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ISBN

Buchhändlerempfehlung

MMag. Katharina Huchler aus unserer Buchhandlung in Höchst empfiehlt dieses Buch:

Das Cover ließ mich eine harmlose Geschichte à la "Selection" erwarten, aber weit gefehlt: Hier trifft "Die Tribute von Panem" auf "A Handmaids Tale". Dicht geschrieben mit einem hohen Spannungsfaktor verfolgt die Geschichte sehr abgründige Ideen. Ein Thriller, der vor Augen führt, dass es nichts im Leben umsonst gibt, und dass der schöne Schein einer glitzernden Luxuswelt nur mit menschlichen Opfern aufrechterhalten werden kann.

Alle Buchtipps von MMag. Katharina Huchler



Dann schlaf auch du
von Slimani, Leïla
Trauriges Geschehen 22. September 2017
von begine
Die französsische Autorin Leila Slinani hat mit ihrem Roman „Dann schlaf auch du“ ein interessantes Werk geschaffen.
Der Untertitel ist Der Preis des Glücks.
Miriam und Paul waren das perfekte Paar und hatten jetzt zwei Kinder. Miriam möchte wieder in ihrem Beruf arbeiten. So suchen sie eine Nanny und finden Louise.
Sie scheint die Richtige zu sein, aber wir erfahren schnell aus ihren Gedanken, das sie nicht so ist, wie sie sich gibt.
Sie ist ein schwieriger Charakter, einesteils tat sie mir leid, dann war ich wütend auf sie.
Dann kommt Miriam früher nach Hause und das Baby ist tot, das Mädchen ist schwer verletzt.
Das ist der eigentliche Anfang und dann erfahren wir von den vorherigen Zuständen.
Mit guter fesselnder Sprache werden die Emotionen aller Personen gezeichnet.
Uns wird die ganze Tragödie klar. Obwohl ich wusste das es kein zurück gibt, die Kinder sind tot, hoffte ich immer noch auf eine gute Wendung.
Eine traurige, tragische und fesselnde Geschichte über den Zwiespalt von Mutterschaft oder Berufsleben. Nach dem Lesen dieses Psychothrillers traut man sich nicht mehr, seine Kinder von anderen Personen betreuen zu lassen.
Trotzdem war es ein guter spannender Roman. Ich kann ihn empfehlen.


Acht Berge
von Cognetti, Paolo
Arbeit am Berge des Lebens 22. September 2017
In der Freundschaft zwischen dem Ich-Erzähler Pietro und seinem "Helden" Bruno werden zwei gegensätzliche Lebensentwürfe durchgespielt: das Bleiben im abgelegenen Bergdorf der Kindheit und das Fortgehen, das Erkunden der Ferne. Auf den ersten Blick entspricht die Charakteristik der beiden Protagonisten diesem Gegensatz. Ihre Möglichkeiten, sich zu entwickeln und ihr Leben handelnd zu gestalten, sind bereits in der Kindheit vorgezeichnet: Dem aus einfachsten Verhältnissen stammenden Praktiker Bruno steht ein Erzähler gegenüber, der immer wieder die Distanz sucht, die Haltung des Intellektuellen und Theoretikers; aus dieser heraus gestaltet er erzählend das Gemeinsame der beiden Lebensgeschichten, die Freundschaft. So ist er es auch, der beider Verhältnis zueinander in die Bildlichkeit der titelgebenden nepalesischen Legende kleidet.
Bei näherem Hinsehen zeigt sich allerdings, dass die Distanz zum - bildlich gesprochen - Leben im bewohnbaren Tal auf Seiten des Praktikers eigentlich ebenso groß ist wie die seines in die Ferne strebenden Freundes. Ersterer, der sich ein Leben lang an ein und demselben, quasi dem höchsten Berg der Legende abarbeitet, der sich auf schwerste Arbeit wie auch auf die Liebe einlässt, scheitert; er endet in Besitzlosigkeit und der völligen Einsamkeit des Hochgebirges und übersiedelt in das Sommerhaus seines Freundes auf 2000 m Seehöhe. Der Freund, der in der Ferne gleichsam die acht weniger hohen Berge der Welt besteigt, sich eine halbherzige Nähe zu anderen Menschen bewahrt und seine Arbeit nur beiläufig mit wenigen Worten streift - dieser Ich-Erzähler kann von vornherein an keinem "Gipfel" scheitern, da er in seinem unverbindlichen Lebensentwurf eine derart unbedingte Bindung und Zielsetzung nie entwickelt. Im abschließenden III. Teil des Romans zeichnet sich ab, dass beide Freunde auf einer symbolischen Ebene an demselben "Berg" unterwegs sind: Sie sind auf der letztlich erfolglosen Suche nach einem Sinn in ihrem Leben.
So hinterlässt die Lektüre eine gewisse Wehmut, der aber die immer wieder neue Schönheit der Naturschilderungen gegenübersteht: eine sprachliche Schönheit, die hier nicht zu besprechen, sondern nur zu erlesen ist.

In Gewahrsam
von Anita Desai
Aus Liebe zur Dichtung 22. September 2017
In Gewahrsam ist eine Wiederveröffentlichung eines 1987 schon einmal unter anderen Titel erschienen Romans der indischen Schriftstellerin Anita Desai. Damals hieß das Buch „Die Hüter der wahren Freundschaft“. Der Roman wurde im Original 1984 geschrieben und gilt als einer der besten der Autorin. Zu Recht, wie ich finde, obwohl auch andere Bücher von ihr sehr gelungen sind.

Kurz zur Handlung: Der Lehrer Deven wird von seinem alten Freund, dem Herausgeber Murad angesprochen, eine Artikel für seine Zeitschrift zu schreiben. Es soll ein Beitrag über den alten, sehr bekannten Lyriker mit dem ungewöhnlichen Namen „Nur“ gehen. Nur ist einer der bedeutendsten Autoren der Urdu-Dichtung, doch er befindet sich in einer Schaffenskrise und hat lange nichts veröffentlicht. Zwischen den Sprachen Hindi und Urdu herrscht Konkurrenz, Urdu gilt vielen als zu gehoben und politisch anders motiviert. Die Gegensätze der doch sehr ähnlichen Dialekte werden von Desai in geschickter Art thematisiert.

Deven ist anfangs sehr zögerlich, schließlich aber bereit den Meister in Delhi aufzusuchen, da er ihn und seine Gedichte bewundert. Bei der ersten Begegnung ist Deven schockiert vom Zustand des alten Mannes, der im Streit mit der Familie lebt und dem Alkohol zu sehr zugetan ist. Hinzu kommt die Schreibblockade, doch Nur spürt Devens Bewunderung und will ihn schließlich als Sekretär, dem er seine Biographie erzählen will. Aber da gibt es noch einige Hindernisse zu überwinden.

Die Art, wie das Buch geschrieben ist, zeigt eine Parodie auf den Literaturbetrieb, es ist aber keine Satire im eigentlich Sinne, den Anita Desai gestaltet ihre Figuren realistisch, als am Leben leidende und zaudernde. Dazu überzeugt das Buch als Literatur über Literatur und Sprache. Diese Form ist sehr überzeugend.
Sprachlich ist der Roman fein ausgestaltet, ein Genuß. Schade, dass das Buch damals nicht den renommierten Booker-Preis gewann, obwohl es auf der Short-List stand. Den gewann dann ca. 20 Jahre später Anita Desais Tochter, Kiran, die ebenfalls Schriftstellerin wurde.

Anita Desai war in Deutschland nie so bekannt, aber doch erschienen einige Bücher von ihr. Die letzten Jahre wurde es aber still um ihre Werke in Deutschland. Sehr löblich, dass der vergriffene Roman jetzt wieder verfügbar ist. Hoffentlich erscheinen noch weitere.