Mareike Fallwickl

»Nach der ersten Seite war ich erschüttert, nach dem ersten Kapitel gefesselt. Ein Roman von unwahrscheinlicher Gravitation, ein seltenes Juwel.« Edgar Rai


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Hardcover
Roman
2026 Aufbau-Verlag
255 Seiten
20 mm x 133 mm
Sprache: Deutsch
978-3-351-04284-4


Weitere verfügbare Ausgaben:

Autor

Lilli Tollkien, 1980 in Berlin geboren, begann verschiedene Ausbildungen und studierte unter anderem Regie und Musiktherapie in Berlin und Heidelberg. Sie arbeitete in sehr unterschiedlichen Berufen, etwa als Suchtberaterin in der JVA, als Jobcoach und Ausstatterin. Neben ihrem heutigen Beruf fotografiert sie und hat in Anthologien veröffentlicht. Sie lebt mit ihren Kindern in Leipzig. "Mit beiden Händen den Himmel stützen" ist ihr erster Roman.

Hersteller: Aufbau Verlage GmbH & Co. KG
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Ein Kind sucht Halt – und findet Worte 2026-05-03 22:07:00
„Mit beiden Händen den Himmel stützen“ ist ein autofiktionaler Roman, in dem Lilli Tollkien ihre Kindheitserlebnisse aus den 80er Jahren literarisch verarbeitet. Die Protagonistin Lale ist zwar erfunden, aber man spürt sofort, wie nah die Handlung an der Realität der Autorin liegt. Ich habe mir bewusst Zeit gelassen, um dieser Art von Erinnerungsarbeit gerecht zu werden, und das hat meinen Zugang zum Buch verändert.
Der Roman spricht sehr ernste Themen an: Alkoholsucht, Drogenkonsum, Vernachlässigung, verbale, psychische sowie sexualisierte Gewalt. Beim Lesen geht man durch viele Emotionen. Man ist betroffen, wütend, traurig, manchmal abgestoßen, und gleichzeitig fühlt man Lales Angst, ihre Verletzlichkeit, ihre Verlorenheit und ihre Suche nach Halt. Es gibt Momente, in denen man das Buch einfach zur Seite legen muss, um das Gelesene zu verarbeiten.
Einige Dinge konnte ich sehr gut nachvollziehen, weil ich selbst mit einem alkoholsüchtigen Elternteil aufgewachsen bin. Die morgendlichen Gerüche nach kaltem Rauch und Bier, die Treffen am Kiosk, die übergriffigen „netten“ Erwachsenen, die einen auf den Schoß ziehen wollen – das alles hat mich direkt in meine eigene Kindheit zurückgeworfen. Solche Erfahrungen verändern Kinder nachhaltig, und das zeigt der Roman sehr deutlich.
Gleichzeitig hat das Buch viele nostalgische Momente, die mich als 80er-Jahre-Kind sofort abgeholt haben. Klebrige Schlümpfe, Wassereis, bunte Polyester-Jogginganzüge, Sticker, Kaufhäuser, in denen man alles bekommen hat – das hat schöne Erinnerungen ausgelöst, die neben den schweren Themen stehen, ohne sie zu relativieren.
Am Anfang wirkte der Text auf mich etwas wirr. Als ich dann noch einmal von vorne begonnen und mir mehr Zeit genommen habe, ergab die Erzählweise plötzlich Sinn. Erinnerungen verlaufen nicht linear, sie springen, sie verschieben sich, und genau so erzählt Tollkien. Lale spricht durchgehend aus ihrer Sicht, zwischendurch tauchen Dialoge anderer Personen aus ihrem Umfeld auf. Die Sprache ist poetisch, aber nicht überladen.
Was einen immer wieder beschäftigt, ist die Frage, warum niemand Lale geschützt hat. Warum das Jugendamt Besuche ankündigt. Warum Erwachsene wegsehen, obwohl das Elend offensichtlich ist. Diese Fragen bleiben hängen und machen das Buch so herausfordernd.
Auch das Cover mit dem Bild der Künstlerin Xenia Hausner möchte ich hervorheben. Ich finde es sehr schön – die Farben und der Stil passen unglaublich gut zur Stimmung des Buches. Auf Instagram gibt es ein Foto der Autorin, auf dem sie sich das Cover teilweise vors Gesicht hält, und es ist faszinierend, wie perfekt das Design in seiner Gesamtheit harmoniert.

Fazit: Ein intensiver, poetischer und emotional fordernder Roman, der zeigt, wie ein Kind versucht, in einer instabilen Umgebung Halt zu finden. Für mich sind es 5 Sterne, weil die Autorin ihre Erinnerungen in eine Form bringt, die ehrlich wirkt und lange nachklingt.
Kein guter Start 2026-04-06 11:54:00
von Annaja
Von annaja

Ein buntes Cover, mit dem Porträt der Frau, das den Hilferuf erahnen lässt.

Die Autorin erzählt in ihrem Roman von der Kindheit einer jungen Frau, die einen schwierigen Start in ihr Leben hatte.

Lale, 1980 geboren, wächst beim Vater in einer Männer-WG in Berlin auf. Die Mutter ist schwer drogen- und alkoholabhängig und verbringt die meiste Zeit in Gefängnissen, sie kann ihre Tochter nicht begleiten. Aber auch der Vater ist ähnlich, er bietet ihr eine triste Umgebung, in der Gewalt und Alkohol überhand nehmen, auch er wandelt abseits der Gesellschaft und führt einen nichtbürgerlichen Lebensstil. Dennoch gibt er sein Bestes und so sucht Lale in seiner Nähe überall nach Geborgenheit, Trost und Stabilität, doch ihr Schmerz ist allgegenwärtig. Sie mag die Schule, ist eine gute und aufmerksame Schülerin, weil sie die Normalität im Schulalltag und mit ihren Freunden dort sehr schätzt.

Trotz all der unzähligen negativen Erfahrungen, Übergriffigkeiten ihr gegenüber und schweren Enttäuschungen sucht sie immer wieder, Halt zu finden. Sie kämpft und fällt dabei doch auch wieder in das Muster ihrer persönlichen Geschichte zurück.

Ein Buch, mit einer ganz tollen Erzählstruktur, das gut aufzeigt, wie sehr die Kindheit prägt.

Lesenswert!

wenn Kindheit keine Geborgenheit kennt 2026-03-18 13:42:00
von PeLi
"Mit beiden Händen den Himmel stützen" von Lilli Tollkien hat mich emotional sehr gefordert. Der Schreibstil der Autorin hat mir dabei durchaus gefallen, ruhig, eindringlich und nah an den Figuren. Gerade diese sprachliche Feinfühligkeit macht es jedoch stellenweise besonders schwer, das Gelesene auszuhalten.
Immer wieder habe ich mich während der Lektüre gefragt, ob es tatsächlich möglich gewesen wäre, dass eine Männer-WG so unkompliziert ein kleines Mädchen als Pflegekind aufnehmen kann. Vielleicht waren die Regelungen früher weniger streng? Ich hoffe ehrlich gesagt sehr, dass es heute nicht (mehr) so einfach wäre. Dieser Aspekt ließ mich nicht los und sorgte bei mir für ein gewisses Maß an Skepsis.

Besonders hart war für mich Lales Kindheit. Der geschilderte Missbrauch und vor allem die Reaktion ihres Vaters, der ihre Ängste herunterspielt, obwohl sie offen ausspricht, dass sie Angst hat, haben mich tief erschüttert. Es war schwer zu ertragen, wie allein und schutzlos Lale in diesen Momenten war. Mehr als einmal musste ich das Buch zur Seite legen, weil sich mir beim Lesen buchstäblich der Magen umdrehte. Der Gedanke, dass viele Kinder im echten Leben ähnliche Erfahrungen machen müssen, macht die Geschichte noch bedrückender.

Das Ende empfand ich weniger hoffnungsvoll, als ich es nach dem Klappentext erwartet hatte. Für mich überwog letztlich ein Gefühl der Schwere und der Ernüchterung. Auch wenn es sicherlich nicht Anspruch des Romans ist, eine einfache oder tröstliche Lösung zu präsentieren, hätte ich mir einen etwas versöhnlicheren Ausklang gewünscht.

Insgesamt ist es ein sprachlich gelungenes, aber sehr belastendes Buch, das wichtige Themen anspricht und unter die Haut geht. Für mich persönlich war es jedoch eher deprimierend als hoffnungsvoll, daher vergebe ich 3 von 5 Sternen.